Mit wenig Geld viel erreichen. Geht das?
Dank der Bachelor-Arbeit von Wirtschaftsinformatikerin Hanja Heimann profitiert sowohl das Frauenhaus als auch die Autorin selbst.
Non-Profit-Organisationen wie das Frauenhaus Aargau/Solothurn sind auf Spenden angewiesen. Der Aufbau eines professionell geführten Fundraisings jedoch erfordert Zeit und Geld. «Wir sind im Alltag stark gefordert, die Betreuung unserer Klientinnen steht immer im Vordergrund», sagt Rosmarie Hubschmid Geschäftsleiterin, die Leiterin des Frauenhauses Aargau/Solothurn. Diese Ausgangslage brachte Hanja Heimann, Studentin der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW auf eine Idee.
Die Studentin arbeitet seit einiger Zeit als Projektmitarbeiterin Digitalisierung im Frauenhaus und dies «total gern». Sie standardisiert zentrale Prozesse im Frauenhaus. Damit unterstützt sie die Mitarbeiterinnen in ihrer täglichen Arbeit und hilft, die Kosten zu senken.
Nun erkennt Heimann ein mögliches Thema für ihre bevorstehende Bachelor-Arbeit: Ein Konzept für das Spendenmanagement im Frauenhaus, strategisch fundiert und später schlank umsetzbar. Rosmarie Hubschmid stimmt diesem Vorschlag zu, denn: «Für eine Unternehmensberatung fehlen uns die Mittel. Eine Studierendenarbeit kann diese Lücke ideal schliessen.» Gleichzeitig kann sich Heimann in ein neues Thema – Fundraising – vertiefen.
Die Konkurrenzanalyse macht ihr rasch klar, dass ein «Copy-paste» fremder Spendenstrategien nicht funktionieren wird. «Selbst Frauenhäuser lassen sich nur schwer vergleichen», sagt Heimann.
Das Frauenhaus Aargau/Solothurn geniesse in beiden Kantonen hohe Akzeptanz. Die Bereitschaft, diese Institution mit Spenden zu unterstützen, schätzt Heimann als gross ein. Das Problem: Das Frauenhaus ist nicht allen bekannt. Heimann rät deshalb, mit starkem (und datenschutzgerechtem) Storytelling auf Social Media die Sichtbarkeit zu erhöhen.
Heimann empfiehlt ausserdem eine konsequente Digitalisierung des Spendenprozesses. Dies eröffne Spielraum für persönliche Gesten, etwa liebevoll formulierte Dankesschreiben, die dann automatisiert versendet werden. Besonders sorgfältig prüft Heimann digitale Fundraising-Tools auf Datenschutz und Revisionssicherheit, um eine professionelle Spendenbuchhaltung zu gewährleisten.
«Das Projekt zeigt, wie wirkungsvoll Digitalisierung und strategische Kommunikation gerade im Non-Profit-Bereich eingesetzt werden können. Es ist ein Leuchtturmbeispiel für gesellschaftlich relevanten Wissenstransfer.»
Spenden müsse ausserdem so einfach wie möglich sein. Ein auffälliger, farbiger Button auf der Webseite des Frauenhauses sei eine schnell umsetzbare und wirksame Massnahme. Ergänzend sollten Zahlungsoptionen wie Apple Pay, Twint, QR-Code oder direkte Online-Zahlung über die Homepage angeboten werden.
Prof. Martina Dalla Vecchia, Expertin für Digital Marketing an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, hat Heimanns Bachelor-Thesis betreut. Sie sagt: «Das Projekt zeigt, wie wirkungsvoll Digitalisierung und strategische Kommunikation gerade im Non-Profit-Bereich eingesetzt werden können. Es ist ein Leuchtturmbeispiel für gesellschaftlich relevanten Wissenstransfer.»
Die Hochschule für Wirtschaft FHNW kürt Heimanns Bachelor-Thesis zur besten des Studiengangs Wirtschaftsinformatik.
Ein wichtiger Schritt in die Zukunft ist getan, die Umsetzung bereits eingeleitet. Rosmarie Hubschmid: «Der strukturierte, praxistaugliche Ansatz Hanja Heimanns gibt uns Werkzeuge an die Hand, um Spenden zu generieren und Spendentreue aufzubauen.


