Skip to main content

Master-Thesis in Hawaii

Yanik Deana forschte über acht Monate im Center for Cardiovascular Research in Hawaii.

Interview mit Yanik Deana

Was hat dich motiviert ein Auslandsemester zu machen?
Ich wusste bereits vor Beginn meines Bachelorstudiums vor einigen Jahren, dass ich meine Abschlussarbeit gerne im Ausland absolvieren möchte. Dies konnte ich erfolgreich mit meiner Reise nach Hermosillo im Norden Mexikos an der Universidad de Sonora durchziehen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich auch für die darauffolgende Masterthesis gerne ins fremde Ausland reisen möchte. Diesen Gedanken sind dann schliesslich auch Taten gefolgt und es hat mich diesmal in die noch ferneren Vereinigten Staaten gezogen, genauer gesagt auf die Insel O’ahu, Hawaii.

Wie bist du auf Hawaii gekommen?
Es lag auf der Hand, dass ich meine Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Uwe Pieles weiterführen werde, nachdem ich eine sehr erfolgreiche und lehrreiche Zeit in Mexiko verbringen durfte. Über seine Kontakte, ein wenig Glück und Nervenkitzel sind wird dann schliesslich auf die University of Hawai’i at Mānoa (UH) gestossen. Wie auch zuvor bei meiner Bachelorarbeit würde ich als einer der ersten Studierenden für diese neue Partnerschaft als Vorreiter fungieren. Das kam mir sehr gelegen, da ich mich bereits seit Beginn meines Studiums für die Hochschule für Life Sciences und deren Studierende einsetzte, um somit für weitere Interessierte neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Als ich dann erfahren habe, dass ich an dieser Universität im Bereich der Zellbiologie und Genetik mein bisher neu Gelerntes unter Beweis stellen kann, war für mich die Sache bereits klar. Die Tatsache, dass sich mein neuer Arbeitsplatz in unmittelbarer Näher zum Pazifischen Ozean befinden würde, hat mich in meiner Entscheidung natürlich positiv unterstützt.

Was war anders als dein Studienalltag an der Hochschule für Life Sciences?
Natürlich kann man den Studienalltag gänzlich nicht vergleichen. Dies ist jedoch hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass ich auf Hawaii meiner Masterarbeit nachging und daher im Labor an der John A. Burns School of Medicine (JABSOM) gearbeitet habe und nicht meine Stunden im Vorlesungssaal abgesessen habe. Ich habe jedoch auf dem Gelände vom Hauptcampus der UH gewohnt, gut 20 Fahrrad-Minuten von meinem Arbeitsplatz am Strand entfernt. Dort konnte ich ein wenig den normalen Studienalltag verfolgen. Im Grossen und Ganzen absolut vergleichbar. Aufgrund des Standortes sind hier natürlich sehr viele Asiaten, es werden auch weit mehr Studienfächer angeboten als nur im Life Sciences Bereich, so reichen sich die Linguistik, Marine Biologie aber auch Japanologie quasi die Hände. Es ist sehr grossflächig und amerikanisch, daher spielt hier der Sport auch eine sehr grosse Rolle – militärisch geprägte Marschgruppen mit Kampfgeschrei des lokalen football Teams «Rainbow Warriors» war also an der frühen Tagesordnung mehr als normal. Lieber die als ich.

