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03.05.2022 | Hochschule für Life Sciences, Institut für Medizintechnik und Medizininformatik

Unsichtbare Magnetfelder sichtbar machen

Ärzt*innen können jetzt Personen mit einem Cardioverter-Defibrillator konkrete Angaben zum Mindestabstand zwischen Implantat und einer Auswahl an untersuchten portablen elektronischen Geräten (PEDs) machen. Die neue und auch für Laien klar verständliche 3D-Darstellung von Magnetfeldern macht es möglich.

Im Herbst haben wir darüber berichtet, welchen Einfluss die neue Generation von Smartphones auf Herzschrittmacher haben. Sie sind mit Magneten ausgestattet. Modernen implantierbaren Cardioverter-Defibrillatoren (ICD) können durch ein von außen angelegtes, starkes Magnetfeld gezielt deaktiviert werden. Allerdings müssen die medizinischen Geräte voll funktionsfähig sein bis zu einer Magnetfeldstärke von 10 Gauss. (Hier geht es zum Artikel vom September 2021)

Magnetfelder in 3D
Das Forschungsteam rund um Prof. Dr. Joris Pascal, Dozent für Life Science Technologies an der Hochschule für Life Sciences FHNW, hat nun eine neue, für Laien besser verständliche Darstellung der Magnetfelder verschiedener PEDs (Portable Electronic Devices) entwickelt. Magnetfelder können neu dreidimensional dargestellt werden. «Der Bereich, in welchem die Magnetfeldstärke so hoch ist, dass sie den Schalter eines Cardioverter-Defibrillatoren auslösen könnte, wird als dreidimensionales Feld dargestellt. Dies ermöglicht es Ärzt*innen und Patient*innen genauer und realistischer zu erkennen, wo sich der kritische Bereich rund um das iPhone oder andere PEDs befindet», sagt Pascal Joris. (siehe Bild)

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Die blaue Form zeigt den Bereich rund um die AirPods Pro Ladehülle und das iPhone 12 Pro Max, innerhalb dessen die Magnetfeldstärke 10 Gauss oder mehr beträgt. Zwischen diesen Geräten und dem CED muss also der Abstand so gross sein, wie die blaue Form.

Kardiolog*innen können dank dieser Darstellung ihren Patient*innen gegenüber viel konkretere Aussagen zum Mindestabstand zu den untersuchten PEDs machen. Sie können beispielsweise Entwarnung für das Tragen des iPhone 12 Pro Max in der Hemdtasche geben, da die Untersuchungsergebnisse aus Joris Pascals Team zeigen, dass der Mindestabstand mit 20 mm deutlich kleiner ist als der von Apple genannte Wert von 15 cm.

Das iPhone ist in bester Gesellschaft
Pascal und sein Team untersuchten aber nicht nur das iPhone 12 Pro sondern erweiterten
die Liste um weitere PEDs. Sie untersuchten auch den Microsoft Surface Pen, das Apple Pencil und die Apple Air Pods Pro nach der Stärke ihrer Magnetfelder. All diese Gadgets sind mit Magneten ausgestattet. Die Untersuchungen ergeben, dass das Apple Pencil auch starke Magnetfelder aufweist. Erstaunlich ist, dass das Apple Pencil aber von Apple nicht gelistet wird, also auf keinen Mindestabstand hingewiesen wird (Stand 02.05.2022). Es gilt aber auch zu beachten, dass beispielsweise das iPhone durchaus zusammen mit den Air Pods oder dem Surface Pen in der Brusttasche getragen wird.

«Es gibt noch viel zu tun, die Liste an PEDs und Gadgets ist noch lang», so Joris Pascal. Mit der neuen Darstellung ist es dem Team rund um Joris Pascal aber gelungen, die unsichtbaren Magnetfelder sichtbar zu machen und mit einer für die Physik unüblichen Darstellung für mehr Klarheit für Ärzt*innen und Patient*innen im Umgang mit einer Auswahl an PEDs zu sorgen.
Pascals Forschungsteam arbeitet weiterhin mit Kardiolog*innen zusammen, um die magnetischen Eigenschaften von elektronischen Geräten zu analysieren, die laufend auf den Markt kommen.

FHNW Campus Muttenz

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Hofackerstrasse 30 4132 Muttenz
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