Was die Maschine nicht für uns übernimmt
Agiles Unterrichten ist kein neues Tool und kein weiteres Programm. Es ist eine Antwort auf eine Frage, die mit KI dringlicher geworden ist: Welche Denkarbeit lohnt sich noch, wenn das Abkürzen so leicht geworden ist?
Eine Aufgabe stellen, eine Antwort bekommen – das geht heute in Sekunden. Schülerinnen und Schüler tippen eine Frage ein und halten ein fertiges Ergebnis in den Händen, oft erstaunlich überzeugend. Die Versuchung, den Weg zur Lösung zu überspringen, war noch nie so gross. Und genau hier wird eine alte pädagogische Einsicht plötzlich wieder hochaktuell: Gelernt wird nicht am Ergebnis, sondern auf dem Weg dorthin.
Die Diskussion über KI in der Schule dreht sich oft um die Frage, was die Technologie kann. Spannender ist die andere Frage: Was kann sie nicht für uns übernehmen? Ein Problem im Team aushandeln. Eine Idee verwerfen und neu ansetzen. Verantwortung für einen Prozess tragen, der sich über Wochen zieht. Diese Tätigkeiten lassen sich nicht an eine Maschine delegieren – und sie sind der Kern dessen, was agiles Arbeiten in den Unterricht bringt.
Bekannt, aber selten gelebt
Neu ist das alles nicht. Scrum, Design Thinking und projektartiges Lernen geistern seit Jahren durch die Bildungsdiskussion, es gibt Leuchtturmschulen und überzeugte Pionierinnen und Pioniere. Doch zwischen «schon mal gehört» und «im eigenen Unterricht erprobt» liegt eine grosse Lücke. Im Alltag der meisten Schulen dominiert weiterhin der lehrgangsorientierte Fachunterricht im Lektionstakt – agiles Arbeiten bleibt die Ausnahme, oft getragen von einzelnen Engagierten.
Zwei Entwicklungen verschieben das gerade. Formate wie der FreiDay schaffen erstmals ein festes Gefäss für projektartiges Lernen. Und die KI-Debatte verleiht der Sache eine neue Dringlichkeit: Was vor Kurzem ein «nice to have» war, wird zur Antwort auf eine konkrete Frage. Die Begriffe sind also angekommen – was vielerorts fehlt, ist das eigene Erleben.
Offenheit braucht einen Rahmen
Agiles Arbeiten heisst nicht «alles ist offen». Im Gegenteil: Jeder Weg beginnt mit einem klaren Auftrag – und unterscheidet sich nur darin, was offen bleibt. Bei Design Thinking steht eine Herausforderung im Raum, aber die Lernenden finden selbst heraus, was das eigentliche Problem ist und welche Lösung trägt. Beim Gestalten eigener digitaler Produkte sind Thema und Form gesetzt, offen ist die kreative Umsetzung – Verständnis wird in etwas Selbstgemachtem sichtbar. Bei Scrum gibt die Lehrperson das Lernziel vor, doch die Lernenden organisieren den Weg dorthin über Wochen selbst, mit verteilten Rollen.
Gerade diese Mischung macht den Reiz aus: ein klarer Rahmen gibt Halt, die Offenheit darin fordert eigenständiges Denken. So verschieden die drei Wege sind, sie zielen auf dasselbe – Lernende befähigen, eigenständig und gemeinsam zu denken, statt zu konsumieren oder abzuarbeiten. Die Kursreihe «Agil unterrichten – Lernen neu denken» macht alle drei einmal selbst erlebbar.
Und die Zeit?
Der häufigste Einwand ist nicht inhaltlicher Natur, sondern praktischer: «Dafür habe ich keine Zeit.» Berechtigt – agiles Arbeiten ist keine Methode für jede Lektion. Aber es verlangt kein Mehr an Stunden, sondern eine andere Struktur. Wer ohnehin Projekttage, einen FreiDay oder fächerverbindenden Unterricht kennt, hat das Gefäss bereits. Und vieles lässt sich klein beginnen: eine Doppellektion genügt, um einen ersten Prozess auszuprobieren.
Selbst erleben, bevor man es unterrichtet. Genau darum geht es in der neuen Kursreihe «Agil unterrichten – Lernen neu denken»: An drei Abenden über das Schuljahr 2026/27 durchlaufen Lehrpersonen die drei Wege einmal selbst – und nehmen für jeden eine erprobte Planungshilfe mit nach Hause. Die Kurse sind einzeln buchbar.
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