Michael Faes und Toni Steimle übernehmen die Leitung des Studiengangs Informatik der FHNW
Michael Faes und Toni Steimle übernehmen per 1. November 2026 gemeinsam die Leitung des Bachelorstudiengangs Informatik an der Hochschule für Informatik FHNW. Im Interview sprechen sie darüber, welche Möglichkeiten ein Informatikstudium in einer Welt mit AI eröffnet, welche Kompetenzen künftig gefragt sind und wie sie die Ausbildung gemeinsam weiterentwickeln wollen.
Ihr übernehmt gemeinsam die Leitung des Bachelorstudiengangs Informatik. Was begeistert euch persönlich an der Informatik und was hat euch motiviert, diese neue Aufgabe zu übernehmen?
Michael Faes: Ich war schon als Kind von der Informatik begeistert, als mein Vater den ersten Computer nach Hause brachte. Mich faszinierte, wie viele verschiedene Dinge man mit diesem Gerät machen kann: Zeichnen, Musik editieren und natürlich auch Gamen. Bald begann ich, Computerspiele zu verändern, sodass sie sich anders verhielten als ursprünglich vorgesehen. Diese Freude am Gestalten und Ausprobieren ist bis heute geblieben und diese Begeisterung möchte ich auch an unsere Studierenden weitergeben. Informatik eröffnet Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen und Hintergründen die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. Und AI hebt das gerade auf ein ganz neues Level: Was heute mit AI-Agenten möglich ist, ist vor zwei Jahren kaum vorstellbar gewesen.
Toni Steimle: Was mich besonders reizt, ist der Zeitpunkt. Wir befinden uns mitten in einem der grössten Umbrüche der Informatik. AI verändert grundlegend, wie wir Software entwickeln und welche Kompetenzen künftig gefragt sind. Genau jetzt haben wir die Chance, das Informatikstudium neu zu denken und eine Vision für die Ausbildung der Zukunft zu entwickeln. Dafür müssen wir nicht nur Studieninhalte überarbeiten, sondern die gesamte Hochschule auf diesem Weg mitnehmen. Für mich ist das eine ausserordentlich spannende Führungsaufgabe.
Alle sprechen von AI. Braucht es die Informatik überhaupt noch?
Michael: Absolut! Nur weil AI heute Software schreiben kann, verschwindet der Bedarf an Informatikerinnen und Informatikern nicht. Im Gegenteil: Wenn Software einfacher und günstiger entwickelt werden kann, wird es künftig noch viel mehr davon geben. Entsprechend braucht es weiterhin Menschen, die verstehen, wie diese Software funktioniert, ob sie zuverlässig und sicher ist und ob sie überhaupt das macht, was die User brauchen. AI selbst basiert zudem auf hochentwickelter Informatik. Ohne leistungsfähige Systeme, durchdachte Softwarearchitekturen und effiziente Algorithmen wäre das alles gar nicht möglich.
Toni: Was sich verändert, ist die Art, wie wir als Informatikerinnen und Informatiker arbeiten. Bisher stand häufig das Schreiben von Code im Vordergrund. Mit AI verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend darauf, Probleme präzise zu beschreiben, Lösungen zu entwerfen und deren Qualität zu überprüfen. Deshalb müssen unsere Studierenden beides beherrschen. Sie sollen mit den neuesten AI-Werkzeugen produktiv arbeiten können und gleichzeitig über das Fachwissen verfügen, um die Ergebnisse zu verstehen, kritisch zu beurteilen und schliesslich zu verantworten. Gerade diese Kombination wird in Zukunft entscheidend sein.
Was ist Euch wichtig für eine gute Informatikausbildung?
Toni: Eine gute Informatikausbildung muss für mich zwei Dinge verbinden. Ein solides methodisches Fundament und die Fähigkeit, sich auf neue Entwicklungen einzustellen. Die Grundlagen bleiben unverzichtbar, auch wenn sich Technologien rasant verändern. Gleichzeitig müssen wir aktuelle Trends aufgreifen und neue Lernformen ermöglichen. Die Welt wird durch AI nicht einfacher, sondern komplexer. Umso wichtiger ist es, komplexe Probleme in überschaubare Teile zu zerlegen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Entscheidend ist für mich, dass die Studierenden nicht nur einzelne Technologien beherrschen, sondern das Wissen aus den verschiedenen Bereichen miteinander verknüpfen und selbstständig auf neue Fragestellungen anwenden können.
