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12.8.2025 | Hochschule für Soziale Arbeit, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit

Gesundheitssysteme im internationalen Austausch – Einblicke in Sciana

Partizipation und Gesundheit: Mit diesem Themenkomplex setzt sich Prof. Carlo Fabian von der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW seit vielen Jahren auseinander. Seit 2025 ist er als Fellow im Netzwerk «Sciana – The Health Leaders Network» engagiert. Ein Gespräch über seine Erfahrungen und Perspektiven.

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Foto: Sciana/Richard Schabetsberger
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Foto: Sciana/Richard Schabetsberger

Gesundheit ist Teil eines komplexen Systems. Biologische, psychische und soziale Faktoren, gesetzliche Regelungen, Finanzierungsmodelle, externe Faktoren, individuelle Verhaltensweisen und mehr beeinflussen Gesundheit und Krankheit der Menschen. In diesem System wirken verschiedene Professionen wie Medizin, Soziale Arbeit und Psychologie, kommunizieren miteinander, müssen sich gegenseitig verstehen und können idealerweise gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, trotz dieser Komplexität, möglichst allen Menschen die bestmögliche Gesundheit zu ermöglichen.

Solchen Herausforderungen widmet sich Sciana. Das internationale Netzwerk bringt Führungspersönlichkeiten und Expert:innen aus Deutschland, Grossbritannien und der Schweiz zusammen, um im Sinne eines «Systems Leadership» voneinander zu lernen und Impulse für die Entwicklung der Gesundheitssysteme zu setzen. Die Fellows jeder Kohorte widmen sich einem Schwerpunktthema. Prof. Carlo Fabian ist Teil der siebten Kohorte (2025-2026) und befasst sich mit dem Thema «Systems Leadership for Population Health in Times of Scarcity». Im Interview berichtet er über seine ersten Erfahrungen.

Ein Gespräch mit Prof. Carlo Fabian über Sciana

Geführt am 22. Mai 2025

Bevor wir über euer Arbeitsthema «Gesundheitssysteme in Zeiten der Knappheit» sprechen, interessiert mich: Hat der Austausch von Anfang an funktioniert? Oder war es notwendig, sich sprachlich und inhaltlich aufeinander einzustellen?

Carlo Fabian (lacht): Ja, wir mussten die englischen Muttersprachler:innen tatsächlich teilweise bitten, etwas langsamer zu sprechen und auf allzu viel Fachjargon zu verzichten. Aber das hat bestens funktioniert.
Bereits im März fand ein erstes Treffen aller Kohorten mit rund 100 Personen in Kopenhagen statt. Mein erster Eindruck war: Die Vielfalt hinsichtlich beruflicher Hintergründe, Disziplinen, kultureller Herkünfte und Sprachen ist enorm – und genau das macht es so spannend und bereichernd. Es gibt eine beeindruckende Konzentration an Kompetenzen und ebenso viel Motivation und Engagement für das Thema Gesundheit. Gleichzeitig stellte ich fest, dass mir einige Themen sehr vertraut waren, während ich mich mit anderen weniger gut auskannte. Mein persönlicher Fokus sind Gesundheitsförderung und Prävention; Themen der Gesundheitsversorgung sind mir teilweise etwas fremder.

Das Ziel der zwei Mal pro Jahr stattfindenden Treffen in Salzburg ist, sich fachlich und menschlich kennenzulernen, Themen zu diskutieren und diese gemeinsam weiterzuentwickeln. Der Austausch war von Beginn an partizipativ gestaltet. Alle waren aktiv beteiligt und leisteten ihren Beitrag. Sich kennenzulernen ist ein fortlaufender Prozess. Man nähert sich einander sowohl fachlich als auch persönlich an. Bald wurde deutlich, dass es eine gemeinsame Sprache braucht – und dieser Prozess wurde angestossen und dauert an. Ich kann viel lernen und viel beitragen. Darauf freue ich mich sehr.

Foto: Sciana/Richard Schabetsberger

Bei so viel Unterschiedlichkeit: Wie gelingt ein inhaltlicher Einstieg?

