Seit 15 Jahren bildet die FHNW Energie- und Umweltingenieur*innen aus. Zum Jubiläum zeigen wir, wie Studierende Gebäude und Städte mitgestalten, kreative Ideen entwickeln und Projekte voranbringen – und welche Möglichkeiten das Studium der nächsten Generation von Ingenieurinnen eröffnet.
15 Jahre EUT: Wie wollen wir morgen leben und arbeiten?
Seit 15 Jahren bildet die FHNW Energie- und Umweltingenieur*innen aus. Zum Jubiläum schauen wir nach vorne: Welche Aufgaben erwarten die nächste Generation – und wie bereitet das Studium darauf vor?
In der Studienrichtung Nachhaltige Gebäude und Städte geht es um die Orte, an denen unser Alltag stattfindet. Aus einer ehemaligen Fabrik wird ein lebendiger Ort mit Wohnungen, Büros und Begegnungsräumen. Ein Schulhaus soll auch an heissen Sommertagen angenehm bleiben. Ein Quartier verbindet bestehende Gebäude mit neuen Nutzungen und einer gemeinsamen Energieversorgung.
Hinter solchen Vorhaben stehen viele Entscheidungen: Was lässt sich erhalten? Welche Materialien und welche Gebäudetechnik eignen sich? Und wie wird aus unterschiedlichen Anforderungen ein durchdachtes, umsetzbares Projekt?
Im Bachelorstudium Energie- und Umwelttechnik FHNW, kurz EUT, lernen Studierende, diese Fragen miteinander zu verbinden. Sie entwickeln das Fachwissen und die Projektkompetenz, um Gebäude und Areale weiterzudenken – und gemeinsam mit anderen Fachpersonen ihre Umsetzung voranzubringen.
Warum Gebäude als Gesamtsysteme betrachtet werden müssen
Materialien, Bauweise, Gebäudetechnik und Nutzung beeinflussen sich gegenseitig. Wer ein Gebäude plant oder verändert, muss deshalb verstehen, wie Entscheidungen in einem Bereich auf andere Bereiche wirken.
Grosse Fenster bringen beispielsweise viel Tageslicht in einen Raum. Gleichzeitig kann durch sie im Sommer viel Wärme ins Gebäude gelangen. Ob der Raum angenehm bleibt, hängt vom Zusammenspiel zwischen Sonnenschutz, Bauweise und Lüftung ab.
Auch bei einer Sanierung greifen die Massnahmen ineinander: Eine besser gedämmte Gebäudehülle senkt den Wärmebedarf. Dadurch kann eine kleinere Heizungsanlage ausreichen. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie das Gebäude genutzt wird und welche Energiequellen verfügbar sind.
Ingenieur*innen vergleichen deshalb verschiedene Möglichkeiten und beurteilen deren Auswirkungen auf Komfort, Energiebedarf, Kosten und Betrieb. Ihr Ziel ist ein Gebäude, dessen einzelne Komponenten zusammenpassen – und das den Menschen dient, die darin leben und arbeiten.
Welche Rolle spielt die Energieversorgung?
Eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung ist eine der wichtigen Fragen unserer Zeit. Sie betrifft Unternehmen, Mobilität und unseren Alltag. Gebäude sind dabei sowohl Energieverbraucher als auch mögliche Erzeuger und Speicher.
An einem Gebäude lässt sich dieses Zusammenspiel anschaulich erklären: Eine Photovoltaikanlage erzeugt Strom auf dem Dach. Eine Wärmepumpe nutzt Strom, um Wärme aus der Luft, dem Boden oder dem Wasser zum Heizen verfügbar zu machen. Ein Speicher kann helfen, Erzeugung und Verbrauch zeitlich aufeinander abzustimmen.
Doch Sonnenstrom steht nicht immer dann zur Verfügung, wenn er gebraucht wird. Auch der Wärmebedarf verändert sich – abhängig von Wetter, Tageszeit und Nutzung. Deshalb müssen Gebäudetechnik, Speicherung, Steuerung und die Anbindung an das Energienetz zusammenpassen.
Die Aufgabe lautet also: Welche Kombination eignet sich für dieses Gebäude oder Areal? Wie lässt sie sich zuverlässig betreiben? Und welche Lösung ist langfristig wirtschaftlich sinnvoll?
Um diese Fragen zu beantworten, braucht es technisches Verständnis und die Fähigkeit, verschiedene Möglichkeiten systematisch zu vergleichen.
