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07.09.2021 | Hochschule für Technik

Nachhaltigkeit trifft auf Digitalisierung an der FHNW

Mit der «SustainablilITy 2030» hat die Hochschule für Technik FHNW die erste Konferenz lanciert, welche die beiden Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit verbindet. In zwei Tagen deckte die erste Ausgabe ein breites Spektrum an Anwendungen ab und zeigte auf, welchen Beitrag Daten und intelligente Systeme zu den Zielen der nachhaltigen Entwicklung leisten können.

Die erste Ausgabe der neuen internationalen Konferenz für Nachhaltigkeit und Digitalisierung an der Hochschule für Technik FHNW vom 26./27. August 2021 zeigte deutlich auf: Um unsere Welt innovativ nachhaltiger zu gestalten, ist die Digitalisierung in allen Bereichen ein unverzichtbares Instrument. Und das gilt nicht nur in naheliegenden Sektoren wie etwa der Energieversorgung, sondern auch, wenn es um traditionell rein analoge Systeme wie die Landwirtschaft oder die Entsorgung und das Recycling von Abfällen geht.

Über zwei Tage versammelten sich rund 80 Expertinnen und Experten aus Forschung, dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft in Brugg-Windisch, um neue Impulse zu erhalten, ihre Ansätze zu präsentieren und Hindernisse zu diskutieren. Es ging dabei nicht nur um spezifische Lösungen, sondern auch um die Frage, wie sich die beiden Bereiche nachhaltig vernetzen können, welche Finanzierungsmöglichkeiten es für ganz neue Ansätze gibt, und wo noch ein grosser Bedarf an Entwicklung besteht.



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Prof. Dr. Norbert Seyff und Dr. Petar Mandaliev erklären, welche Rolle Digitalisierung und Nachhaltigkeit an der FHNW spielen.

«Die Digitalisierung ist ein globaler Megatrend, der unseren Alltag und weite Bereiche der Produktion und Kommunikation bereits erheblich verändert hat», sagt Dr. Petar Mandaliev, Forscher am Institut für Biomasse und Ressourceneffizienz der Hochschule für Technik FHNW und Organisator der Konferenz. «Die SustainabilITy2030 ermöglicht es uns, aufzuzeigen, wie wir die Chancen der Digitalisierung nutzen können, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen erreichen können», führt Prof. Dr. Norbert Seyff vom Institut für Interaktive Technologien der Hochschule für Technik FHNW weiter aus.

Dank Daten Abfälle und Leerfahrten vermeiden

Die heutigen Möglichkeiten, Daten nicht nur zu sammeln, sondern auch mittels Machine Learning und künstlicher Intelligenz zu sammeln, ermöglicht in allen möglichen Bereichen, die Effizienz zu steigern und dadurch Ressourcen einzusparen sowie den CO2-Ausstoss zu senken. Prof. Dr. Doris Agotai, Leiterin des Instituts für Interaktive Technologien FHNW, präsentierte als Beispiel ein Projekt, das gerade zu Corona-Zeiten zusätzlich an Bedeutung gewonnen hat: Beim Online-Handel mit Kleidung gibt es viele Rücksendungen, weil das bestellte Kleidungsstück schlicht nicht passt. Das verursacht nicht nur unnötige Transporte, sondern es landen dadurch auch tonnenweise neuwertige Kleidungsstücke nach der Rücksendung im Müll. Auch hier kann die Digitalisierung helfen. Mittels Tiefenbildkamera könnten sich die Kunden vor der Bestellung selbst vermessen und so sicherstellen, dass die neue Jeans auch tatsächlich so passt, wie sie soll.

Zahlreiche weitere Beispiele zeigten auf, wie viel Optimierungspotenzial in zahlreichen Bereichen vorhanden ist: etwa bei vernetzten Getränkestationen und Abfallsammelstellen, die unnötige Anfahrten verhindern; bei digitalen Markern auf Verpackungen, die einfachere Sortierung von Abfällen ermöglichen oder bei Robotern, die Unkraut erkennen und so unnötige Pestizideinsätze verhindern.