Michael: Und es sollte Spass machen, Informatik zu studieren! Wer mit Freude und Neugier lernt, bleibt auch bei schwierigen Aufgaben dran. Deshalb sind mir praxisnahe Projekte und Beispiele aus der Lebenswelt der Studierenden wichtig. Sie sollen erleben, was sie mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten tatsächlich bewegen können. Ein Studium hat aber viel mehr Aspekte als die Fachlichen. Die Studierenden lernen, mit anderen zusammenzuarbeiten, kritisch zu denken und ihre Ideen zu vertreten. Sie knüpfen Freundschaften, bauen sich ein Netzwerk auf und kommen über Praxisprojekte bereits mit Unternehmen in Kontakt.
Was bedeutet es für Euch, den Studiengang in Co-Leitung zu führen?
Michael: Wir bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit, die sich hervorragend ergänzen. Ich habe einen starken fachlichen und didaktischen Hintergrund, Toni bringt langjährige Führungs- und Praxiserfahrung aus der Wirtschaft mit. Dadurch betrachten wir Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven, können unsere Ideen gegenseitig hinterfragen und gemeinsam bessere Lösungen entwickeln. Gerade bei grundlegenden Veränderungen ist das ein grosser Vorteil.
Toni: Die grosse Herausforderung ist, den Studiengang heute erfolgreich zu führen und gleichzeitig die Ausbildung von morgen zu gestalten. Das Tagesgeschäft verlangt viel Aufmerksamkeit, während wir grundlegende Veränderungen anstossen wollen. In einer Co-Leitung können wir diese beiden Aufgaben besser miteinander verbinden, unsere Stärken gezielt einsetzen und flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagieren. So behalten wir sowohl den laufenden Betrieb als auch die langfristige Entwicklung im Blick.
Wann ist eure gemeinsame Mission für euch ein Erfolg?
Michael: Mich persönlich begeistert es, wenn Studierende, die am Anfang noch strugglen und das eine oder andere Modul wiederholen müssen, im Verlauf vom Studium ihren Weg finden und am Schluss als AI-, Security- oder UX-Expertin oder als breit aufgestellter Software-Ingenieur abschliessen. Wenn die jungen Menschen bei uns ihr Potenzial entfalten können, dann haben wir gewonnen.
Toni: Wenn unsere Studierenden nach ihrem Abschluss sagen: «Ich fühle mich gut vorbereitet auf das, was kommt, und traue mir zu, neue Herausforderungen zu meistern.» Genauso wichtig ist mir aber, dass sie auf eine bereichernde Studienzeit zurückblicken, Freundschaften fürs Leben geschlossen haben und stolz auf das sind, was sie erreicht haben. Wenn sie sagen können, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben und ihr Abschluss wirklich etwas wert ist, dann haben wir vieles richtig gemacht.
Zu den Personen
Michael Faes
Dr. Michael Faes promovierte in Informatik an der ETH Zürich, wo er zu Programmiersprachen, paralleler Programmierung und Softwareentwicklung forschte. Darüber hinaus verfügt er über ein Lehrdiplom für Maturitätsschulen und sammelte Unterrichtserfahrung am Gymnasium Münchenstein. Seit 2020 ist er als Dozent an der FHNW tätig. Er bringt fundierte fachliche und didaktische Kompetenzen sowie Erfahrung in der Hochschulentwicklung mit und hat den Studiengang Informatik seit Januar 2026 interimistisch geleitet.
Toni Steimle
Toni Steimle studierte Informatik an der FHNW und anschliessend Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Er verfügt über langjährige Führungs- und Praxiserfahrung in der Informatikbranche, unter anderem bei Crealogix, und verantwortete zuletzt während zwölf Jahren als CEO den Aufbau und die erfolgreiche Etablierung von Ergosign Switzerland. Als ausgewiesener Experte für UX prägt er seit vielen Jahren die UX-Szene in der Schweiz und engagiert sich auch in der Hochschullehre und Weiterbildung. Seit Mai 2026 ist er an der FHNW tätig und wird auch in seiner neuen Funktion weiterhin die Studienrichtung Design & Management an der HSI verantworten.


