Wie lassen sich Informationen aus der Planung und dem Bau langfristig für den Gebäudebetrieb nutzen? Annett Fack, Dozierende im CAS Geoinformation & BIM an der FHNW, erklärt, weshalb Facility Management bereits in frühen Projektphasen berücksichtigt werden sollte, welche Herausforderungen bei der Nutzung von BIM-Daten entstehen und welche Rolle GeoBIM künftig für Bestandsimmobilien spielen wird.
Was vermitteln Sie an Ihrem Kurstag im CAS GeoBIM, und welche Inhalte sind Ihnen dabei besonders wichtig?

In meinem Kurstag vermittle ich, wie BIM und Facility Management über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie zusammenwirken. Wir beginnen mit den Grundlagen des Facility Managements und befassen uns anschliessend mit dem Immobilienlebenszyklus, dem planungs- und baubegleitenden Facility Management, den Lebenszykluskosten sowie dem Prozess- und Leistungsmodell im Facility Management (ProLeMo). Darauf aufbauend beschäftigen wir uns mit BIM2FM und der Frage, wie Informationen aus Planung und Bau strukturiert in den Betrieb überführt und dort langfristig genutzt werden können.
Besonders wichtig ist mir der Praxisbezug. Deshalb arbeite ich mit konkreten Beispielen aus meiner beruflichen Praxis und zeige live, wie Anlagen, Bauteile, Attribute und Dokumente strukturiert erfasst, miteinander verknüpft und im Betrieb genutzt werden können. Die Teilnehmenden sollen nicht nur theoretisch verstehen, was BIM2FM bedeutet, sondern auch erkennen, welche Entscheidungen und Vorarbeiten erforderlich sind, damit die Daten später tatsächlich einen Mehrwert schaffen.
Warum ist Facility Management ein relevantes Thema im BIM-Kontext, und weshalb sollte es bereits bei der Planung und beim Bau mitgedacht werden?
Ein Gebäude ist mit seiner Fertigstellung nicht abgeschlossen. Danach beginnt seine längste Phase: der Betrieb. Hier müssen Anlagen gewartet, Flächen bewirtschaftet, Störungen behoben, Umbauten geplant und Informationen laufend aktualisiert werden. Die Betriebsphase ist ein zentraler Teil des Immobilienlebenszyklus, in dem durchgängige Informationen einen wesentlichen Mehrwert schaffen.
Viele Entscheidungen, welche die spätere Nutzung, Bewirtschaftung, Vermietbarkeit, Kosten und den Werterhalt beeinflussen, werden bereits in der Planungs- und Projektierungsphase getroffen. Gleichzeitig nimmt die Möglichkeit, diese Faktoren zu beeinflussen, mit fortschreitendem Projektverlauf ab. Deshalb muss das Facility Management seine Anforderungen frühzeitig einbringen. Genau hier setzt das planungs- und baubegleitende Facility Management an.
Im BIM-Kontext bedeutet das: Wir müssen nicht möglichst viele Daten bestellen, sondern frühzeitig klären, welche Informationen der Betrieb später wirklich benötigt. Dazu gehören beispielsweise Angaben zu wartungsrelevanten Anlagen, technische Attribute, Betriebs- und Wartungsunterlagen, Garantien sowie klar definierte Verantwortlichkeiten für die Übergabe.
Welche Herausforderungen begegnen Fachpersonen bei der Nutzung von BIM-Daten im Betrieb?
Die grösste Herausforderung ist häufig nicht das Fehlen von Daten, sondern deren Qualität und Struktur. Planungsmodelle können sehr detailliert sein. Das Facility Management kann und soll jedoch nicht sämtliche im Projekt entstandenen Informationen dauerhaft pflegen. Deshalb stellt sich früh die Frage: Welche Anlagen und Bauteile sind betriebsrelevant, welche Attribute werden benötigt und welche Dokumente müssen damit verknüpft werden?
Ein Modell allein löst diese Probleme nicht. Entscheidend sind strukturierte Informationsanforderungen, eine klare Datenverantwortung und ein System, in dem die Informationen im Alltag tatsächlich genutzt und aktuell gehalten werden.
Welche Erkenntnisse sollen die Teilnehmenden aus Ihrem Kurstag für ihre berufliche Praxis mitnehmen?
Die wichtigste Erkenntnis ist: BIM endet nicht mit der Bauabnahme. Der langfristige Nutzen entsteht erst, wenn Informationen aus Planung und Bau im Betrieb auffindbar, verständlich und anwendbar sind.
Die Teilnehmenden sollen zudem mitnehmen, dass nicht die maximale Datenmenge entscheidend ist, sondern die richtige Information in der richtigen Qualität und Struktur. Sie sollen in ihrer beruflichen Praxis frühzeitig folgende Fragen stellen können:
Wer benötigt welche Information?
Für welchen betrieblichen Prozess wird sie benötigt?
In welcher Detailtiefe muss sie vorliegen?
Wer hält sie nach der Übergabe aktuell?
Mein Ziel ist, dass die Teilnehmenden nicht nur Fachbegriffe kennen, sondern in ihren Projekten die richtigen Fragen stellen und die Interessen von Planung, Bau, Eigentümerschaft und Betrieb miteinander verbinden können.
Welche Entwicklungen erwarten Sie an der Schnittstelle von BIM und Facility Management, und welche Rolle wird GeoBIM dabei künftig spielen?
Ich bin überzeugt, dass die Bedeutung von Bestandsliegenschaften in den kommenden Jahren stark zunehmen wird. Während bei Neubauten zunehmend strukturierte BIM-Daten vorhanden sind, fehlen bei einem grossen Teil des bestehenden Gebäudeparks verlässliche digitale Grundlagen. Genau hier sehe ich eine zentrale Rolle von GeoBIM. Die Erfassung von Bestandsgebäuden mittels Laserscanning oder anderen geomatischen Methoden schafft die Grundlage, um bestehende Immobilien digital verfügbar und nutzbar zu machen.
Für das Facility Management ist das besonders relevant. Bevor Prozesse automatisiert, digitale Zwillinge aufgebaut oder KI-Anwendungen eingesetzt werden können, müssen die Gebäude, Anlagen und Räume zunächst erfasst, strukturiert und dokumentiert werden. Geomatik liefert dafür die notwendige Datengrundlage. Erst auf dieser Basis können BIM-Modelle, CAFM-Systeme und betriebliche Anwendungen effizient genutzt werden.
GeoBIM schafft die Datengrundlage, BIM strukturiert die Informationen und das Facility Management nutzt diese Informationen über Jahrzehnte hinweg im Betrieb. Genau in diesem Zusammenspiel sehe ich die Zukunft.
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