Wie verändern Roboter und Drohnen unsere Arbeitswelt – und welche Möglichkeiten bieten sie Unternehmen bereits heute? Rund 70 Gäste erhielten am 11. August am Campus Brugg-Windisch Einblicke in aktuelle Entwicklungen, konkrete Anwendungen und die Frage, welche Rolle der Mensch in einer zunehmend automatisierten Welt spielt.
Unter dem Titel «Digitaler Aufstieg der Maschinen: Mythos oder Realität?» luden die Hochschule für Technik und Umwelt FHNW und die Aargauische Industrie- und Handelskammer AIHK gemeinsam zum Netzwerkanlass «Robots and Drones» ein. Nach dem Grusswort von Prof. Dr. Peter Flohr, Direktor der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW, führte AIHK-Direktor Beat Bechtold durch den Abend. Vier Referate beleuchteten Robotik und Drohnentechnik aus technologischer, wirtschaftlicher und arbeitspsychologischer Perspektive.
Robotik ist längst in der Praxis angekommen
Prof. Dr. Roland Anderegg, Leiter des Instituts für Automation FHNW, und Daniel Jakober, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, zeigten, wie vielfältig Robotik heute bereits eingesetzt wird. Die Beispiele reichten von autonomen Fertigungsprozessen über das Sortieren von Altkleidern und Ultraschallschweissen bis hin zur Automation in Grossküchen und Anwendungen in der Medizinaltechnik.
Deutlich wurde dabei, dass moderne Robotik weit über klassische, fest programmierte Industrieroboter hinausgeht. Sensorik, Bildverarbeitung und künstliche Intelligenz ermöglichen Systeme, die zunehmend flexibel auf ihre Umgebung und unterschiedliche Aufgaben reagieren können. Ein Beispiel dafür ist ein automatisierter Spülprozess, bei dem Bandspülautomat, Roboter und Bildverarbeitung zu einer modularen und skalierbaren Gesamtlösung verbunden werden.
Stehlen uns Roboter die Arbeit?
Diese Frage stellte David Weder, CEO des Swiss Cobotics Competence Center (S3C), ins Zentrum seines Referats. Seine Antwort: Auch in einer stärker automatisierten Arbeitswelt wird der Mensch weiterhin gebraucht.
Entscheidend wird vielmehr die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Je nach Produktionsvolumen und Aufgabe können manuelle Arbeit, klassische Automation oder kollaborative Robotik die jeweils sinnvollste Lösung darstellen. Anhand konkreter Anwendungen zeigte Weder unter anderem, wie Cobots Verpackungsprozesse übernehmen und humanoide sowie semi-humanoide Roboter in der Intralogistik unterstützen können.
Sein Ausblick: Die Arbeitswelt in der Industrie wird sich weiter verändern und Robotik eine grössere Rolle spielen. Menschen werden diese Entwicklung jedoch weiterhin gestalten und steuern. Umso wichtiger sei es, bereits heute Erfahrungen mit neuen Technologien und Formen der Zusammenarbeit zu sammeln.
Drohnen, die Einsatzkräfte unterstützen
Wie unmittelbar neue Technologien einen gesellschaftlichen Nutzen schaffen können, zeigte Alexander Tschesno, Embedded Systems Lead bei Fotokite AG. Unter dem Titel «Leben retten dank modernster Drohnentechnik» gab er Einblicke in den Einsatz von Drohnensystemen für Feuerwehr und Rettungskräfte.
Das Fotokite Sigma verschafft Einsatzkräften bei Bränden, Unfällen oder Such- und Rettungseinsätzen eine zusätzliche Perspektive aus der Luft. Anders als herkömmliche frei fliegende Drohnen ist das System über eine Leine mit einer Bodenstation verbunden und kann automatisiert gestartet, betrieben und wieder gelandet werden. Farb- und Wärmebildkameras liefern dabei kontinuierlich Informationen über die Einsatzlage. So erhalten Einsatzteams einen Überblick aus der Luft, ohne dafür eine Person dauerhaft mit der Steuerung einer Drohne beschäftigen zu müssen.
Impressionen vom Netzwerkanlass «Robots and Drones» am Campus Brugg-Windisch
Entscheidend ist nicht nur die Technik
Zum Abschluss richtete Prof. Dr. Toni Wäfler, Dozent für Arbeitspsychologie FHNW, den Blick auf eine häufig weniger beachtete Seite der Automatisierung: Was passiert mit dem Menschen, wenn technische Systeme immer mehr Aufgaben übernehmen?
Technik verändert nicht nur Prozesse, sondern auch menschliches Verhalten und die Art, wie wir arbeiten. Wäfler zeigte Risiken eines unreflektierten Technikeinsatzes auf. Dazu gehören etwa ein zu grosses Vertrauen in automatisierte Systeme, der Verlust kritischen Denkens sowie die schleichende Erosion von Wissen und Kompetenzen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, welche Aufgaben Roboter oder KI übernehmen können. Ebenso wichtig ist, welche Rolle dem Menschen im Gesamtsystem bleibt. Diese sollte Menschen aktiv in Problemlösungen einbeziehen, Lernen ermöglichen, Handlungsspielraum bieten und als sinnvoll erlebt werden. Interface-Design allein reicht dafür nicht aus – gefragt ist auch ein bewusstes «Rollen-Design» für den Menschen.
Technologie verstehen, ausprobieren und gemeinsam weiterentwickeln
Die vier Perspektiven des Abends machten deutlich, wie breit das Feld von Robots and Drones inzwischen geworden ist: von hochautomatisierten Produktionsprozessen über kollaborative und humanoide Robotik bis zu Drohnen im Rettungseinsatz und der Gestaltung zukünftiger Arbeitsplätze.
Beim anschliessenden Apéro Riche und an den Informationsständen bot sich den Teilnehmenden Gelegenheit, die Themen mit den Expertinnen und Experten zu vertiefen, Anwendungen aus der Nähe kennenzulernen und sich über mögliche Einsatzfelder im eigenen Unternehmen auszutauschen.





















