Wie nützlich ist ein Digital Twin, wenn niemand weiss, welche Entscheidung er unterstützen soll? Und wie gut versteht man ein Konzept, wenn man ihm nur im Seminarraum begegnet?
Eine Woche Rotterdam hat Studierenden des MSc FHNW VDC auf beide Fragen dieselbe Antwort gegeben: Kontext macht den Unterschied und dieser entsteht besonders dann, wenn Theorie, Forschung und Praxis zusammenkommen.
Forschung trifft Praxis: IP3 Midterm Challenge
Den inhaltlichen Kern der Woche bildete die Integrationsprojket Midterm Challenge. Drei Studierendengruppen präsentierten ihre Zwischenergebnisse zu Projekten, die direkt an die laufende Forschung mit der Smart Mobile Factory for Infrastructure Projects und der EuroTube Foundation anschliessen:
- Smart Mobile Factory: Wie lässt sich ein Digital Twin einsetzen, um Bauprozesse in Echtzeit abzubilden und Entscheidungen bei Störungen zu unterstützen?
- Digital Product Passport: Wie begleitet ein digitaler Pass ein Betonelement vom Giessen bis zum Rückbau – und wie wird er physisch am Bauteil verankert?
- Hyperloop-Betrieb: Wie können Digital Twins sicherheitsrelevante Entscheidungen im Betrieb von Hyperloop-Infrastruktur systematisch unterstützen?
Digitale Methoden im Einsatz: Vertico und Eindhoven University of Technology
In Eindhoven öffneten Vertico und die Eindhoven University of Technology ihre Türen für die Gruppe. Was dort sichtbar wurde: Digitale Methoden sind in der industriellen Vorfertigung längst kein Zukunftsthema mehr, sondern gelebte Praxis. BIM-Modelle, Prozessautomatisierung und datenbasierte Steuerung sind integraler Bestandteil der Produktion, nicht Ergänzung, sondern Grundlage.
Für Studierende, die digitale Methoden im Bauwesen erlernen, war das ein wichtiger Referenzpunkt: Werkzeuge, die im Studium abstrakt wirken, bekommen im industriellen Kontext eine klar definierte Funktion.
Wissen, das erfahrbar wird: TU Delft
An der TU Delft zeigte sich, wie Forschung Prozesswissen nicht nur beschreibt, sondern erfahrbar macht. Im Austausch mit Forschenden wurde deutlich, wie sehr die Fragen, die Studierende in ihren Projekten bearbeiten, mit dem verbunden sind, was an europäischen Spitzeninstitutionen aktuell untersucht wird, von Datenmodellen über Lebenszyklusanalysen bis hin zu Entscheidungsunterstützung in komplexen Infrastrukturen.
Solche Begegnungen, ausserhalb des eigenen Lehrplans und eingebettet in einen anderen institutionellen Kontext, sind schwer zu replizieren. Sie schärfen den Blick dafür, wo die eigene Arbeit steht und wo sie hinführen kann.
Ein Gebäude als Argument: Van Nelle Fabriek
Den Abschluss der Woche bildete die Van Nelle Fabriek, ein Industriebau aus den 1930er Jahren, heute UNESCO-Weltkulturerbe. Das Gebäude wurde für maximale Transparenz, sichtbare Informationsflüsse und effiziente Zusammenarbeit zwischen Produktionsebenen entworfen.
Was bleibt
Die Takeaways der Studierenden am letzten Abend waren erfreulich konkret. Rotterdam war für sie Lernort und Argument zugleich: für interdisziplinäres Denken, für Plattformdenken statt Projektdenken, für Daten, die erst im Kontext nützlich werden.
Ein Statement, das stellvertretend für viele Stimmen der Seminarreise 2026 steht.
Seminarwoche durchgeführt durch das Institut Digitales Bauen IDIBAU der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW.Betreuung: Prof. Mark Moyses, Dr. Alexander Walzer, Tuo Li, Nora Dainton
Einige Eindrücke aus den Niederlanden

Master in Virtual Design and Construction (VDC)
Kontakt

Lynn Scholtes
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Institut Digitales Bauen
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik
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