Lehm suchen, prüfen, formen und damit bauen: Danilo Greco, 5. Semester Energie- und Umwelttechnik FHNW, Studienrichtung Nachhaltige Gebäude und Städte, erzählt von zwei Tagen im Lehmlabor und davon, was passiert, wenn aus einer geplanten Mauer ein kleines Kolosseum wird.
Ihr solltet euren Baustoff selbst mitbringen. Wie begann der Kurs?
Schon vor dem ersten Kurstag hatten wir einen ungewöhnlichen Auftrag: selbst Lehm finden und mitbringen. Am ersten Morgen im Lehmlabor lagen deshalb ganz verschiedene Böden vor uns, und wir nahmen sie gemeinsam unter die Lupe. Wir haben den Lehm angefasst, verglichen, befeuchtet und mit einfachen physikalischen Tests geprüft. So zeigte sich Schritt für Schritt, welche Eigenschaften und welche Qualität in unserem Material steckten.
Aus dem eigenen Lehm formte jede und jeder eine Kugel, einen sogenannten Dorodango, und polierte sie so lange, bis sie glänzte. Dabei entstanden überraschend schöne Oberflächen und Strukturen, und wir sahen, wie viel gestalterisches Potenzial Lehm auch im Innenausbau hat.
Wie habt ihr herausgefunden, welcher Lehmzustand sich für welche Bauweise eignet?
Am Nachmittag ging es in Gruppen an die Carazas-Matrix. Wir haben denselben Lehm mit unterschiedlich viel Wasser verarbeitet: verdichtet, von Hand gepresst und gegossen. Nicht immer kam heraus, was wir erwartet hatten, und genau das machte es spannend. In der gemeinsamen Auswertung wurde greifbar, für welche Bauweise welcher Zustand des Lehms geeignet ist.
Hat sich dabei auch euer Blick auf die Räume verändert, in denen wir leben?
Der zweite Tag begann mit einem Blick in die Welt. Ein grosser Teil der Menschheit lebt noch heute in Lehmhäusern, und auch bei uns wurde früher selbstverständlich mit Lehm gebaut. Zeitgenössische Bauten zeigen, wie modern das Material sein kann. Ein Gedanke hat uns dabei besonders beschäftigt:
Wie wurde aus einer geplanten Mauer ein kleines Kolosseum?
Danach wurde wieder gebaut. Eigentlich war eine kleine Mauer aus Stampflehmblöcken geplant, um die Anwendung zu verstehen. Wir nahmen uns aber eine eigene Challenge vor: ein rundes Bauwerk mit Fensterbögen, ein kleines Kolosseum.
Die Motivation war gross, und es tat gut, im Studienalltag wieder einmal etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen. Beim Bodenstampfen konnte man richtig Dampf ablassen, und schnell wurde daraus ein kleiner Wettkampf.
Was hat euch besonders begeistert?
Zum Schluss kam der Lehmputz, für viele der Höhepunkt. Mit Grund- und Feinputz wurden alle plötzlich künstlerisch tätig. Die Begeisterung war ansteckend, und der Eindruck am Ende war deutlich:
Was nehmt ihr aus den zwei Tagen mit?
Mit dem abschliessenden Input zu Raumklima, Feuchtigkeitsregulierung und Kreislauffähigkeit fügte sich alles zusammen. Lehm ist nicht nur schön und angenehm zu verarbeiten. Er kann auch zu einem gesunden Raumklima beitragen und als unbehandelter Baustoff am Ende seiner Nutzung wieder zu Erde werden.
Worum geht es im Sommermodul «Nachhaltiges Bauen und Baustoffe»?
Welche Baustoffe eignen sich für klimafreundliches und kreislauffähiges Bauen? Wie lassen sie sich bewerten, und wo sind sie verfügbar? Diesen Fragen widmet sich das Sommermodul «Nachhaltiges Bauen und Baustoffe», geleitet von Prof. Barbara Sintzel, Leiterin des Instituts Nachhaltigkeit und Energie am Bau INEB FHNW.
Im ersten Modulteil stehen der ökologische Fussabdruck von Materialien, Bewertungshilfen und die Verfügbarkeit natürlicher Baustoffe im Mittelpunkt. Im zweiten und dritten Teil werden Lehmbau und die Wiederverwendung von Baumaterialien vertieft. In einer Fallstudie erkunden die Studierenden klimafreundliche, kreislauffähige Baustoffe für konkrete Anwendungen und dokumentieren ihre Verfügbarkeit.
Das Modul findet kompakt im Sommer statt. So können insbesondere berufstätige Studierende ihre Studienbelastung besser über das Jahr verteilen.
Mehr über das Bachelorstudium Energie- und Umwelttechnik (EUT)
Wie gestalten wir Gebäude und Städte nachhaltig? Wie nutzen wir erneuerbare Energien und halten Ressourcen im Kreislauf? Im Bachelorstudium Energie- und Umwelttechnik FHNW lernst du, diese Fragen im Zusammenhang zu betrachten und praktische Lösungen zu entwickeln.
In den ersten drei Semestern erwirbst du eine solide Basis in Energie- und Umwelttechnik und erhältst Einblicke in alle drei Studienrichtungen:
- Nachhaltige Gebäude und Städte
- Erneuerbare Energien und Energiesysteme
- Kreislaufwirtschaft und Ressourcenmanagement
Ab dem vierten Semester entscheidest du dich für eine Studienrichtung oder stellst dir dein Studium individuell zusammen – ganz nach deinen Interessen. In der Studienrichtung Nachhaltige Gebäude und Städte kannst du dich in einem von drei Studienprofilen vertiefen:
- Bauphysik
- Gebäudetechnik
- Nachhaltiges Bauen
Praxisprojekte mit externen Partner*innen und interdisziplinäre Zusammenarbeit prägen das Studium. Du lernst, technische, ökologische und planerische Zusammenhänge zu verstehen und dieses Wissen in konkreten Projekten anzuwenden.
Das Studium passend zu deinem Alltag
Ob Vollzeit, Teilzeit, berufsbegleitend oder als praxisintegriertes Bachelorstudium (PiBS): Verschiedene Studienmodelle ermöglichen dir, das Studium auf deine Lebenssituation abzustimmen.
Auch die Zugangswege sind vielfältig. Neben einer technischen Berufslehre mit Berufsmaturität kommen beispielsweise ein kaufmännischer oder medizinischer Berufsabschluss mit Berufsmaturität, eine gymnasiale Maturität mit entsprechender Praxiserfahrung beziehungsweise im PiBS-Modell oder ein HF-Abschluss infrage. Es gelten die jeweiligen Zulassungskriterien.
Studienrichtung Nachhaltige Gebäude und Städte des Bachelor-Studiengangs Energie- und Umwelttechnik
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Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau
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