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Ein Marktplatz für künstliche Intelligenz, Hochschule für Technik und Umwelt FHNW

Hochschule für Technik und Umwelt


Ein Schweizerisch-Europäisches Konsortium mit der Hochschule für Technik FHNW will künstliche Intelligenz für KMUs zugänglich machen. Auf einem Marktplatz sollen Daten, Tools und Kompetenzen ausgetauscht werden. Dabei kommen dem Schutz des geistigen Eigentums und der Sicherheit besondere Bedeutung zu.

Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft enorme Möglichkeiten: Von der frühzeitigen Erkennung von Hautkrebs, über die Erforschung von Schwarzen Löchern im Universum bis zur intelligenten Steuerung von selbstfahrenden Autos. KI wird fast jeden Wirtschaftszweig und jeden Beruf betreffen. Entsprechend wichtig ist es, dass die Unternehmen mit der Entwicklung Schritt halten können.

Daten und Kompetenz zusammenbringen

Für Schweizerische und Europäische Unternehmen ist KI aber nur schwer zugänglich: «Die Unternehmen haben Mühe, Datenspezialistinnen und -spezialisten zu finden», sagt Prof. Dr. Samuel Fricker, Leiter der Forschungsgruppe Requirements Engineering an der Hochschule für Technik FHNW. Gleichzeitig kommen viele Datenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nicht an gute Daten: «Unternehmen wollen ihre Daten nicht einfach freigeben», erklärt Samuel Fricker, «dazu sind die Daten – eine Form von geistigem Eigentum – zu wertvoll». An diesem Dilemma setzt das Projekt «Bonseyes» an: Finanziert von der EU und der Schweizerischen Eidgenossenschaft will ein Konsortium mit europäischen Universitäten, Schweizer Fachhochschulen und Industrievertretern KI-Kompetenzen mit Daten zusammenbringen.

Geistiges Eigentum hat höchste Priorität

Das Herzstück von «Bonseyes» ist ein Marktplatz, wo App-Entwickler, Datenwissenschaftlerinnen und Besitzer von Daten zusammentreffen. Hier können KI-Dienstleistungen «on-demand» gekauft werden. Samuel Fricker und sein Team leiten den Aufbau des Marktplatzes und koordinieren die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Konsortium-Mitgliedern. «Für uns als Requirements Engineers steht die Frage im Zentrum, wie man KI-basierte Systeme entwickelt und wie man eine Plattform gestaltet, welche diese Entwicklung vereinfacht», sagt Samuel Fricker. Ein Element, auf das die Entwickler von «Bonseyes» besonders achten, ist der Schutz des geistigen Eigentums: Firmen geben ihre Daten ungern einem Dritten weiter – besonders nicht an die grossen Anbieter wie Google, Microsoft oder Amazon. Darum gilt bei Bonseyes das Prinzip: Man kann Daten und Algorithmen teilen, aber nichts mitnehmen. «Digital Rights Management ist uns sehr wichtig», unterstreicht Samuel Fricker.

Tools sind Edge Computing optimiert

Ergänzend zum Marktplatz bietet die «Deep Learning Toolbox» Open Source Frameworks an, die den Firmen offensteht. Die Frameworks sind dabei auf «Edge Computing» optimiert. «Edge Computing» bezeichnet im Gegensatz zum «Cloud-Computing» die dezentrale Datenverarbeitung am Rand («Edge») eines Netzwerks. Beispiel: Ein selbstfahrendes Auto ist ausgestattet mit zahlreichen Sensoren. Die Verarbeitung dieser Daten via Cloud wäre viel zu langsam und unsicher. Die Daten müssen also im Auto selber verarbeitet werden. Vom verbundenen Gerät zum intelligenten Gerät, könnte das Motto von «Edge Computing» sein. Die Frameworks von «Bonseyes» sind also auf Anwendungen spezialisiert, die am Rande des Netzwerks mit relativ wenig Rechenpower auskommen müssen. In einem von drei Demonstrationsprojekten arbeiten die «Bonseyes»-Entwickler mit dem Autoindustrie-Zulieferer ZF Friedrichshafen zusammen und zeigen, wie man die kommende Generation von KI-Merkmalen mit «Bonseyes» entwickelt. «Die Nutzung von Bonseyes als Kanal für die Verbreitung von KI-Resultaten aus der Europäischen Forschung wird zur fortschrittlichsten Toolbox für ‘Edge Computing’ führen», ist sich Samuel Fricker sicher. Der Release der Plattform ist für Ende 2019 geplant.

Kontakt

Samuel Fricker

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