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Eine App für die mentale Gesundheit in der Schule, Hochschule für Technik und Umwelt FHNW

Hochschule für Technik und Umwelt


Zeitdruck, verhaltensauffällige Schüler und komplizierte Eltern: Viele Lehrpersonen sind Burn-out-gefährdet. Eine App soll ihnen nun helfen, die mentale Gesundheit im Klassenzimmer zu stärken.

Mehr als sechs von zehn Lehrerinnen und Lehrer machen die hohen Anforderungen in ihrem Beruf gesundheitlich zu schaffen. Das zeigte kürzlich eine Studie, die im Auftrag der Westschweizer Lehrergewerkschaft SER durchgeführt wurde. Gemäss einer Nationalfondsstudie der Pädagogischen Hochschule FHNW von 2014 fühlte sich jede fünfte Lehrperson «ständig überfordert» und jede dritte leide mindestens einmal pro Monat unter depressiven Beschwerden.

Hohe gesellschaftliche Kosten

«Lehrpersonen unterscheiden sich in Ihrem Berufsleben massgeblich von anderen Berufen», sagt der Sozial- und Wirtschaftspsychologe Serkan Yavuz, «dadurch gibt es spezifische Bedürfnisse und Strategien, um in diesem Beruf gesund und erfolgreich zu sein». Neben den individuellen sind auch die gesellschaftlichen Kosten erheblich: «Burn-out-gefährdete Lehrpersonen können zu negativen Folgen bei Schülern, Lehrermangel, hohen Behandlungskosten und zur Minderung der Bildungsqualität führen», erklärt Yavuz. Der Jungunternehmer hat das Start-up probel mit der Mission gegründet, die Gesundheitsförderung mit zeitgemässen Instrumenten und Ansätzen zu ergänzen. Ein solches Instrument speziell für Lehrerinnen und Lehrer könnte die App Teatime.care werden, die Yavuz mit Unterstützung der Kommission für Technologie und Innovation KTI zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW entwickelt.

Reflektieren und agieren

«Teatime steht gleichzeitig für eine Teepause wie auch für Teacher Time», erklärt Prof. Dr. Doris Agotai, die die Entwicklung der App an der Hochschule für Technik FHNW leitet, «wir versuchen den Lehrpersonen einen virtuellen Rückzugsort zu geben, wo sie reflektieren und sich motivieren können». Im Vorfeld beantwortete Fragen ermöglichen der App, die Nutzerinnen und Nutzer in bestimmte Personenprofile einzuteilen. Dadurch können spezifische Übungen je nach Verhaltenstyp angeboten werden: «Reflektionen» stellen Fragen zum Verhalten im Arbeitsalltag und bieten Raum zum Nachdenken: Hast du dir Zeit genommen abzuschalten? Die «Action Tasks» geben Anstoss für Tätigkeiten, die einem guttun würden: Wie wärs zum Beispiel mit einem Waldspaziergang? Die Aufgaben werden in einer Art Tagebuch gespeichert und können mit Fotos ergänzt werden. Die Resultate der Übungen widerspiegeln sich visuell in der App, indem der Pegel des virtuellen Tees angezeigt wird: Ist das Glas voll oder halb leer?

App ermöglicht datenbasierte Beratung

«Mit der App können die Lehrerinnen und Lehrer die Entwicklung ihrer mentalen Gesundheit nachverfolgen», erklärt Serkan Yavuz, «man kann sich das vorstellen wie eine Börsenkurve – nur handelt es sich hier nicht um Aktien, sondern um psychosoziale Konstrukte». Das hilft nicht nur der Anwenderin oder dem Anwender direkt, die Daten können auch bei einer allfälligen Beratung nützlich sein. «Fall es die Lehrperson wünscht, kann sie ihre Resultate für einen Coach aufschalten und somit von einer datenbasierten Beratung profitieren», führt Serkan Yavuz aus, «wir entwickeln die App unter anderen mit Coaches von Lehrerberatungszentren verschiedener Kantone». Ein Coach kann mit den gesammelten Daten den Verlauf der mentalen Gesundheit einer Lehrerin oder eines Lehrers schneller erfassen – was mehr Zeit für die Beratung selber ermöglicht. Die Analyse der Daten lässt auch individuelle Verhaltensmuster erkennen, die vielleicht in einem Gespräch nicht ins Auge gestochen wären. Der Datenschutz ist dabei gegeben, versichert Serkan Yavuz: «Wir arbeiten mit den aktuell höchsten Datenschutzanforderungen».

Ab Sommer 2018 erhältlich

«Tracking und Datenauswertung sind wichtige Komponenten der App, um Verhaltensmuster zu erkennen. Daneben bilden personalisierte Inhalte einen Handlungsrahmen, der im täglichen Gebrauch auch Freude machen soll», sagt Doris Agotai, «nur so werden Lehrerinnen und Lehrer sie nutzen». Darum wurde neben der Datenvisualisierung viel Wert auf eine spielerische Interaktion und Motivationsstrategien gelegt. Für Ihre Entwicklung wurde das Team mit dem zweiten Preis der Swiss Startup Challenge in der Kategorie «Technik» ausgezeichnet. Gegenwärtig wird Teatime.care von Lehrpersonen getestet. Ab Sommer 2018 sollte die App in den jeweiligen Stores erhältlich sein und den Lehrerinnen und Lehrern bei ihrer anspruchsvollen Arbeit helfen.

Weitere Informationen

  • Die App: teatime.care
  • Doris Kunz (Pädagogische Hochschule FHNW): Dokumentation zum Schutz und zur Förderung der Gesundheit von Lehrpersonen, 2017
  • SRF News, Lehrer fordern besseren Schutz ihrer Gesundheit, 2014
  • Das Team der Hochschule für Technik FHNW: Prof. Dr. Doris Agotai, Fiona Nüesch, Ulrike Schock

Kontakt

Doris Agotai

Hochschule für
Technik und Umwelt Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

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