Reclaiming the We: Interview mit Matylda Krzykowski über das CIVIC an der HGK Basel
In einer Begleitpublikation zum Pavillon von Saudi-Arabien an der Architekturbiennale Venedig 2025 stellt Matylda Krzykowski, Künstlerische Leiterin des CIVIC der HGK Basel, den Bildungs- und Experimentierort der HGK Basel vor.
In einer Publikation, die anlässlisch des öffentlichen Begleitprogramms BUILT / UNBUILT zur Ausstellung «The Um Slaim School: An Architecture of Connection» im Pavillon Saudi-Arabiens auf der Architekturbiennale Venedig 2025 entstanden is, stellt Matylda Krzykowski, Künstlerische Leiterin des CIVIC der HGK Basel, im Rahmen eines Interviews mit anschliessenden Expert:innendiskussion unter dem Titel «Reclaiming the We» den Bildungs- und Experimentierort der HGK Basel vor.
Matylda Krzykowski hält dabei zunächst fest, dass gemeinschaftlich gestaltete Räume fragil, aber transformativ sind. Der Bildungs- und Experimentierort CIVIC an der HGK Basel ermögliche eine praxisnahe Form des Lernens, die Studierende, Mitarbeitende und die Öffentlichkeit durch transparente Strukturen, klare Zugangsregeln und partizipative Prozesse einbindet. Infrastrukturprojekte wie der Freeshop oder experimentelle Formate wie gemeinsame Übernachtungen während der Art Basel fördern dabei Begegnung und Engagement.
Vor dem Hintergrund dieser mit CIVIC gewonnenen Erfahrungen entsteht aktuell die Publikation «How to Civic», die voraussichtlich 2027 erscheinen und praktische Werkzeuge, Diagramme und internationale Gastbeiträge zum Thema «Civic Space» versammeln wird. Zentrale Leitidee dabei ist der Wechsel vom «You» zum «We» als gesellschaftliches Prinzip.
In einer an das Interview anschliessenden, ebenfalls schriftlich dokumentierten Gesprächsprächsrunde mit internationalen Kulturschaffenden wie Cruz García, Pelin Tan oder Setareh Noorani diskutiert Matylda Krzykowski globale Herausforderungen – von institutioneller Überwachung über kulturelle Homogenisierung bis zu «institutioneller Amnesie» und Wissensverlust. Die Beteiligten betonen das Spannungsfeld zwischen Arbeit innerhalb und ausserhalb von Institutionen, unabhängigem Funding und regional unterschiedlichen politischen Zwängen. Migration, Nomadismus und die Wissensformen marginalisierter Gruppen werden als wertvolle, oft übersehene Ressourcen betrachtet.
Die Debatte behandelt auch «parasitische» Strategien – Institutionen von innen zu nutzen und zugleich kritisch zu transformieren. Matylda Krzykowski versteht Bildungseinrichtungen dabei als «kleine Städte», in denen alle als Bürger:innen Verantwortung übernehmen sollten. Sie kritisiert das Fehlen einer offenen Debattenkultur und passive Lernformate. Als Ziel wird vorgegeben, Räume für echte Teilhabe, Vertrauen und gemeinsames Gestalten zu schaffen – gerade in einer Zeit von Informationsüberfluss, sozialem Druck und zunehmender Vereinzelung.
Matylda Krzykowski bringt das Anliegen, das hinter dem CIVIC an der HGK Basel mit dem folgenden Satz auf den Punkt: «CIVIC rejects the logic of self-interest. It begins where control ends — in the space of trust, in the movement of the collective.»
Der Reader BUILT / UNBUILT ist ein redaktionelles Projekt, das von KoozArch entwickelt wurde, um das von Beatrice Leanza kuratierte öffentliche Vortragsprogramm für den Pavillon Saudi-Arabiens auf der 19. Internationalen Architekturausstellung in Venedigt zu begleiten. Das Projekt wurde sowohl als Dokumentation als auch als Erweiterung des Programms konzipiert und umfasst eine Reihe von vier speziellen Lesebüchern, die die Beiträge der öffentlichen Begegnungen sammeln, erweitern und kritisch einordnen. Die Reader vereinen die Stimmen, Positionen und Praktiken, die während vier öffentlicher Gespräche zwischen Juni und November 2025 im Pavillon und im Palazzo Diedo in Venedig zum Ausdruck kamen.