Mit Pitch zum Erfolg

Zum Abschluss der Tagung durften Unternehmen aus der Schweiz ihre innovativen Lösungen aus den Bereichen Abfallwirtschaft, Energie und Mobilität, Landwirtschaft und Lebensmittel sowie dem Gebäudesektor bei einem Pitch-Wettbewerb vorstellen. Je ein Experte oder eine Expertin aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Digitalisierung bewerteten die Pitches der Unternehmen. Am meisten Punkte und damit den ersten Platz holte sich AgriCircle AG mit Sitz in Rapperswil. Das Unternehmen bringt digitale Innovation in die Landwirtschaft. Ziel ist sogenanntes «Precision Farming», mit dem Nahrungsmittel nicht nur effizienter, sondern auch umweltschonender produziert werden sollen. Die Technologie ermöglicht es, mittels Satelliten und Drohnen 18 für die Landwirtschaft relevante Bodenparameter zu erfassen. Damit können die Landwirte beispielsweise präzise erkennen, welche Ressourcen wie Kalk, Nährstoffe oder organisches Material sie wo einsetzen müssen oder wo der zielgerichtete Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nötig ist. Die Plattform ermöglicht es auch, die CO2-Bilanz zu berechnen, Felder zu verwalten und bietet detaillierte Prognosemodelle für Krankheitsrisiken und Wachstumsraten.

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Die drei Sieger des Pitchwettbewerbs bei ihrer Präsentation: Peter Fröhlich, Mitgründer und CEO von AgriCircle AG; Matthias Wiget, Gründer und CEO von Eturnity AG, Gino Agbomemewa, Co-Founder und CEO von CLEMAP AG

Der zweite Platz erreichte Eturnity AG aus Chur. Ihr Ziel ist es, den Prozess vom Verkauf von Photovoltaikanlagen, Heizungen, Batterien und Ladestation von der Akquise über die Planung und Installation bis zu Betreuung zu digitalisieren, und damit zu beschleunigen und gleichzeitig kundenfreundlicher zu gestalten. Damit will das Team zu einer schnelleren Dekarbonisierung des Gebäudesektors beitragen, in dem nach wie vor zu einem grossen Teil mit fossilen Brennstoffen geheizt wird.

Über den dritten Platz freute sich mit CLEMAP AG ein weiteres Unternehmen aus dem Energiesektor. Das Startup hat sich auf die Messung und Auswertung von Energiedaten spezialisiert. Dafür hat das Team eine modulare Lösung aus vernetzten Energiemesssensoren und einer intelligenten Plattform entwickelt, welche die Daten analysiert und beispielsweise in Echtzeit nach Gerätekategorien aufschlüsselt. Damit können Unternehmen oder Privatpersonen ihren Energieverbrauch gezielt reduzieren.

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Dr. Petar Mandaliev, Thomas Cadonau von FarmX und Prof. Dr. Norbert Seyff bei der Siegerehrung für den Publikumspreis.

Die Abstimmung zum Publikumspreis gewann FarmX, ein Projekt aus der Agrarbranche. FarmX bietet eine Plattform an, dass den Austausch von landwirtschaftlichen Maschinen ganz einfach via App oder Webseite ermöglicht. Denn Mähdrescher, Güllenpumpen und Heukräne werden nicht täglich auf jedem Hof eingesetzt und sind nicht ganz günstig in der Anschaffung. So können die Bauern nicht nur ihre Produktionskosten senken, sondern auch als Teil der Sharing Economy zum Ressourcenverbrauch bei der Herstellung der Landmaschinen beitragen.

An innovativen Ideen fehlt es nicht. Das Fazit der Veranstaltung: Es ist höchste Zeit, die beiden Bereiche Informatik und Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Zentral dabei: Die Ziele müssen nicht immer mit digitalen Technologien erreicht werden, sondern es braucht für die richtige Aufgabe die richtigen Instrumente.


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