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Eine Fachtagung als Spiegelbil...
29.1.2026 | Hochschule für Soziale Arbeit, Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung

Eine Fachtagung als Spiegelbild eines Arbeitslebens

Am 11. Februar findet die Fachtagung «Die Zukunft des Sozialen in der Polykrise» statt. Es ist die Abschiedsveranstaltung für Prof. Dr. Carlo Knöpfel. Er hat die Sozialpolitik in der Schweiz in Hochschule und Praxis verfolgt und mitgeprägt. Ein Interview.

Ein Blick auf die Tagung: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Es wird so etwas wie das Spiegelbild meines Arbeitslebens: Ich habe viele Menschen, die mein Erwerbsleben begleitet haben, persönlich eingeladen – und fast alle von ihnen kommen. Das freut mich und es wird toll! Gleichzeitig denke ich: «Oh, wenn ich da jedem nur einmal kurz 'Guten Tag' sagen will – das schaffe ich ja gar nicht!» Auf jeden Fall wird es ein bewegter Tag werden! Es kommen mit dieser grossen Beteiligung ein riesiger Dank und Anerkennung zum Ausdruck. Und es ist auch ein Zeichen dafür, dass die persönlichen Beziehungen gut funktioniert haben und man mich offenbar in guter Erinnerung hat und wertschätzt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Fachtagung als «letzte offizielle Amtshandlung» – worum geht es genau?

Ja, es ist ein Wunsch der Direktorin, dass Professuren, die in Rente gehen, sich mit einer Tagung verabschieden. Und die thematische Ausrichtung der Tagung deckt nun quasi meine forscherischen und lehrbezogenen Schwerpunkte ab. Zunächst war ich 19 Jahre lang bei Caritas Schweiz und bearbeitete dort mehr oder weniger dieselben Themen wie später an der Hochschule. Mir ging es immer um den Schwerpunkt Sozialpolitik und Soziale Arbeit, also um die soziale Sicherheit im gesellschaftlichen Wandel.

Um thematisch noch etwas weiterzugehen: Ich unterscheide drei Quellen sozialer Sicherheit. Erstens die Erwerbsarbeit, die in der Schweiz ganz stark mit der Eigenverantwortung verknüpft ist, zweitens die Familie, die darüber hinausgehend unterstützende Aufgaben gegenüber den Kindern und den älteren Angehörigen übernimmt, und drittens den Sozialstaat. Wenn man nun herausfinden will, wie gut unser soziales Sicherungssystem funktioniert, kann man das an den drei Feldern Armut, Arbeitslosigkeit und Alter ablesen. Die Fragen lauten: Wie geht man in diesem System mit Menschen um, die von Armut betroffen sind? Wie geht man vor allem mit Menschen um, die langzeitarbeitslos sind und über längere Zeit keine Chance haben, in den Arbeitsmarkt hineinzukommen? Und schliesslich: Wie geht man mit älteren Menschen um – das nicht nur im materiellen Sinne, sondern vor allem auch in der Frage der Betreuung im Alter: Wer schaut nach mir, im Sinne von psychosozialer Versorgung?

Ich bin von Haus aus ein realistischer Optimist.
Carlo Knöpfel

Und wie sieht es mit den Antworten auf diese Fragen aus?

Bleiben wir doch gerade beim Alter: Wenn wir in diesem Zusammenhang an die drei Quellen Erwerbsarbeit, Familie und Sozialstaat denken, wäre Betreuung natürlich primär in der Familie angesiedelt. Aber nachdem die Familie immer kleiner wird: Wer macht es? Die Leistung extern einkaufen zu können, hängt davon ab, ob Geld vorhanden ist oder nicht. Oder ob eben Dritte – der Sozialstaat – hier Regelungen trifft, etwa dass er den Bezug dieser Leistung finanziert. Und genau das haben wir in den letzten Jahren hinbekommen: dass zumindest Menschen mit niedrigen Einkommen, die Ergänzungsleistungen beziehen, die Betreuungsleistungen bezahlt bekommen, wenn sie sie brauchen.

Bei der Armut ist es etwas anders. Ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema und die Armutsquote ist immer etwa gleich gross. Sie nimmt nicht zu, aber auch nicht ab. Zwar will man die Armut reduzieren – der Bundesrat wird nun auch eine Armutsstrategie formulieren –, aber wir sind hier quantitativ nicht wirklich weitergekommen.