Erzähl uns von deiner Forschung und deinen Forschungsergebnissen während der Dauer deines Aufenthaltes.
Ich habe im Center for Cardiovascular Research gearbeitet. Prinzipiell wurde das Labor in zwei Gruppen aufgeteilt, erstere haben wie der Name vermuten lässt Forschung am Herzen betrieben, meine Betreuerin und ich jedoch an der Lunge, genauer der Lungenentwicklung nach der Geburt. Dafür hatten wir unterschiedliche Mausmodelle zur Verfügung. In meinem Fall habe ich den Transkriptionsfaktor 21 (Tcf21) genetisch «entfernt», also eine «knockout» Linie erzeugt, welche eben dieses Protein nicht mehr exprimiert. Diese genetisch veränderten Mäuse haben wird dann genutzt, um den Effekt des Verlustes von Tcf21 auf die pränatale Lungenentwicklung zu untersuchen. Im Detail habe ich dann die Lungen zu bestimmten Zeitpunkten isoliert und auf unterschiedliche Weise für meine Experimente vorbereitet. So habe ich z.B. ganze Lungen eingebettet und im Block eingefroren für spätere immuno-histochemischen Färbungen von Proteinen an Gewebeproben oder auch RNA isoliert für darauffolgende qPCR Versuche oder Proteine für Western Blots. Ich konnte auch ein neues System für die Erfassung der respiratorischen Aktivität – also u.a. die Sauerstoff-Aufnahme und Kohlenstoffdioxid-Abgabe – am lebenden Tier durchführen und somit die Integrität der Lunge testen. All diese Experimente und noch viele weitere haben wir schliesslich durchgeführt, um wie bereits erwähnt zu bestimmen, ob und in welchem Ausmass Tcf21 wichtig für die Lungenentwicklung ist. So haben wir im Endeffekt zeigen können, dass die Population der Lipofibroblasten, also die Fibroblasten welche nicht nur extrazelluläre Matrix herstellen, sondern eben auch Lipide enthalten signifikant zurückging. Zudem ist auch die Proliferation der so genannten alveolaren Epithelzellen negativ beeinträchtigt durch den Verlust an Tcf21. Diese haben dann – ganz einfach ausgedrückt – zur Folge, dass die «surfactant» Produktion beeinträchtigt ist, welche die Aufgabe haben, die Alveolen zu schützen, Stabilität zu geben und vor allem beim Atmungsprozess vom Kollaps zu bewahren. Daher natürlich sehr wichtig für die pränatale Lungenentwicklung. Übertragen auf den Menschen sind die Resultate in den ersten Wochen in murinen Modellen gleichzusetzen mit der frühkindlichen Entwicklung der ersten drei Lebensjahre. Und dies ist dann auch der weitere Sinn solcher Studien, dass man gestörte Lungenentwicklung frühzeitig erkennen und dann auch behandeln kann. Dafür muss man erst in der Grundlagenforschung das Zusammenspiel aller Zellen, Faktoren und Parameter zu verstehen versuchen.

Was hat dich an deinem Auslandaufenthalt am meisten überrascht?
Oft referenziert man Hawaii mit paradiesischen Landschaftsbildern und «Surferboys» am sonnigen Strand entlang joggend. Natürlich gibt es diese, jedoch ist dies gänzlich nicht der Alltag hier auf der Insel. Speziell hier auf O’ahu rund um Waikiki hat man sehr viel Industrie, Tourismus und nicht zuletzt offenbaren einem die Seitenstrassen das vorhandene Elend, gekennzeichnet durch die massenweise auf den Bordsteinen campierenden Obdachlosen. Die sind keinesfalls störend oder auffällig, sie gehören halt einfach dazu – man muss sich jedoch ein wenig daran gewöhnen. Ich war jedoch bereits ein wenig abgestumpft von meiner Mexiko-Erfahrung. Regenbögen assoziiert man auch sehr gerne mit dieser Inselgruppe. Ich meine, sogar die offiziellen Auto-Nummernschilder haben stets einen im Hintergrund. Ich habe hier sehr viele gesehen, die gehören ebenfalls zum Tagesprogramm dazu. Es ist wohl klagen auf hohem Niveau, jedoch muss man bedenken, dass es für einen Regenbogen nicht nur die paradiesische Sonne, sondern eben auch Regen benötigt – und diesen gab es dann eben auch täglich. Nun ja, ich habe mich dann als neu bekennender Fahrradfahrer schnell daran gewöhnt, man kann ja schliesslich auch in Badeshorts und Flip-Flops zur Arbeit fahren, ohne aufzufallen. Die Hawaiianische Sprache ist klanglich sehr schön, aber auch gewöhnungsbedürftig, da sie aus deutlich weniger Konsonanten besteht, als wir es von unserem Alphabet gewohnt sind. Daher war es herausfordernd sich die teils sehr langen Strassennamen zu merken. Leider, aus historischen Gründen, finden sich hier sehr wenig Menschen, welche diese Sprache noch im Alltag sprechen.

