Wendehilfe für blinde Schwimmer
Schwimmen ist für blinde und sehbehinderte Menschen eine besonders wertvolle Sportart: Es stärkt nicht nur die körperliche Fitness, sondern schult auch die sensorische Wahrnehmung. Eine grosse Herausforderung bleibt jedoch bis heute das sichere und selbstständige Wenden am Beckenrand. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit an der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW hat die Studentin Selina Przyjemski ein neuartiges technisches Assistenzsystem entwickelt, das blinden Schwimmerinnen und Schwimmern genau hier mehr Autonomie und Sicherheit ermöglicht.
Blinde und sehbehinderte Schwimmerinnen und Schwimmer können das Ende einer Bahn nicht sehen und müssen ihre Schwimmzüge zählen, um den Wendepunkt abzuschätzen. Diese Methode ist ungenau und birgt Verletzungsrisiken. In der Praxis sind Betroffene daher oft auf Begleitpersonen angewiesen, die das Signal zum Wenden geben. Trotz des offensichtlichen Bedarfs existierten bislang keine praxistauglichen technischen Hilfsmittel, die ein selbstständiges Schwimmen im Hallenbad erlauben. Die anspruchsvolle Umgebung mit Wasser, wechselnden Lichtverhältnissen und Temperaturschwankungen stellt hohe Anforderungen an Sensorik, Elektronik und Systemrobustheit.
Ziel der Bachelor-Arbeit im Studiengang Elektro- und Informationstechnik war die Entwicklung einer zuverlässigen, präzisen und alltagstauglichen Wendehilfe für blinde Schwimmerinnen und Schwimmer. Das System sollte die Distanz zum Beckenrand exakt erfassen und diese Information in eine intuitive, nicht-visuelle Rückmeldung übersetzen. Gleichzeitig sollte es kompakt, sicher und einfach handhabbar sein – ohne externe Unterstützung durch Begleitpersonen.
Nach der Evaluation zahlreicher technischer Ansätze, darunter Ultraschall, Kamerasysteme, Radar und elektromagnetische Felder, entschied sich Selina Przyjemski für den Einsatz der Ultra-Wide-Band-(UWB)-Funktechnologie. Diese wird üblicherweise zur präzisen Ortung in Innenräumen eingesetzt, galt jedoch bislang als ungeeignet für Anwendungen in Wassernähe.
Das entwickelte System besteht aus einem kleinen UWB-Sender, der am Kopf der Schwimmerin getragen wird, sowie zwei UWB-Empfängern, die an den Enden der Schwimmbahn positioniert sind. Über die Laufzeitmessung der Funksignale wird der Abstand zum Beckenrand hochpräzise berechnet. Sobald der Abstand unter einen definierten Schwellenwert fällt, erhält die Schwimmerin ein klares Vibrationssignal – der richtige Zeitpunkt zum Wenden.
Tests im Schwimmbad bestätigten die hohe Genauigkeit und Zuverlässigkeit des Systems. Auch die Testschwimmerin zeigte sich überzeugt: Das Assistenzsystem ermögliche ein deutlich selbstständigeres, sichereres Schwimmen und sei intuitiv nutzbar.
Für diese Arbeit wurde Selina Przyjemski mit dem Siemens Excellence Award für die beste Bachelor-Arbeit der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW und der Hochschule für Informatik FHNW ausgezeichnet und zusätzlich für den nationalen Siemens Excellence Award 2026 nominiert.
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