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«Intelligentere Lösungen sind besser», Hochschule für Technik und Umwelt FHNW

15.4.2021 – Hochschule für Technik und Umwelt, Hochschule für Technik und Umwelt


Für Prof. Dr. Jürg Keller sind die untersten Äste der Automatisierung bereits abgeerntet. Damit Schweizer Unternehmen konkurrenzfähig bleiben, müssen sie auf anspruchsvollere Prozesse fokussieren. Nötig dazu sind Ingenieurinnen und Ingenieure, die auf dem neusten Stand der Technik sind.

Prof. Dr. Jürg Keller ist Professor am Institut für Automation an der Hochschule für Technik FHNW (Foto: FHNW).

Als Schweizer KMU hört man von allen Seiten, dass man in die Automatisierung investieren soll. Warum ist das so wichtig?

Jürg Keller: In einem internationalen Umfeld überleben nur die Besten und können so eine Zukunft für das Unternehmen und die Mitarbeiter aufbauen. Die Automatisierungstechnik schafft gleich lange Spiesse im Vergleich zu Billiglohnländern. Automatisierung heisst, Intelligenz in Maschinen zu bringen. Intelligentere Lösungen sind besser.

Von der Paketpost bis zur Steuererklärung: Viele Prozesse sind ja bereits automatisiert. Ich welchen Bereichen liegt heute das grösste Potential der Automatisierung?

Jürg Keller: Sensorik, Aktorik und Datenverarbeitung haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Für Hersteller von Automatisierungslösungen gilt es nun, dieses Potential für die Entwicklung cleverer, neuer Produkte zu nutzen. Bei den Produzenten liegt das Potential mittels Automatisierungstechnik noch anspruchsvollere Prozesse mit hoher Produktivität und Qualität beherrschen zu können.

Was sind die aktuellen technologischen Trends?

Jürg Keller: Einer der aktuellen Trends ist das sinnlose Sammeln von «Shallow» Daten, im Glauben, durch «Deep Learning» ein Wunder vollbringen zu können. Die Möglichkeit zur vertikalen Integration aller Daten bis in die Cloud beflügelt diesen Prozess. Methodisches Vorgehen, Rentabilitäts- und Risikobeurteilung bleiben bei Trends oft zu wenig beachtet.

Weiterbildungen im Bereich Automatisierung boomen. Warum ist das so?

Jürg Keller: Ich möchte die heutige Entwicklung von technischen Lösungen mit dem Pflücken von Äpfeln vergleichen. Was hat sich geändert? Die untersten, einfach zu erreichenden Äpfel sind schon alle abgeerntet. Der technologische Apfelbaum wächst aber immer noch sehr schnell und nach oben, seine Größe hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Zudem ist auch die Konkurrenz, um die noch nicht geernteten Äpfel, global stark gestiegen. Innovative, umweltgerechte und nachhaltige Lösungen können nur mit Leuten erarbeitet werden, die sich im heutigen Wissensbaum der Automatisierungstechnik bewegen können.

Wie wichtig ist „Life Long Learning“ für Ingenieurinnen und Ingenieure?

Jürg Keller: Ich kann heute die Ausrüstung meiner Studienzeit in Museen der nächsten Generation zeigen. Damit man nicht selber im Museum ausgestellt wird, ist «Life Long Learning» Pflicht. Voraussetzung dazu ist ein belastbares Wissensfundament, das einem die Türen für das Verständnis von Neuem öffnet. Die Motivation zum Lernen gewinnt man aus Erfolg und aus dem Ehrgeiz, vorne dabei zu sein.

Sie vermitteln aktuelles Fachwissen im Lehrgang MAS Automation Management. Für wen ist diese Weiterbildung gedacht?

Jürg Keller: «Learning on the Job» führt oft zu einem sehr spezialisierten Wissen. Wer in Zukunft einen abwechslungsreichen und spannenden Job als Projektmitarbeitenden oder Projektleitenden haben will, muss über ein breites Fachwissen verfügen. Dieses bieten wir im vielseitigen Lehrgang MAS Automation Management an.

Das Interview führte Prof. Martin Hüsler, Leiter Weiterbildung Hochschule für Technik FHNW.

Zur Person

Prof. Dr. Jürg Keller ist Professor am Institut für Automation an der Hochschule für Technik FHNW. Neben seiner Unterrichtstätigkeit im Studiengang Systemtechnik und seinen Industrieprojekten leitet er seit 18 Jahren den MAS Automation Management.

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