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Im Fokus: Prof. Dr. Renato Minamisawa, Hochschule für Technik und Umwelt FHNW

Hochschule für Technik und Umwelt


Der Leiter des Physiklabors an der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW hat in verschiedenen Ländern unterschiedliche Mentalitäten kennengelernt. Im Interview erklärt der Physiker, warum es ihm in der Schweiz besonders gefällt.

Prof. Dr. Renato Minamisawa demonstriert den Charakter von Laserstrahlen in einem Physiklabor der FHNW (Foto: Sandro Nydegger)

Herr Minamisawa, Sie haben in Sao Paulo, in Alabama sowie in Aachen studiert und arbeiten heute in der Schweiz. Sind Sie ein Weltenbummler?

Ich bin fasziniert von Menschen und ihren Kulturen. Das Leben in verschiedenen Ländern bringt mir viele gute Freunde und Erfahrungen, die mir eine breite Perspektive über das Leben geben. Allerdings muss ich gestehen, dass ich nie geplant habe, ins Ausland zu gehen, noch weniger in so viele Länder. Ich glaube, das macht mich zu einem «zufälligen Weltenbummler». Trotzdem wohne ich jetzt sehr glücklich mit meiner Familie in der Schweiz, und ich fühle, dass es Zeit ist, sich niederzulassen.

Ob Brasilien oder Deutschland, die Physik ist überall gleich. Doch wie unterscheidet sich das Studium und die wissenschaftliche Arbeit in den verschiedenen Ländern?

Ich habe das Physikstudium und die Forschung in jedem Land unterschiedlich wahrgenommen. In Brasilien fehlen manchmal die Ressourcen und man lernt, zu improvisieren. In den USA schätze ich die Didaktik der Physik-Vorlesungen sowie die Dynamik und die innovativen Ideen in der Forschung. In Deutschland war es toll zu lernen, wie man mit Details und komplexen Herausforderungen umgehen kann. In der Schweiz schätze ich die hohe Kompetenz der Kolleginnen und Kollegen sowie die flachen Hierarchien. An all diesen Orten war es toll, so viele gute Physikerinnen und Physiker kennenzulernen!

Physik ist ein grosses Forschungsfeld. In welchem Bereich haben Sie sich spezialisiert?

Ich bin ein experimenteller Physiker, der sich auf dem Gebiet der Festkörperphysik spezialisiert hat. Ich wende mein Fachwissen besonders auf nano- und mikroelektronische Komponenten und ihre verschiedenen Technologieaspekte an.

Woran forschen Sie gegenwärtig?

Im Moment forsche ich zu energieeffizienten elektronischen Komponenten, die unter anderem in Leistungshalbleitern und in der Photovoltaik zum Einsatz kommen. Doch während meiner akademischen Karriere habe ich auch Sensoren und neu-strukturierte Materialien erforscht, was ich in Zukunft weiter untersuchen möchte.

2016 wechselten Sie von der ABB an die FHNW. Was war Ihre Motivation, in der Lehre zu arbeiten?

Die Arbeit am ABB Research Center in Baden-Dättwil war ein grossartiges Erlebnis in Bezug auf die Forschung und ich habe mit sehr netten Kollegen zusammengearbeitet. Doch mir fehlte der Kontakt zu Studierenden und zur Physik. Ich habe immer gerne unterrichtet, unter anderem auch an der ETH in Zürich. Die FHNW ist genau der richtige Platz für mich, wo ich Physik unterrichten und meine angewandte Forschung fortsetzen kann. Auch das hohe Niveau der Kolleginnen und Kollegen sowie die gute Laboreinrichtung macht die Arbeit besonders schön.

Wer ist für Sie der bedeutendste Physiker, die bedeutendste Physikerin?

Das ist in der Tat eine schwierige Frage, da es verschiedene Zweige der Physik gibt und ihre Grundlagen oft von verschiedenen Wissenschaftlern etabliert wurde. Natürlich bewundere ich viele von ihnen, aber wenn ich einen auswählen muss, dann wäre es Isaac Newton für seinen Beitrag zur klassischen Physik.

Was machen Sie, wenn Sie nicht an der FHNW sind?

Am liebsten verbringe ich meine Freizeit mit meiner Frau Sarah und meinen beiden kleinen Kindern Samuel (4) und Isabel (2) - das macht mir am meisten Spass. Ich habe mir lange gewünscht Vater und Professor zu sein – jetzt bin ich dankbar, alles zu haben, was ich brauche. Wenn ich etwas Zeit finde, spiele ich gerne Jazz-Gitarre, was ich schon seit 30 Jahren mache. Auch wandere ich gerne in den Bergen und Wäldern der Schweiz, treffe Freunde, gehe schwimmen, joggen und surfen, obwohl letzteres hier etwas unpraktisch ist.

Prof. Dr. Renato Minamisawa

2016-heute
Professor für Physik und Leiter Physiklabor an der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW
2011-2016
Forscher und Projektleiter am ABB Corporate Research Center in Baden-Dättwil auf dem Gebiet der WBG-Halbleitertechnik
2011-2013
Postdoctoral fellow am Paul-Scherrer-Institut, Villigen
2008-2011
Forschungsassistent am Forschungszentrum Jülich, Deutschland
2008-2011
Doktorat in Physik an der RWTH Aachen, Deutschland
2006-2008
Forschungsassistent am Center for Irradiation of Materials an der Alabama A&M University, USA
2006-2008
Master in Physik an der Alabama A&M University, USA
2001-2005
Bachelor in Medizinischer Physik an der Universität Sao Paulo, Brasilien

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