Was lernt man im Bachelorstudium Energie- und Umwelttechnik FHNW?
EUT verbindet die Kompetenzen von drei Hochschulen der FHNW: der Hochschule für Wirtschaft, der Hochschule für Technik und Umwelt sowie der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik.
Die Studierenden erwerben Grundlagen in Energie, Bau und Kreislaufwirtschaft. Mathematik, Physik und weitere naturwissenschaftliche und technische Fächer bilden dafür die Basis. Hinzu kommen Wirtschaft, Kommunikation und Projektmanagement.
Im Verlauf des Studiums können sie ihre Interessen in drei Studienrichtungen vertiefen:
- Nachhaltige Gebäude und Städte: Gebäude, Quartiere und Städte entwickeln und dabei Materialien, Bauphysik, Gebäudetechnik, Nutzung und Betrieb zusammen betrachten.
- Erneuerbare Energien und Energiesysteme: Energie aus erneuerbaren Quellen nutzbar machen und Systeme zur Umwandlung, Speicherung und Bereitstellung von Energie gestalten.
- Kreislaufwirtschaft und Ressourcenmanagement: Produkte, Materialien und Prozesse so weiterentwickeln, dass Ressourcen effizient eingesetzt und möglichst lange genutzt werden.
Diese breite Grundlage hilft, auch Aufgaben ausserhalb des eigenen Schwerpunkts einzuordnen und mit anderen Fachpersonen zusammenzuarbeiten.
Nachhaltige Gebäude und Städte: Drei Profile zur Vertiefung
Am Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau der FHNW steht eine zentrale Frage im Mittelpunkt:
Wie entwickeln wir Gebäude und ganze Areale als funktionierende Systeme für die Zukunft – von Materialien und Bauphysik bis zu Gebäudetechnik, Nutzung und Betrieb?
Innerhalb der Studienrichtung Nachhaltige Gebäude und Städte können Studierende die Profile Nachhaltiges Bauen, Bauphysik oder Gebäudetechnik wählen.
Nachhaltiges Bauen: Materialien, Bestand und Lebenszyklus
Im Profil Nachhaltiges Bauen geht es darum, Gebäude über ihre gesamte Lebensdauer zu betrachten: von der Wahl der Baustoffe über die Nutzung und Sanierung bis zum Rückbau und zur möglichen Wiederverwendung von Bauteilen.
Die Studierenden beschäftigen sich mit Bauplanung, Baustoffen, Gebäudesanierungen und Ökobilanzen. Sie untersuchen beispielsweise, welche Umweltwirkungen unterschiedliche Bauweisen verursachen und welche Vorteile der Erhalt eines bestehenden Gebäudes haben kann.
Dabei spielt die graue Energie eine Rolle. Gemeint ist die Energie, die etwa für die Gewinnung von Rohstoffen, die Herstellung und den Transport von Baustoffen benötigt wird. Sie steckt bereits im Gebäude, bevor dort zum ersten Mal geheizt oder das Licht eingeschaltet wird.
Der Blick reicht auch über das einzelne Haus hinaus: Wie lassen sich Quartiere weiterentwickeln? Welche Massnahmen können Hitze in Städten mindern? Und wie beeinflussen Mobilität und Freiräume die Qualität eines Areals?
Bauphysik: Wärme, Feuchtigkeit und Schall verstehen
Bauphysik erklärt, wie sich Wärme, Feuchtigkeit und Schall in Gebäuden und Bauteilen verhalten. Dieses Wissen trägt dazu bei, angenehme Räume zu schaffen und Bauschäden zu vermeiden.
Die Studierenden beschäftigen sich beispielsweise mit folgenden Fragen: Wie viel Wärme geht durch eine Gebäudehülle verloren? Wann besteht das Risiko, dass sich Feuchtigkeit in einem Bauteil sammelt? Wie lässt sich verhindern, dass sich Räume im Sommer stark aufheizen?
Hinzu kommen Schallschutz und Raumakustik. Schallschutz soll die Übertragung störender Geräusche begrenzen, etwa zwischen Wohnungen. Raumakustik befasst sich damit, wie sich Schall innerhalb eines Raums ausbreitet – beispielsweise, ob Sprache in einem Unterrichtsraum gut verständlich ist.
Mit thermischen Gebäudesimulationen können Studierende vergleichen, wie sich unterschiedliche Fenster, Verschattungen oder Bauweisen auf Raumtemperaturen und Energiebedarf auswirken. So lassen sich Planungsentscheidungen bereits vor der Umsetzung untersuchen.
Gebäudetechnik: Anlagen aufeinander abstimmen
Gebäudetechnik sorgt dafür, dass ein Gebäude im Alltag nutzbar ist: Räume werden beheizt und belüftet, Wasser wird bereitgestellt und Arbeitsplätze werden beleuchtet.
Die Studierenden vertiefen sich unter anderem in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, Beleuchtung, Sanitärtechnik, Wärmepumpen und Gebäudeautomation. Sie lernen, diese Systeme auf das Gebäude und seine Nutzung abzustimmen.
Mess- und Sensortechnik liefert dafür wichtige Informationen. Sensoren können beispielsweise Temperatur oder Luftqualität erfassen. Eine Steuerung kann darauf reagieren und die Lüftung an den tatsächlichen Bedarf anpassen.
Entscheidend ist das Zusammenspiel: Welche Anlagen braucht es? Wie werden erneuerbare Energien eingebunden? Und wie lassen sich Komfort, Energiebedarf und ein zuverlässiger Betrieb miteinander verbinden?
Praxisnahes Studium von Anfang an
Wie wird aus Fachwissen ein Verständnis dafür, wie Gebäude funktionieren? In den Unterrichtsmodulen entwickeln Studierende kreative, durchdachte Gebäudemodelle, experimentieren mit Lehm, simulieren das Temperaturverhalten von Räumen oder untersuchen technische Anlagen.
Dabei ergänzen sich unterschiedliche Zugänge: Modelle machen räumliche Ideen sichtbar und diskutierbar. Materialexperimente zeigen, wie sich Baustoffe verarbeiten lassen und welche Eigenschaften sie besitzen. Mit Messungen und Simulationen überprüfen die Studierenden Annahmen und vergleichen mögliche Lösungen.
Die Dozierenden bringen ihre Erfahrungen aus Praxis und Forschung in den Unterricht ein. An konkreten Beispielen zeigen sie, welche Fragen bei Planung, Bau und Betrieb auftreten und wie Fachpersonen damit umgehen.
Regelmässige Exkursionen ergänzen den Unterricht: In Unternehmen, Laboren, Gebäuden und auf Arealen erleben die Studierenden, wie Konzepte umgesetzt werden. Sie kommen mit Fachpersonen ins Gespräch und erhalten Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder.
Projektmanagement: Aus Wissen wird Umsetzung
Neben den Unterrichtsmodulen bilden Studierendenprojekte ab dem ersten Semester einen festen Bestandteil des Studiums. Ab dem zweiten Semester bearbeiten die Studierenden auch Aufgaben für externe Auftraggeber.
Hier führen sie ihr Wissen zusammen und lernen, ein Vorhaben im Team zu organisieren. Am Anfang steht die Frage: Welches Problem soll gelöst werden – und was brauchen die Auftraggebenden tatsächlich?
Die Studierenden klären Anforderungen, beschaffen fehlende Informationen, planen Arbeitsschritte und verteilen Aufgaben. Sie entwickeln Lösungsvarianten, bewerten diese und präsentieren ihre Empfehlungen nachvollziehbar.
Dabei müssen sie unterschiedliche Anforderungen aufeinander abstimmen: Eine technisch überzeugende Idee soll auch zum Budget, zum Zeitplan und zur vorgesehenen Nutzung passen. Ändern sich die Rahmenbedingungen, gilt es, die Auswirkungen zu erkennen und das weitere Vorgehen anzupassen.
So entsteht Projektkompetenz, die in vielen Berufsfeldern gebraucht wird: Fachwissen zusammenführen, Entscheidungen begründen und gemeinsam mit unterschiedlichen Fachpersonen komplexe Bau- und Arealprojekte voranbringen.
Welche Berufsmöglichkeiten eröffnet das Studium?
Energie- und Umweltingenieur*innen arbeiten unter anderem in Planungs- und Ingenieurbüros, Beratungsunternehmen, Energieversorgungs- und Industrieunternehmen, öffentlichen Verwaltungen oder Forschungsinstitutionen.
Die Studienrichtung Nachhaltige Gebäude und Städte eröffnet beispielsweise folgende Tätigkeitsfelder:
- Beratung und Sanierung: Bauherrschaften bei der Weiterentwicklung bestehender Gebäude und Areale unterstützen.
