14 reale Herausforderungen aus der Schweizer Energiewirtschaft, rund 36 Stunden Zeit sowie interdisziplinäre Teams aus Unternehmen, Forschung, Technologie und Hochschulen sorgten bei der Energy Hackdays 2026 für konkrete Lösungen für die zukünftige Energieversorgung.
Reale Herausforderungen, konkrete Lösungen
Wie lässt sich das Solarpotenzial auf Schweizer Hausdächern mithilfe künstlicher Intelligenz genauer bestimmen? Wie können Störungen in Generatoren frühzeitig erkannt werden? Und was verraten Smart-Meter-Daten über den Energieverbrauch eines Haushalts?
Mit solchen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden während rund 36 Stunden am FHNW Campus Brugg-Windisch. Insgesamt standen 14 Challenges aus der Schweizer Energiewirtschaft zur Auswahl. Eingebracht wurden sie unter anderem von Axpo, Swissgrid, dem Bundesamt für Energie BFE, AEW Energie, ewz, Primeo Energie, dem Swiss Data Science Center SDSC, EKT/Anapaya, WeDoWind, EKZ, CKW, Energie360°, Detecon und dem Kanton Aargau.
Die Aufgaben zeigen, welche Themen die Energiebranche aktuell beschäftigen. Das Swiss Data Science Center suchte beispielsweise nach einer Computer-Vision-Lösung, um das Photovoltaikpotenzial auf Schweizer Dächern genauer zu bestimmen. Axpo stellte die Frage, wie künstliche Intelligenz und Signalverarbeitung dabei helfen können, echte Teilentladungen in Generatoren von elektrischem Rauschen zu unterscheiden.
Bei AEW Energie analysierten Teams anonymisierte Smart-Meter-Daten. Ziel war es, sogenannte «Energy Fingerprints» zu erkennen – beispielsweise Hinweise darauf, ob ein Haushalt ein Elektroauto lädt, eine Wärmepumpe betreibt oder Solarstrom produziert. Solche Erkenntnisse können künftig unter anderem für Netzplanung, Prognosen, Tarifgestaltung, Versorgungssicherheit und Flexibilitätsmanagement genutzt werden.
Auch Swissgrid, ewz, das Bundesamt für Energie sowie EKT und Anapaya brachten konkrete Fragestellungen ein: von probabilistischen Prognosen grenzüberschreitender Energieflüsse über neue Netztarife und ein Energy Knowledge Gateway für vertrauenswürdiges Schweizer Energiewissen bis zur sicheren Übertragung von Power-Quality-Daten.
Vom Hackathon zum Innovations-Funnel
Die Energy Data Hackdays verstehen sich nicht als klassischer Hackathon, bei dem Lösungen nach zwei Tagen wieder in der Schublade verschwinden. Das Format ist als Innovationsprozess angelegt: Bereits im Vorfeld werden Problemstellungen geschärft, Datenzugänge geklärt und Teams vorbereitet. Während des Events entstehen erste Prototypen und Lösungsansätze. Vielversprechende Ideen können anschliessend in den Partnerunternehmen, durch neue Kooperationen, Start-ups oder weiterführende Innovationsprojekte weiterentwickelt werden.
Dass daraus konkrete Wirkung entstehen kann, zeigen die bisherigen Ergebnisse. Seit 2019 wurden im Umfeld der Energy Data Hackdays mehr als 70 Challenges bearbeitet. Gemäss Energy Data Innovation Hub werden mehr als die Hälfte der Ergebnisse anschliessend weiterverfolgt. Aus früheren Hackdays sind bereits neue Produkte, Kooperationen und Firmengründungen hervorgegangen.
Ein Forecasting-Case mit Swissgrid führte beispielsweise zu jährlichen Einsparungen von über 500'000 Franken. Bei einem datenoptimierten Wärmeverbund von AEW konnte eine Effizienzsteigerung von rund 15 Prozent erreicht werden.
Open Innovation über Disziplingrenzen hinweg
Die Energiewende stellt komplexe technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen. Lösungen entstehen deshalb zunehmend dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.
Während der Energy Data Hackdays trafen Energieexpert auf Data Scientists, Entwickler auf Forschende und etablierte Unternehmen auf junge Talente. Technologisches Know-how wurde mit energiewirtschaftlicher und regulatorischer Expertise verbunden.
Damit schaffen die Hackdays einen Raum für Open Innovation: Unternehmen öffnen ihre realen Herausforderungen, externe Teams bringen neue Perspektiven ein und innerhalb kurzer Zeit wird sichtbar, welche Lösungsansätze Potenzial haben.
Aus ursprünglich sechs Partnern ist über die vergangenen Jahre ein Netzwerk aus mehr als 40 Organisationen aus Wirtschaft, Forschung und öffentlicher Hand entstanden.
Vom Aargau zur schweizweiten Plattform
Die Wurzeln der Energy Data Hackdays liegen im Aargau. Das Hightech Zentrum Aargau und die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW gehörten 2019 zu den Gründungsorganisationen und haben die Entwicklung des Formats von Beginn an mitgeprägt. Bis heute unterstützen beide Institutionen die Energy Data Hackdays in der Deutschschweiz und stärken damit den Wissens- und Technologietransfer zwischen Unternehmen, Forschungsinstitutionen und dem Innovationsökosystem.
Was im Aargau begann, entwickelt sich zunehmend zu einer schweizweiten Plattform für datengetriebene Energieinnovation. 2027 wird diese Entwicklung weitergeführt: Die nächsten Energy Data Hackdays Lausanne finden am 20. und 21. Mai 2027 gemeinsam mit dem Swiss Data Science Center am Biopôle statt. Erstmals wird das Format 2027 auch ins Tessin expandieren.
Mit Austragungen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz sollen regionale Energieökosysteme, Unternehmen, Forschende und Talente über Sprach- und Institutionsgrenzen hinweg vernetzt werden.
Talente erleben Innovation hautnah
Von diesem Format profitieren nicht nur die Unternehmen. Besonders für Studierende und junge Talente bieten die Hackdays die Möglichkeit, technisches und analytisches Wissen direkt an realen Problemstellungen anzuwenden.
Statt Unternehmen nur über Stelleninserate oder Bewerbungsgespräche kennenzulernen, arbeiten die Teilnehmenden unmittelbar mit Fachleuten aus der Praxis zusammen. Dabei können sie ihre Fähigkeiten in den Bereichen Technologie, Datenanalyse, Kreativität und Teamarbeit unter Beweis stellen und gleichzeitig neue Berufsfelder und Karrierewege kennenlernen.
Für die Unternehmen entsteht umgekehrt eine besondere Form des Talent Scoutings: Sie erleben junge Fachkräfte nicht nur anhand eines Lebenslaufs, sondern direkt bei der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen.
Die Energy Data Hackdays verbinden damit drei zentrale Faktoren für die Zukunft des Schweizer Wirtschaftsstandorts: Innovation, Wissenstransfer und die Förderung der nächsten Generation von Fachkräften.