CF: Gerade in den Unterschieden liegt der Reiz, um in solchen Netzwerken zu arbeiten – sie eröffnen neue Perspektiven auf das eigene System. Zu Beginn stellten jeweils zwei Fellows pro Land das Gesundheitssystem ihres Landes vor. In der Schweiz spielen beispielsweise die Kantone und Gemeinden eine zentrale Rolle – sowohl in der Gesundheitsförderung, der Prävention und auch in der Kuration. Die Systeme unterscheiden sich bei uns somit zum Teil kantonal. In Grossbritannien hingegen ist das Gesundheitssystem national organisiert und in Deutschland wiederum sieht es nochmals anders aus.

Die Finanzierungsmodalitäten sind beispielsweise sehr unterschiedlich. Die Kopfprämie kennen wir in dieser Form nur in der Schweiz. In Grossbritannien wird die Gesundheitsversorgung der gesamten Bevölkerung durch Steuern finanziert, während die Beiträge zur Krankenversicherung in Deutschland einkommensabhängig sind. Hinter diesen «simplen» Unterschieden verbergen sich jedoch gewaltige Unterschiede in den Systemen, im Verständnis, in der Kultur, im Zugang zu gesundheitsbezogenen Dienstleistungen usw.

Gleichzeitig wurden auch Gemeinsamkeiten sichtbar. So stellte sich etwa die Frage, wie sich Gesundheits- und Sozialsysteme besser miteinander verzahnen lassen. Solche Fragestellungen sind auch in der Schweiz seit Jahren aktuell. Es gibt also trotz sehr unterschiedlicher Rahmenbedingungen zahlreiche inhaltliche Parallelen – das ist ausgesprochen spannend.

Nun zum Arbeitsthema eurer Kohorte. «Systems Leadership for Population Health in Times of Scarcity» – was bedeutet «Population Health», und worauf bezieht sich die «Knappheit»?

CF: Mit «Population Health» ist die Gesundheit der Bevölkerung als Ganzes gemeint. Das Gesundheitssystem ist dabei Mittel zum Zweck. Um die Gesundheit der Menschen optimal zu unterstützen, sind unter Umständen Systemveränderungen notwendig: neue Prioritäten, andere Prozesse, angepasste Finanzierungs- oder Preispolitiken etc. Es geht also nicht darum, beispielsweise eine «bessere» Krankenkasse zu haben, sondern eine, die die Gesundheit der Menschen möglichst gut und chancengerecht unterstützt.

Fehlt diese Perspektive in der aktuellen Diskussion rund um unser Gesundheitssystem?

CF: Ja, ich denke, sie kommt oft zu kurz. Der Diskurs fokussiert stark auf Kosten, Effizienz und Versorgung – aber weniger auf die Frage, was Menschen tatsächlich brauchen, um gesund leben zu können. Die Perspektive der Bevölkerung als aktive Mitgestalterin wird selten systematisch mitgedacht. Genau hier setzt unsere Arbeit an: Bei Sciana arbeiten wir über zwei Jahre lang an einem Thema. Ich beschäftige mich mit einer Gruppe mit der Frage, wie im Kontext von Gesundheit die Teilhabe auf individueller, gemeinschaftlicher und systemischer Ebene gefördert werden.

Foto: Carlo Fabian

Wir wollen uns ein Bild über die Systeme machen, Bedürfnisse und Ideen abholen und schlussendlich einen Koffer mit Tools, Herangehensweisen oder gar Fortbildungen entwickeln. Das ist ein grosses Unterfangen, mal schauen, wie weit wir dann genau kommen. Dabei beziehen wir in den Überlegungen bestehende Strukturen vergleichend mit ein, beispielsweise in der Schweiz das Bundesamt für Gesundheit, Kantone, Gemeinden, Krankenkassen, Stiftungen und NGOs. Diese Institutionen prägen entscheidend mit, was möglich ist und was nicht. Der Gedanke «for the people» wird zu «with the people». Uns interessiert: Was braucht es wirklich? Wie kann ein System aus Sicht der Menschen verbessert werden? Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie Menschen und Communities mehr Gestaltungsmöglichkeiten erhalten können. Die Stichworte sind Partizipation und Co-Creation. Bei Sciana kann ich diese Themen kollaborativ, disziplin- und grenzüberschreitend sowie zukunftsorientiert weiterverfolgen.

