In Böttstein verbindet ein interdisziplinäres Projekt im Studiengang Elektro- und Informationstechnik jahrhundertealte Handwerkskunst mit moderner Energietechnik: Ein historisches Wasserrad wird nicht nur revitalisiert – es produziert heute sogar Strom.
Vom Mühlrad zur nachhaltigen Energiequelle
Das imposante Wasserrad der Unteren Mühle in Böttstein blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Über Generationen hinweg trieb es Mühlsteine und Maschinen an, bevor der Betrieb in den 1970er-Jahren eingestellt wurde.
Mit einem Durchmesser von rund zehn Metern zählt es heute zu den grössten Wasserrädern Europas – eingebaut in einem historischen Gebäude und angetrieben vom Mühlebach.
Die Vision des Vereins Kultur am Mühlebach: Das restaurierte Rad soll nicht nur als technisches Denkmal dienen, sondern aktiv zur nachhaltigen Energieproduktion beitragen.
FHNW bringt Innovation in ein Kulturerbe
Hier setzt das Studierendenprojekt der Elektro- und Informationstechnik der FHNW an. In Zusammenarbeit mit dem Verein wurde ein Strom-Generatorsystem (SGS) entwickelt, das die mechanische Energie des Wasserrads in elektrische Energie umwandelt.
Das System kombiniert klassische Wasserkraft mit moderner Steuerungstechnik:
- Generator zur Energieumwandlung
- Solar-Inverter zur Netzintegration
- SPS-basierte Steuerung zur Regelung der Betriebszustände
Damit gelingt es, die schwankende Wassermenge intelligent auszugleichen und einen stabilen Betrieb zu gewährleisten.
Intelligente Regelung für stabile Leistung
Das Funktionsprinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll:
Steigt der Wasserzufluss, erhöht sich die Drehzahl des Wasserrads. Das System reagiert automatisch, indem es die elektrische Leistung erhöht und so die Drehzahl stabilisiert. Bei geringerem Zufluss wird die Leistung entsprechend reduziert.

Strom-Generatorsystem zur Energiegewinnung aus Wasserkraft
Erfolgreiche Inbetriebnahme und erste Stromproduktion
Die Kombination aus historischem Bauwerk und moderner Technik hat sich bewährt: Bereits zur Einweihung des Generators lieferte das Wasserrad erstmals wieder Strom – ein symbolträchtiger Moment für die Region.
Das entwickelte System erreicht im Betrieb Leistungen im Kilowattbereich. Gleichzeitig bleibt es modular und skalierbar, sodass ähnliche Lösungen auch an anderen Standorten denkbar sind.
Verbindung von Lehre, Forschung und Praxis
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie praxisnahe Ausbildung an der FHNW funktioniert: Studierende arbeiten an realen Fragestellungen, kooperieren mit externen Partnern und entwickeln Lösungen mit gesellschaftlicher Relevanz.
Gleichzeitig entsteht ein sichtbarer Mehrwert für die Region: Ein technisches Kulturgut wird nicht nur erhalten, sondern in die Energiezukunft überführt.
Tradition trifft Zukunft
Das Wasserrad von Böttstein steht heute sinnbildlich für die Verbindung von Vergangenheit und Innovation: Was einst Getreide mahlte, liefert nun erneuerbare Energie – entwickelt von Studierenden, umgesetzt mit modernster Technik und getragen von regionalem Engagement.
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