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06.07.2020 | Hochschule für Angewandte Psychologie

Konflikte als Chance

Konfliktsituationen im Unternehmen gehören zum Geschäftsalltag dazu. Wie entstehen sie und warum ist es so wichtig, sie zu bearbeiten? –  Interview mit Prof. Dr. Albert Vollmer, Programmleiter CAS Konfliktmanagement im Arbeitsalltag.

Prof. Dr. Vollmer, wann entstehen Konflikte im Arbeitsumfeld?

Konflikte entstehen dann, wenn man sich in einer Sachfrage nicht einigen kann, wenn man unterschiedliche Interessen nicht vereinbaren kann und wenn man persönliche Verletzungen erleidet.

«Konflikte, die nicht ausgetragen werden, belasten die Menschen und kosten eine Menge Geld.»

Prof. Dr. Albert Vollmer

Warum ist es so wichtig, diese Konflikte systematisch anzugehen?

Konflikte belasten die Menschen, wenn sie nicht ausgetragen werden. Die Folgen sind individueller Ärger, Demotivation und Leistungsabfall bis hin zu Vertrauensverlust und Störungen in der Zusammenarbeit mit anderen. Ausserdem kosten Konflikte eine Menge Geld: Studien gehen von Einsparpotenzialen von bis zu 25% der Kosten eines Unternehmens aus, wenn man Konflikte verhindert oder systematisch bearbeitet.
Es geht aber keinesfalls nur darum, die negativen Folgen von Konflikten zu verhindern. Konflikte, richtig bearbeitet, erhöhen die Produktivität, begünstigen Wandel und Innovation und ermöglichen persönliche Reife. Es gilt, einerseits die Bedingungen in Unternehmen so zu gestalten, dass unnötige Konflikte verhindert werden. Andererseits braucht es Prozesse und Kompetenzen, um die nötigen Konflikte konstruktiv bearbeiten zu können. Nötig sind Konflikte dann, wenn unterschiedliche Meinungen, insbesondere in Sachfragen, ausdiskutiert werden müssen, um die beste Lösung zu erhalten, die von allen mitgetragen wird.

Welche Methoden des Konfliktmanagements werden in diesem CAS vermittelt?

Wir vermitteln zunächst individuelle Handlungsstrategien, die vom Vermeiden über den Kompromiss bis zu integrativen Konfliktstrategien reichen. Darüber hinaus vermitteln wir die Methoden des Konfliktcoachings und der Konfliktmoderation, Verhandlungstechnik, mediative Methoden sowie diskursive Methoden. Es kommt auf die Konfliktsituation an, welche Methode die passende ist. Oftmals ist es auch ein Methodenmix

«Die Teilnehmenden wenden die Theorie aus dem Unterricht laufend in der Praxis an.»

Prof. Dr. Albert Vollmer

Wie stellen Sie sicher, dass die Teilnehmenden die Theorie in der Praxis anwenden können?

Die Weiterbildungsteilnehmenden wenden die Methoden mit Beginn des CAS in ihrer Praxis an. Sie machen in ihrem Unternehmen zum Beispiel eine Fallanalyse, eine Teambefragung, wenden mediative Techniken an oder üben sich in einer Teammoderation. Was sie im Unterricht an Theorie erhalten, setzen sie in ihrem Arbeitsumfeld um und reflektieren dies wieder im Unterricht.

Welche Voraussetzungen muss jemand mitbringen, um an diesem CAS teilnehmen zu können?

Die Teilnehmenden brauchen einen Hochschulabschluss oder eine vergleichbare Ausbildung, Berufserfahrung sowie eine Position im Unternehmen, die verlangt, dass man sich mit Konflikten auskennt. Genauso wichtig sind neben diesen formalen Voraussetzungen eine hohe Motivation, mehr über dieses Thema zu erfahren und das Bedürfnis, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten zu erweitern.

Wie beeinflusst Covid19 den Unterricht im CAS Konfliktmanagement? Welche Formate sind geplant?

Der Präsenzunterricht bleibt weiterhin die Basis. Wir haben aber auch gute Erfahrungen gemacht mit virtuellen Formen des Unterrichts, in denen manche Lernerfahrungen sogar besser waren als im Präsenzunterricht. Insofern wird es sicher einzelne Lerneinheiten geben, die virtuell durchgeführt werden, auch wenn wir einmal nicht mehr zu Schutzmassnahmen gezwungen sind.


Zur Person:

Prof. Dr. Albert VollmerProf. Dr. Albert Vollmer ist in Lehre, Forschung, Weiterbildung und Dienstleistung an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW tätig. Seine Themen: Kooperation, Konflikt und Innovation. Vollmer ist Programmleiter des CAS Konfliktmanagement in der Arbeitswelt.

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