Wie können Roboter Pflegefachpersonen entlasten, ohne menschliche Betreuung zu ersetzen? Diese Frage beschäftigt Studierende und Forschende der Hochschule für Technik und Umwelt. Ein SRF-Radiobeitrag greift das Thema auf und zeigt, wie konkret Pflegerobotik bereits heute ist.
Dass dieses Thema weit über die Forschung hinaus relevant ist, zeigt der SRF-Beitrag zur Pflegerobotik. Darin wird deutlich: Der Einsatz von Robotik in der Pflege beginnt nicht erst bei humanoiden Maschinen, die komplexe Pflegehandlungen übernehmen. Oft geht es um pragmatische Anwendungen, die Pflegefachpersonen entlasten, Abläufe vereinfachen oder Bewohnende im Alltag unterstützen können.
Als Praxisbeispiel zeigt SRF unter anderem das Pflegezentrum Süssbach in Brugg. Dort wird eine künstliche Katze eingesetzt, die auf Berührungen reagiert, sich bewegt und schnurrt. Besonders Menschen mit Demenz können auf solche sozialen Roboter positiv reagieren. Das Beispiel macht sichtbar, dass Pflegerobotik nicht erst bei humanoiden Maschinen beginnt, sondern oft bei pragmatischen Anwendungen, die im Alltag eine konkrete Wirkung entfalten.
Prof. Dr. Roland Anderegg, Leiter des Instituts für Automation FHNW, ordnet im SRF-Beitrag ein, wie solche Fragestellungen angegangen werden: Zuerst müssen Bedürfnisse, Prozesse und das konkrete Umfeld verstanden werden. Danach wird geprüft, wo Robotik sinnvoll eingesetzt werden kann – in Forschungsprojekten, in Kooperationen mit Praxispartnern oder im Rahmen von Studierendenprojekten.
An der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW ist Robotik sowohl in der Forschung als auch in der Ausbildung verankert – etwa in Studiengängen wie Systemtechnik oder Elektro- und Informationstechnik. Der Pflegebereich ist dafür ein besonders anschauliches Anwendungsfeld: Roboter müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern sich in sensible Alltagssituationen, bestehende Abläufe, komplexe Räume und hohe Sicherheitsanforderungen integrieren lassen.
Das Modul «Pflegerobotik» greift diese Fragen gezielt auf. Studierende setzen sich darin mit dem Potenzial von Pflegerobotik auseinander – von Markt, Wirtschaftlichkeit und Geschäftsmodellen über Change Management und Praxisfragen bis zu Grundlagen der Robotik, KI-Anwendungen und internationalen Fallbeispielen.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Frage, was technisch maximal möglich ist, sondern was im Pflegealltag tatsächlich hilft. Dazu gehören unterschiedliche Ansätze: Transport- und Serviceroboter für wiederkehrende Wege und Logistikaufgaben, Exoskelette zur körperlichen Entlastung, Sensorik zur Sturzprävention, KI-gestützte Dokumentation oder soziale Roboter, die aktivieren, beruhigen oder Interaktion ermöglichen können. Entscheidend ist jeweils, ob die Technologie zu den Menschen, Prozessen und Räumen vor Ort passt.
Ein Video aus dem Modul gibt ergänzend Einblick in die Arbeit der Studierenden und zeigt, wie solche Fragestellungen praxisnah bearbeitet wurden.
Warum das Thema relevant ist, zeigt der Blick auf den Pflegealltag: Der Bedarf an Betreuung steigt, während Fachpersonal knapp ist. Robotik kann diese Herausforderung nicht allein lösen, aber sie kann dazu beitragen, wiederkehrende, körperlich belastende oder zeitraubende Aufgaben anders zu organisieren. So bleibt mehr Zeit für das, was sich nicht automatisieren lässt: persönliche Zuwendung, Aufmerksamkeit und menschlicher Kontakt.
Ob solche Lösungen wirklich helfen, entscheidet sich nicht im Labor allein, sondern im Pflegealltag selbst: in engen Räumen, bestehenden Abläufen, sensiblen Betreuungssituationen und im Umgang mit den Menschen vor Ort. Genau dort setzt die FHNW an: mit Forschung, Ausbildung und Projekten, die Robotik nicht als Selbstzweck verstehen, sondern als konkrete Unterstützung für die Praxis.