Kommen wir zum Begriff der «Knappheit». Wie wurde dieser diskutiert?

CF: «Times of Scarcity» ist hochaktuell. Auch in der Schweiz wird aktuell im Gesundheitsbereich, namentlich in der Gesundheitsförderung und Prävention gespart. Das hat viele Gründe – und ist deutlich spürbar. Aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich hört man Ähnliches. Auch die geopolitische Lage spielt eine Rolle: In vielen Ländern fliessen erhebliche Mittel ins Militär, sodass sie anderswo fehlen. Was bedeutet das für die Gesundheitssysteme? Welche strukturellen Herausforderungen entstehen dadurch? Solche Fragen diskutieren wir intensiv.

Gibt es bereits Ansätze, wie man mit dieser Knappheit umgehen könnte?

CF: Es gibt verschiedene Ansätze. Ich wurde eingeladen, in Salzburg ein Projekt vorzustellen. Ich habe den Präventionsansatz «Früherkennung und Frühintervention» präsentiert. In der Schweiz wird dieser seit 30 Jahren propagiert und ich arbeite ebenso lange mit Überzeugung mit diesem Ansatz. Es gibt jedoch bis heute keine wissenschaftlich fundierte Evaluation seiner Wirkungen. Zwar existiert viel Erfahrungswissen, doch es fehlt die evidenzbasierte Grundlage. Gerade in Zeiten knapper Ressourcen sind zielgerichtete Investitionen in Präventionsprogramme, deren Nutzen empirisch belegt ist, unerlässlich. Das bedeutet auch: Investitionen in Forschung sind dringend nötig, selbst bei finanzieller Knappheit. Es ist zentral, die vorhandenen Mittel wirkungsorientiert einzusetzen. Programme ohne nachweislichen Nutzen können wir uns schlicht nicht leisten, finanziell und ethisch nicht. Solch eine Haltung und Handhabung wäre aus meiner Sicht eine wichtige Entwicklung in unserem System.

Foto: Sciana/Richard Schabetsberger

Wie war die Stimmung bei den Treffen angesichts der grossen Herausforderungen?

CF: Das Setting der Sciana-Meetings ist aussergewöhnlich: Die Treffen finden im Schloss Leopoldskron in Salzburg statt. Die Location, die Umgebung, die Ruhe, die Zeit für intensiven Austausch, die kompetenten Coaches und Mentor:innen und das gute Essen tragen dazu bei, dass man sich aufeinander einlässt. Und von Beginn an war spürbar: Trotz aller Unterschiede verfolgen alle dasselbe Ziel. Es herrschen eine grosse Offenheit und ein gemeinsames Engagement für die Gesundheit der Menschen.

Was nimmst du aus dem Austausch mit? Was trägt man aus dem Netzwerk heraus?

CF: Es ist noch schwer zu sagen, was konkret daraus entstehen wird. Ich hoffe jedoch, die gewonnenen Erkenntnisse und Ideen in meine Arbeitsfelder und in mein Institut Soziale Arbeit und Gesundheit weitertragen zu können. Besonders erfreulich finde ich, dass der Gedanke der Zusammenarbeit bereits jetzt wirkt – zwischen einzelnen Teilnehmenden ebenso wie zwischen den Institutionen, denen sie angehören.

Vielen Dank, Carlo Fabian, für das Gespräch. Wir sind gespannt, was du aus deiner weiteren Reise mit Sciana berichten wirst.

Prof. Carlo Fabian leitet das Institut Soziale Arbeit und Gesundheit an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Er forscht unter anderem zu den Themen Gesundheitsförderung, Prävention, Gesundheit in öffentlichen Räumen sowie zu Wirkungsfragen. Folgen Sie Prof. Carlo Fabian auf LinkedIn für Einblicke in seinen beruflichen Alltag.

Weitere Informationen zu Sciana und zur siebten Kohorte sind hier und hier verfügbar.

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Carlo Fabian

Prof. Carlo Fabian

Institutsleiter, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Telefonnummer

T +41 62 957 22 12

E-Mail

carlo.fabian@fhnw.ch

Adresse

Riggenbachstrasse 16 4600 Olten

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