Und wenn wir schliesslich auf die Arbeitslosigkeit schauen, vor allem die «strukturelle Arbeitslosigkeit», bei der es um die Frage geht, ob die Menschen mit dem, was sie können, überhaupt noch gebraucht werden: Hier haben wir ein Mismatching. Auf der einen Seite klagen alle über Fachkräftemangel und auf der anderen Seite gibt es Langzeitarbeitslose. Auch dieses Problem haben wir noch nicht grundlegend gelöst.

Wenn ich auf alle drei Punkte blicke, habe ich beim Alter am ehesten das Gefühl, dass da in kurzer Zeit ein bisschen Bewegung reingekommen ist. Da bin ich jetzt wirklich am optimistischsten. Möglicherweise ist bei diesem Thema die Betroffenheit am grössten. Im Gegensatz zur Armut – hier musste ich immer erst viel erklären: Wer ist überhaupt arm und warum? Viele hatten nie Kontakt zu armutsbetroffenen Menschen. Und bei der Arbeitslosigkeit war es dasselbe. Aber alt… werden alle. Hier weiss man, worum es geht. Und diese Betroffenheit hat letztlich gar nicht viel mit Arm und Reich zu tun: Ich muss Zeit aufwenden für Vater oder Mutter – egal, ob ich viel Geld oder wenig habe. Im eigentlichen moralischen Sinn ist das klassenübergreifend und hat nichts mit Nationalität und wenig mit Geschlecht zu tun, auch wenn sich dann vor allem Frauen um ihre Angehörigen kümmern. Es ist einfach ein Thema, von dem wir Menschen querbeet betroffen sind: dadurch, dass wir alt werden. Das macht die Sache ein bisschen leichter – es wird relativ schnell klar, dass es nicht mehr einfach so weiterlaufen kann wie bisher.

Ich denke, dass die Schweiz im internationalen Vergleich sehr gut dasteht.
Carlo Knöpfel

Wie blicken Sie auf die Zukunft des Sozialen?

Der Haupttitel unserer Tagung lautet «Die Zukunft des Sozialen in der Polykrise» und es stellt sich die Frage, wie sich dieses System der sozialen Sicherheit weiterentwickelt.

Wir haben eine demografische Krise, ausserdem bahnt sich in der Schweiz und in Europa eine Rezession an. An einen Krieg wollen wir gar nicht denken, aber auch das kann man nicht mehr ausschliessen. Insgesamt bedeutet das, dass das Umfeld, in das dieses System der sozialen Sicherheit eingebettet ist, krisenhaft wird.

Und was heisst das genau? Heisst das: «Jetzt erst recht soziale Sicherheit schaffen!» Oder heisst das: «Wir können uns nicht mehr so viel Sozialstaat leisten, weil wir Geld brauchen», um beispielsweise aufzurüsten. Solche Fragen sind noch offen. Über die Antworten wird heftig gestritten werden.

In der Schweiz ist bisher noch nicht so viel passiert, aber in Ländern wie Deutschland schlittert die Diskussion langsam in diese Richtung: Das Rentensystem ist nicht mehr finanzierbar, die Armee braucht Geld, die Schuldenbremse ist ein Thema. Oder Frankreich - dort ist Macron genau an dem Thema gescheitert. Er wollte die Rentenreform durchbringen, musste sie aber zurücknehmen. Die Situation ist insgesamt konfliktreich und fragil.

Wie sehen Sie die Situation der Schweiz?

Ich denke, dass die Schweiz im internationalen Vergleich sehr gut dasteht. Sowohl die Armuts- als auch die Arbeitslosenquote sind im internationalen Vergleich niedrig. Auf der anderen Seite hat sich die Schweiz immer vorgenommen, die Armut zu reduzieren, und kriegt es einfach nicht hin. Auf diesen Feldern braucht es soziale Innovationen, die eine bessere Wirkung erzielen. Und es gibt da auch schon Ansätze: Bei der Armut versucht man viel individualisierter und ohne Zwang, die Leute zurück in den Arbeitsmarkt zu bringen. Oder jemand, der im Moment nicht selbstständig wirtschaftlich unterwegs sein kann, soll sich wenigstens sozial engagieren. Da laufen Diskussionen, die in die richtige Richtung gehen – aber bei der strukturellen Arbeitslosigkeit fehlt es noch an Fantasie, finde ich.

