Gemeinsames Wachsen und Gestalten seit der Gründung
Micaela Turina ist Dozentin für Mathematikdidaktik – und zugleich als Schulleiterin in Basel nah am Alltag der Primarschule. Zum 20 Jahre Jubiläum erzählt sie, warum die PH FHNW für sie seit der Gründung ein Ort des gemeinsamen Wachsens ist – und wo in der Verbindung von Wissenschaft und Praxis noch Potenzial schlummert.
Bei Micaela Turina klingt «PH FHNW» nicht nach Institution, sondern nach Bewegung: «Ich verbinde die PH FHNW mit gemeinsamem Wachsen und Gestalten seit der Gründung», sagt sie. Die Hochschule ist für sie ein Ort des Lernens, der Entwicklung und des Austauschs – getragen von einer Frage, die in ihrer Arbeit immer wieder auftaucht: Wie lernen Kinder heute – und wie werden sie morgen lernen? Und was bedeutet das für Unterrichtsqualität, wenn man sie nicht nur punktuell verbessern, sondern nachhaltig weiterentwickeln will?
Ein Moment, der ihr besonders geblieben ist, hat weniger mit einem einzelnen Ereignis zu tun als mit einer Entwicklungslinie: «Die Weiterentwicklung hin zu mehr Wissenschaftlichkeit – für eine starke Praxis und zur Stärkung des Berufsstands Lehrperson.» Turina beschreibt damit eine Professionalisierung, die nicht im Elfenbeinturm endet, sondern im Klassenzimmer ankommen soll.
«In beiden Rollen – als Dozentin und als Schulleiterin – zeigt sich: Wirksame Entwicklung braucht die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis.»
Prägend war für sie auch ein konkretes Projekt: die Ausstellung «Mathematik zum Anfassen» (2011), organisiert gemeinsam mit dem Pädagogischen Zentrum Basel. In ihrer Erinnerung wurde dort sichtbar, was die PH im Kern leisten kann: Theorie so zu übersetzen, dass sie in der Praxis greifbar und erlebbar wird. «Rund 150 Studierende und über 10 000 Besucher*innen machten die Verbindung von Theorie und Praxis eindrücklich sichtbar», sagt Turina.
Turina erlebt Praxisbedeutsamkeit doppelt: als Dozentin und als Schulleiterin. Und in beiden Rollen zeigt sich für sie derselbe Nenner: Wirksame Schul- und Unterrichtsentwicklung gelingt nur, wenn Theorie und Praxis eng verzahnt sind.
Genau hier, sagt sie, liege auch «grosses Potenzial»: Synergien könnten noch besser genutzt werden – nicht als Schlagwort, sondern ganz konkret, wenn es darum geht, Lernen zukunftsorientiert zu gestalten. Die Professur, an der Turina arbeitet, setzt inhaltlich genau dort an: beim Lernen und Lehren von Mathematik in der Primarstufe, beim Verständnis mathematischen Denkens von Kindern und bei der Gestaltung von Lernanlässen.
Was braucht es für diese Art von Entwicklung? Micaela Turina nennt keine Zauberformel, sondern «eine forschende und reflektierte Haltung, Interesse am Lernen von Kindern sowie die Bereitschaft, gemeinsam zu lernen und sich weiterzuentwickeln». Diese Kombination, sagt sie, helfe dabei, Unterrichtsqualität nicht einfach zu reproduzieren, sondern kritisch zu hinterfragen – und Bildungsprozesse bewusst auf die Anforderungen des Lernens der Zukunft auszurichten.
Dass Mathematik dabei mehr ist als «Stoff», passt zur Grundidee der Mathematikdidaktik an der PH FHNW: Mathematik als Tätigkeit, die Verständnis ermöglicht – durch eigenes und gemeinschaftliches Nachdenken.
Für die Zukunft wünscht sich Turina eine PH FHNW, die genau diese Verbindung weiter trägt: «ein starker Ort für gemeinsames Lernen, Innovation und wissenschaftlich fundierte Praxis» – mit Offenheit für neue Perspektiven, Mut zur Weiterentwicklung und einem klaren Fokus auf gute Bildung und Lernen der Zukunft.