- Gebäudetechnikplanung: Technische Anlagen planen, aufeinander abstimmen und ihre Umsetzung begleiten.
- Fachplanung Bauphysik: Wärmeschutz, Feuchteschutz, Schallschutz und Raumkomfort untersuchen und geeignete Massnahmen entwickeln.
- Ökobilanzierung und Gebäudebewertung: Umweltwirkungen von Materialien und Gebäuden berechnen und Grundlagen für Gebäudelabels erarbeiten.
- Betriebsoptimierung: Untersuchen, wie bestehende Anlagen tatsächlich funktionieren, und ihren Betrieb verbessern.
- Stadt- und Arealentwicklung: An Konzepten für Hitzeminderung, Mobilität und die Weiterentwicklung von Quartieren mitwirken.
Mit entsprechender Erfahrung können Absolvent*innen auch die Leitung und Koordination von Projekten übernehmen.
Ob du planst, entwickelst, berätst oder Projekte leitest: Als Ingenieur*in gestaltest du mit, wie wir morgen leben und arbeiten.
Das Studium kennenlernen
Du möchtest herausfinden, ob Energie- und Umwelttechnik zu dir passt?
Am Infoanlass vom 24. November 2026 an der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik in Muttenz erhältst du Einblick in das Studium und kannst Fragen zu Inhalten, Studienmodellen und Zulassung stellen.
Oder du wirst Student for a Day und lernst EUT direkt im Studienalltag kennen.
Mach die wichtigen Fragen unserer Zeit zu deiner Challenge.
Häufige Fragen zum Bachelorstudium Energie- und Umwelttechnik
Ist Nachhaltige Gebäude und Städte ein eigener Studiengang?
Nein. Nachhaltige Gebäude und Städte ist eine von drei Studienrichtungen im Bachelorstudiengang Energie- und Umwelttechnik FHNW. Innerhalb dieser Studienrichtung gibt es die Profile Nachhaltiges Bauen, Bauphysik und Gebäudetechnik.
Brauche ich eine technische Berufslehre für das Studium?
Eine technische Berufslehre ist nicht der einzige Zugang. Auch mit einer abgeschlossenen kaufmännischen Berufslehre und Berufsmaturität ist der direkte Einstieg in EUT möglich. Vorbereitungskurse können helfen, Grundlagen aufzufrischen. Informationen zum Einstieg mit KV-Abschluss
Kann ich mit einer gymnasialen Matura Energie- und Umwelttechnik studieren?
Ja. Mögliche Wege sind ein einschlägiges Praktikum vor dem Studium oder das praxisintegrierte Bachelorstudium PiBS. Beim PiBS wird die erforderliche Praxiserfahrung während des Studiums in einem Unternehmen erworben. Die Studienberatung unterstützt bei der Klärung der individuellen Voraussetzungen.
Was unterscheidet Bauphysik und Gebäudetechnik?
Bauphysik untersucht das Verhalten von Wärme, Feuchtigkeit und Schall in Gebäuden. Gebäudetechnik befasst sich mit Anlagen wie Heizung, Lüftung, Beleuchtung und deren Steuerung. Beide Bereiche greifen ineinander und beeinflussen den Komfort und den Energiebedarf eines Gebäudes.
Welche Rolle spielt Projektmanagement im Studium?
Studierende lernen in Praxisprojekten, Aufgaben zu strukturieren, im Team zusammenzuarbeiten, Lösungen zu vergleichen und Ergebnisse gegenüber Auftraggebenden zu vertreten. Projekte beginnen im ersten Semester, ab dem zweiten Semester auch mit externen Auftraggebern.
Welche Berufsaussichten habe ich nach dem Studium?
Mit dem Bachelor in Energie- und Umwelttechnik FHNW stehen dir unterschiedliche Wege offen – etwa in Ingenieur- und Planungsbüros, Beratungsunternehmen, bei Energieversorgern, in der Industrie oder in öffentlichen Verwaltungen.
Mit der Studienrichtung Nachhaltige Gebäude und Städte kannst du beispielsweise ganzeitlich Energie- und Gebäudetechnik planen, als Bauphysiker*in für angenehme Räume sorgen, Bauherrschaften bei Sanierungen beraten oder an der Entwicklung von Quartieren mitwirken. Mit wachsender Erfahrung kannst du auch Bau- und Arealprojekte leiten. Dabei hilft dir die Projektkompetenz, die du bereits im Studium aufbaust.











