Das Podium „Future Skills Baubranche – wohin geht die Reise?“ stellte die Frage in den Mittelpunkt, welche Kompetenzen Studierende heute benötigen, um morgen zu gefragten Fachkräften der Bauwelt zu werden. Im Fokus standen digitale Fähigkeiten, interdisziplinäre Zusammenarbeit, künstliche Intelligenz sowie die Bereitschaft, mit Unsicherheit, Wandel und neuen beruflichen Anforderungen aktiv umzugehen.

In den beiden Themenblöcken „Digitalisierung: Vision und Alltag“ und „Fachwissen trifft Weitblick“ kamen Perspektiven aus Bauingenieurwesen, Architektur, Landschaftsarchitektur, Geomatik und Organisationspsychologie zusammen. Moderiert von Nora Dainton, Leiterin des Instituts Digitales Bauen, und Peter Scherer, Leiter Weiterbildung Digitales Bauen, verband die Veranstaltung Podium, Netzwerk und Austausch und machte sichtbar, wie unterschiedlich berufliche Hintergründe auf dieselbe Zukunftsfrage blicken.
Digitale Kompetenz als Grundlage
Martin Fischer, Bauingenieur, Leiter des Center for Integrated Facility Engineering an der Stanford University und Initiator des VDC-Frameworks, eröffnete die Diskussion mit der Überlegung, dass Bauprojekte nicht nur technisch gedacht werden sollten, sondern von einer Vision ausgehen müssen, die den Nutzen für die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Gebäude schaffen nicht nur Raum, sondern eröffnen Möglichkeiten für ihre Nutzer*innen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass digitale Kompetenz heute eine grundlegende Voraussetzung für die berufliche Zukunft im Bauwesen ist.
Ebenso prägnant war sein Hinweis, dass Studierende lernen müssen, gute Fragen zu stellen. Gemeint ist damit die Fähigkeit, technologische Entwicklungen kritisch zu begleiten, Zusammenhänge zu erkennen und neue Themen eigenständig zu erschliessen. Future Skills wurden damit nicht auf den Umgang mit Software reduziert, sondern als Verbindung von Fachwissen, Reflexion und Neugier beschrieben.
Veränderung verstehen und Lehre neu denken
Michael Drobnik, Architekt, Lead Design Technologies und Associate bei Herzog & de Meuron, lenkte den Blick auf die wachsende Komplexität aktueller Entwicklungen. Unterschiedliche, teils widersprüchliche Sichtweisen auf Realität und Planung prägen bereits heute die Praxis. Gerade deshalb müsse akzeptiert werden, dass sich Prozesse im Bauwesen weiter verändern werden.
Daraus ergab sich eine zentrale Frage für die Lehre: Welche Inhalte und Fähigkeiten müssen heute vermittelt werden, damit Absolvent*innen morgen handlungsfähig bleiben? In der Diskussion wurde deutlich, dass dabei auch Kompetenzen aus anderen Disziplinen wichtiger werden, etwa Datenanalyse und Data Science.
Zusammenarbeit und Wissenstransfer
Wie stark Future Skills auch mit Zusammenarbeit verbunden sind, zeigte der Beitrag von Jana Stoll, Landschaftsarchitektin, Projektmitarbeiterin im BIM LAB OST und Landschaftsarchitektin bei BRYUM. Sie betonte, dass Architekt*innen, Bauingenieur*innen sowie Landschaftsarchitekt*innen stärker miteinander statt gegeneinander arbeiten sollten. Dieses Bild einer kooperativen Praxis beschreibt ein Berufsverständnis, in dem Austausch und gemeinsame Problemlösung zentral sind.
Zugleich wurde hervorgehoben, dass Wissen möglichst breit geteilt werden sollte. Viele Prozesse in der Baubranche seien aus der Praxis herausgewachsen und liessen sich nicht vollständig aus Lehrbüchern ableiten. Gerade deshalb gewinnen Ausbildungen wie der MSc FHNW in Virtual Design and Construction an Bedeutung.
Künstliche Intelligenz und neue Rollenbilder
Mehrere Beiträge machten deutlich, dass künstliche Intelligenz und datenbasierte Prozesse die Baubranche bereits heute prägen. Genannt wurden unter anderem die Analyse von IFC-Daten, neue Formen digitaler Planung und die wachsende Selbstverständlichkeit technologischer Werkzeuge in der Praxis. Zugleich wurde betont, dass die nächste Generation nicht mehr ohne KI arbeiten wird und dass Studierende auch die Bereitschaft mitringen müssen neue Themen aktiv zu vertiefen und aus Fehlern zu lernen.
Diese Perspektive wurde durch weitere Stimmen ergänzt. Dörte Resch, Organisationspsychologin und Leiterin des Instituts Innovation, Transformation und Nachhaltigkeit FHNW, machte deutlich, dass es keine allgemeingültige Lösung für zukünftige Kompetenzprofile gibt. Leona Wagener, Architektin, BIM-Managerin und im Bereich Design Technologies bei Herzog & de Meuron tätig, unterstrich, dass digitale Skills künftig selbstverständlich zum Berufsbild gehören. Patrick Mettler, Geomatik-Ingenieur, Digital Construction Expert bei Rhomberg Sersa Rail AG und MSc-VDC-Alumnus, brachte mit Themen wie Feedback-Kultur, Unfallverhütung und Reality Capture eine praxisnahe Perspektive ein.
Technik und Haltung zusammendenken
Auch die Publikumsfragen machten deutlich, dass sich Berufsbilder und Stellenprofile weiter verändern werden. Gesucht werden künftig nicht nur fachlich qualifizierte Personen, sondern Menschen, die lernfähig, kooperationsbereit und digital versiert sind. Die Veranstaltung zeigte damit klar: Future Skills im Bauwesen entstehen dort, wo technisches Know-how, Offenheit und Zusammenarbeit zusammenkommen.