Sogar McKinsey hat mal gefordert, dass wir ein grosses Transformationsprogramm machen müssen und Menschen aus der Buchhaltung und anderen Bereichen, die wegen der Veränderungen durch die KI arbeitslos werden, anbieten, dass sie sich zu Pflegefachpersonen oder Betreuungspersonen umschulen lassen können. Dort fehlen ja offensichtlich Fachkräfte. Aber das läuft immer noch so auf der freiwilligen, individuellen Ebene ab. Naja, und das ist eben auch ein Teil der Krise: alle anderen umliegenden Länder sind in der genau gleichen Situation. Ob die Schweiz dann wirklich so attraktiv für ausländische Fachkräfte bleibt, die aus den umliegenden Ländern kommen? Da bin ich mir nicht so sicher. Und auch die weltweiten Versuche, niedrige Geburtenraten wieder zu erhöhen, haben bisher nicht funktioniert. Es braucht andere Lösungen.

Ich bin von Haus aus ein realistischer Optimist und denke, dass es – mit der üblichen Langsamkeit der Schweiz – aber durchaus noch in die richtige Richtung gehen kann. Im Moment glaube ich nicht, dass das System grundsätzlich infrage gestellt wird.

Und wie sieht Ihre persönliche Zukunft im Sozialen aus?

Ich habe Projekte, die weiterlaufen, etwa bei der Paul Schiller Stiftung. Bei einem geht es um das Thema Ergänzungsleistung und die Frage, wie das Modell sein muss, damit es ab einem gewissen Einkommen nicht einen harten Schnitt gibt, wenn es um die Bezahlung der Betreuungsleistungen geht. Man möchte ja, dass die Leute diese Leistungen bekommen, damit sie möglichst lange in ihrem Zuhause bleiben können. Ein Übertritt ins Pflegeheim ist für die Gesellschaft einfach viel teurer. Hier machen wir eine Studie, wie man den Übergang besser gestalten kann.

Und das zweite ist der Einsatz von Freiwilligen in der Betreuung älterer Menschen: Wie funktioniert das eigentlich, wie wird sich das in Zukunft entwickeln, wenn die Babyboomer immer älter werden und Kohorten ins Rentenalter kommen, die kleiner werden? Auch da sind wir jetzt an einer Studie, die ich begleite. Ende 2026 oder Anfang 2027 werden wir die publizieren und dann geht es weiter mit Referaten und Podiumsgesprächen… ich glaube, in den nächsten ein, zwei Jahren werde ich wahrscheinlich gar nicht wahnsinnig viel davon merken, dass ich jetzt nicht mehr an der Hochschule bin.

Biographie

Für Carlo Knöpfel war die Beschäftigung mit sozialen Fragen von Kindheit an existenziell und sozialpolitisches Lobbying – vor allem mit den Schwerpunkten Arbeitslosigkeit und Armut – ist seit jeher sein Thema.

Der Sohn einer Schifferfamilie aus Basel wuchs in einem «Working poor»-Umfeld auf; den ersten Urlaub fernab des Elternhauses verlebte er erst im Jugendalter (und schon damals war ihm sehr bewusst, dass er zwar zu den Gymnasiums-Kamerad*nnen in die besseren Basler Quartiere kommen durfte, ein Gegenbesuch in Kleinhüningen jedoch keinesfalls möglich war).

Später engagierte sich Carlo Knöpfel in der katholischen Jugendarbeit und hatte dort viel Kontakt mit benachteiligten Kindern. Er beschäftigte sich zunehmend mit Armutsfragen und betrieb nach dem Berufseinstieg bei Caritas Schweiz zunächst Grundlagenarbeit. Zwölf Jahre lang war er Mitglied der Geschäftsführung von Caritas Schweiz und sass als erster Vertreter zivilgesellschaftlicher Akteure mehr als 15 Jahre lang in der Geschäftsleitung der Schweizer Konferenz für Sozialhilfe (SKOS). 2012 kam Carlo Knöpfel als Professor für Sozialpolitik und Soziale Arbeit an die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Nach dem Ausscheiden aus der Hochschule wird er mit seinem «Büro für Altersfragen» weiter selbstständig an seinen Themen arbeiten.

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Carlo Knöpfel

Prof. Dr. Carlo Knöpfel

Dozent, Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Telefonnummer

+41 61 228 59 16

E-Mail

carlo.knoepfel@fhnw.ch

Adresse

Hofackerstrasse 30 4132 Muttenz

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