Wenn ich schon am Anfang gewusst hätte, dass…
Ich habe sehr gut gewusst, was auf mich zukommen wird, da ich bereits ähnliche Auslandserfahrungen gesammelt habe. In diesem Fall ist sicherlich wichtig anzumerken, dass Hawaii kein günstiges Pflaster ist – von den Wohnpreisen bis hin zum Einkauf von frischem Gemüse und Milchprodukten. Man macht, wie man es sich als Student ohnehin gewohnt ist, und passt sich an! Dafür kann man hier relativ günstig sehr hochwertiges Sushi, im allgemeinen Japanisches Essen und Hawaiianisches Poke zu sich nehmen. Unterkünfte sind eher teuer anzusiedeln. Man kann sich Geld sparen, wenn man in ein Appartement zieht und es sich mit Studienkollegen teilt. Diese Wohnungen sind dann aber oft eher ein wenig heruntergekommen und ich sag’s mal positiv, verkehrsgünstig gelegen. Ich persönlich habe mir den «Luxus» eines Einzelzimmers gegönnt. Das war mein grösster Ausgabepunkt zu Schweizer Preisen, jedoch war es mir der Rückzugsort nach einem oft stressigen Labortag absolut wert. Das muss aber jeder für sich selber entscheiden und wenn man für mehrere Monate hier auf die Insel kommt ist es auch mehr als legitim, sich vor Ort dann nochmal umzuschauen und eine neue Bleibe zu finden – dies ist dann deutlich einfacher als aus der Ferne.

Dein Tipp für zukünftige Austauschstudierende?
Ich persönlich kann es jedem nur empfehlen, sich die Option für einen Auslandaufenthalt zur Bewältigung der Abschlussarbeit gut zu überlege. Ich empfehle diese Herausforderung annzuehmen und weit entfernt von seiner «comfort zone» mit gänzlich anderen Standards neue Erfahrungen zu sammeln. Jedoch hat jeder seine eigenen Vorstellungen und Ziele – so würde ich jedem Studierenden ans Herz legen, das zu tun, was ihm am meisten Freude bereitet. Schliesslich sind wir wirklich alle mehr als gesegnet, dass wir in einem so fortschrittlichen und friedlichen Land wie der Schweiz leben und unsere Ausbildung absolvieren dürfen. Überhaupt solche Möglichkeiten zu haben, ist einfach nur fantastisch!

Für die Insel O’ahu und alle Menschen, die ich hier kennen lernen durfte habe ich nur noch eines zu sagen: A Hui Hou – Until We Meet Again.

Ab ins Ausland?

Unsere Studierenden profitieren von der internationalen Vernetzung der Hochschule für Life Sciences. Ein Auslandsemester bei unseren Partnerschulen ist bei Bachelor- wie auch Master-Studierenden sehr begehrt. Nicht nur, um den persönlichen Horizont zu erweitern, sondern auch, um neue soziale und kulturelle Kompetenzen zu erwerben.

Im Rahmen unseres Masterprogramms können ausgewählte Studierende ein Doppel-Diplom machen, um die beiden Titel «MSc in Life Sciences FHWN» und «MSc in Drug Synthesis and Manufacturing UCT Prague» zu erwerben. Dafür verbringen die Studierenden ein zusätzliches Semester an der UCT Prag. Das Double-Degree Programm ist besonders attraktiv für Masterstudierende, die anschliessend eine Promotion anstreben. Weitere Details zum Double-Degree-Programm finden Sie im hier.

Hochschule für Life Sciences FHNW

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Hochschule für Life Sciences Hofackerstrasse 30 4132 Muttenz
Mehr Infos zum Standort
Diese Seite teilen: