Die angestrebte Vollassoziierung ab 2027 ist ein Quantensprung für die FHNW
In der schweizerischen Europapolitik stehen entscheidende Monate bevor: Im Rahmen des Gesamtpakets Schweiz–EU beraten Stände- und Nationalrat über die zukünftigen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU. Bereits im Dezember soll dabei der Finanzierungsbeschluss für die Reassoziierung der Schweiz an Erasmus+ fallen.
Blick zurück: Wie kam es zum aktuellen «Drittstaat»-Status
2014 wurde die Schweiz als Folge der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative von der EU aus dem Erasmus-Programm ausgeschlossen. Seither gilt die Schweiz als sogenannter «Drittstaat», wie beispielsweise auch Grossbritannien.
Um den Austausch mit den europäischen Partnerhochschulen dennoch zu sichern, sprang der Bund mit einer eigenen Lösung ein: dem Swiss-European Mobility Programme (SEMP). Diese Übergangslösung garantiert zwar bis heute die Mobilität von Studierenden und Mitarbeitenden, hat jedoch einen entscheidenden Haken: Die Schweiz agiert als „stiller Partner“: Schweizer Hochschulen können in europäischen Kooperationsprojekten meist nur mitlaufen, aber keine eigenen Projektleitungen übernehmen oder europäische Initiativen selbst anstossen und sind von vielen EU-Fördermöglichkeiten ausgeschlossen.
Blick in die Zukunft: Vom Mitläufer zum gleichberechtigten Partner
Eine Rückkehr zu Erasmus+ ab 2027 ist weit mehr als ein administrativer Systemwechsel. Sie bringt klare Vorteile für Lehre, Forschung und Organisation:
- Echte Gleichberechtigung & Sichtbarkeit: Die Schweiz sitzt wieder als gleichwertiger Partner am Tisch. Schweizer Teams können eigene europäische Innovations- und Pilotprojekte entwickeln, Konsortien anführen und erhöhen so ihre internationale Sichtbarkeit enorm.
- Neue Mobilitätsformate: Neben dem klassischen Semesteraustausch öffnet Erasmus+ die Tür für flexiblere Formate (z. B. kurze Intensivprogramme, Blended Learning) und erweiterte Zielgruppen.
- Andere Finanzierungslogik: Der Zugang zu den Töpfen des 26,2 Milliarden Euro schweren EU-Programms eröffnet neue, breitere Fördermöglichkeiten für die Hochschulen.
- Anschluss an Zukunftsthemen: Die FHNW erhält wieder vollen Zugriff auf europäische Netzwerke, Tools und Arbeitsgruppen (etwa zu Digitalisierung von Lernsettings oder Micro-Credentials).
Blick hinter die Kulissen: Intensive Vorbereitungen in den International Offices
Damit bei der angestrebten Vollassoziierung ab Studienjahr 2027/28 alles klappt, läuft bereits jetzt im Hintergrund ein Mammutprojekt: Parallel zum regulären SEMP-Betrieb bereitet das Internatio-nal Office das neue System vor. Sämtliche bilateralen Partnerverträge müssen europaweit neu ab-geschlossen werden und die gesamte Administration wird auf die digitalen EU-Systeme umgestellt und akkreditiert.
Für Studierende und Mitarbeitende gilt: Bis zum offiziellen Beitritt bleibt das bestehende System die Basis. Sämtliche Auslandsaufenthalte und Kooperationen werden weiterhin im gewohnten Rahmen über die bisherige Schweizer Lösung (SEMP) abgewickelt und gefördert.
Weiterführende Informationen
Das International Office der Hochschule für Life Sciences FHNW beobachtet die Entwicklung aufmerksam und bereitet sich auf die mögliche Reassoziierung vor. Bei Fragen zu aktuellen Aus-tauschmöglichkeiten sowie zukünftigen Projekten unterstützen wir jederzeit gerne.


