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6.7.2022 | Hochschule für Life Sciences

Bachelor-Arbeit im Hohen Norden

Welche Tierchen aus den Tiefen des Meeres eignen sich als biologische Ressource?

Welche Einzeller aus den Tiefen des Meeres haben nutzbringendes Potenzial für die Lebensmittel- und Futterindustrie? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit die Bachelor-Studentin Bettina Müller im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit an ihrer Gast-Hochschule Flensburg im Hohen Norden direkt an der Ostsee. Zum Austausch-Semester inspiriert hat die Bioanalytik- und Zellbiologie-Studentin eine gemeinsam von der Hochschule Flensburg und der Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS) organisierte Summer School zum Thema marine Biotechnologie.

Bettina, was ist marine Biotechnologie überhaupt und was fasziniert dich daran?
Die marine Biotechnologie untersucht Kleinstlebewesen aus dem Meer. Ich bin fasziniert davon, dass noch so vieles über die Tiefen des Meeres unbekannt ist. So viel Potenzial liegt da noch im Verborgenen! Denn: die marine Biotechnologie bietet aufgrund der einzigartigen kleinen Lebewesen viele neue Optionen für die Wissenschaft. Konkret geht es darum, neue Erkenntnisse zu gewinnen, welche die Forschung in der Medizin, im Nahrungsergänzungsmittel—und Kosmetikbereich voranbringen. Medikamente, die aus dem Meer entstammen gibt es beispielsweise bereits. Das begeistert mich!

Diese Kleinstlebewesen erforschst du an der Hochschule Flensburg. Wie muss man sich diesen Ort vorstellen?
Flensburg ist eine Hafenstadt. Sie liegt direkt an der Ostsee und ist einen Katzensprung von der dänischen Grenze entfernt. Sie ist eine Kombi aus maritimem Charme und skandinavischer Lebensfreude. Einfach einzigartig! Wenn man hier am Samstag durch die Stadt flaniert, fühlt man sich wie in Skandinavien. Man hört so viel Dänisch. Das ist kein Wunder, denn man kann von Flensburg zu Fuss rüber nach Dänemark laufen. So nah ist das!
Und was ich auch atemberaubend finde, ist die Landschaft. Die Natur mit ihren grünen Wäldern, den weissen Stränden und dem Meer! Flensburg ist für mich rundum eine Stadt zum Wohlfühlen!

Klingt traumhaft! In diesem Setting darfst du dich also deiner Bachelor-Arbeit widmen? Erzähl mal!
In meiner Bachelor-Arbeit geht’s wie bereits erwähnt um marine Biotechnologie. Ich untersuche kleine marine Einzeller. Meine Gast-Hochschule hier in Flensburg hat eine riesige Sammlung dieser Tierchen. Ich möchte herausfinden, welche dieser tausenden und abertausenden von «Viechli» das Potenzial haben, eine sogenannte Carotinoid-Biosynthese durchzuführen. Das heisst, ich untersuche, welche Einzeller aus der Ost- und Nordsee Carotinoid herstellen können. Weiss man das, kann man diese Substanz gezielt isolieren. Diese kann dann beispielsweise prophylaktisch gegen Krankheiten wie Krebs, Rheuma, Alzheimer oder Parkinson eingesetzt werden oder auch der Hautalterung vorbeugen.
Und noch etwas: Es ist einfach toll, die Ost- und die Nordsee direkt vor der Haustür zu haben und vor Ort mit diesen Meerestierchen arbeiten zu können. So ist es möglich, einfach mal rasch eine frische Wasserprobe aus der Ostsee zu holen, in welcher sich die Einzeller wohler fühlen.

Das klingt spannend! Und: was war bisher deine grösste Herausforderung in deiner neuen Heimat auf Zeit?
Die Flensburger sind sehr direkt. Das fand ich am Anfang recht schwierig. Da wird nicht um den heissen Brei geredet. Nicht jedes Wörtchen auf die Goldwaage gelegt. Das bin ich als Zentralschweizerin nicht gewöhnt. Wir Luzerner sind eher vorsichtig, ja niemandem auf den Schlips zu treten. Dass das hier anders ist, daran musste ich mich zuerst gewöhnen. Ich musste lernen, mir nicht alles so zu Herzen zu nehmen. Es ist eine gute Lebensschule, zu merken, dass es unterschiedliche Mentalitäten gibt!
A propos Mentalität - was mir auch aufgefallen ist: die Flensburger lieben das Leben! Um 17 Uhr ist hier Schluss mit Arbeit. Und: freitags wird das Wochenende bereits mittags eingeläutet. Das ist ein grosser Gegensatz zu uns Schweizern und den Erfahrungen, die ich an unserer Hochschule gemacht habe. Im Labor an der HLS fingen wir beispielsweise um 7 Uhr morgens an zu arbeiten und blieben bis wir fertig waren. Die Prioritäten sind hier ganz anders. Das hat mich überrascht, gefällt mir aber auch ganz gut!

Bettina, welchen Tipp würdest du zukünftigen Austausch-Student*Innen mit auf den Weg geben?
Bereite dich in Ruhe auf dein Austausch-Semester vor! Und: vermeide Stress bis zum letzten Moment vor deiner Abreise.
Was es heisst, meine Lebensmittelpunkt für ein paar Monate in ein anderes Land und an eine andere Hochschule zu verlegen und dort meine Bachelor-Arbeit zu schreiben, habe ich nämlich total unterschätzt. Ich habe bis eineinhalb Tage vor meiner Abreise 100 Prozent gearbeitet. Hatte also lediglich eineinhalb Tage Zeit, um alles zu packen. Nach einer elfstündigen Zugfahrt kam ich dann ziemlich platt in meiner neuen Heimat auf Zeit an. Ich war in einem fremden Land, in einer fremden Stadt und wusste: nächste Woche fängt meine Bachelor-Thesis an. Jetzt muss ich mich sputen und mich noch in die neue Thematik einlesen. Alles ein bisschen viel auf einmal. Denn: mental und emotional war ich noch mit dem Stress der letzten Tage beschäftigt. Zelte zu Hause abbrechen, neue aufschlagen – alles gleichzeitig. Das war ein Kaltstart.
Darum mein Rat an alle Austausch-Studenten und Studentinnen to be: befasst euch bereits vorab mit eurem Gastland, der Hochschule dort und macht euch mit eurer Bachelor-Arbeit vertraut!

Und die letzte Frage: Hast du neue Einsichten gewonnen während deines Aufenthalts hier?
Ja. Ich habe unterschätzt, wie modern die Geräte und die Infrastruktur an der HLS sind. Ich merke erst jetzt im Vergleich mit meiner Gast-Hochschule, wie viele Ressourcen und Möglichkeiten wir an der HLS haben! Beispielsweise konnten wir an der HLS die DNA-Sequenzierung mit den modernsten Geräten inhouse durchführen, hier in Flensburg wird diese Aufgabe outgesourct, weil schlicht und ergreifend die Ressourcen fehlen.

Danke für den tollen Einblick in dein Austausch-Semester in Flensburg, Bettina! Und: viel Erfolg bei deiner Bachelor-Arbeit!

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