Präeklampsie gehört zu den gefährlichsten Schwangerschaftskomplikationen weltweit. Doch oft wird die Erkrankung erst erkannt, wenn sie bereits weit fortgeschritten ist. Das Schweizer Start-up MOMM Diagnostics entwickelt deshalb einen Schnelltest, der eine frühzeitige Diagnose direkt am Behandlungsort ermöglichen soll. Unterstützt wird es dabei von der Hochschule für Life Sciences FHNW und dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH).
Wenn eine Diagnose zu spät kommt
Für viele werdende Mütter ist eine Schwangerschaft mit Vorfreude verbunden. Doch manchmal entwickelt sich daraus eine lebensbedrohliche Situation. Präeklampsie ist eine schwere Schwangerschaftskomplikation, die für Mutter und Kind gefährlich werden kann. Besonders in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind die Folgen gravierend.
«Die Tragödie ist, dass die Krankheit eigentlich gut behandelbar ist – durch rechtzeitige Erkennung und ein gutes Patientenmanagement», erklärt Elisabeth Reus, Head of Clinical Operations am Swiss TPH.
Das Problem liegt häufig in der Diagnose. Bislang orientiert sich das medizinische Personal oft an klinischen Symptomen, die sich erst zeigen, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Gerade in Regionen, in denen der Zugang zu spezialisierten Diagnostiklaboren eingeschränkt ist, kann dadurch wertvolle Zeit verloren gehen.
Eine frühzeitige Diagnose könnte viele dieser schweren Verläufe verhindern. Das Schweizer Start-up MOMM Diagnostics arbeitet deshalb an einer Lösung, die zuverlässige Labordiagnostik direkt zu den Patientinnen bringt.
Ein Labor für die Hosentasche
Mit dem Schnelltest "préXclude" entwickelt MOMM Diagnostics eine Technologie, die das Potenzial hat, die Diagnose von Präeklampsie grundlegend zu vereinfachen.
Statt Blutproben in ein zentrales Labor zu schicken und auf die Ergebnisse zu warten, soll künftig ein einziger Tropfen Blut genügen. Ein tragbares Analysegerät misst darin zwei sogenannte Biomarker, also biologische Merkmale, die Hinweise auf eine Präeklampsie liefern.
«Unser Test misst zwei Präeklampsie-Biomarker und liefert dem Fachpersonal in unter 30 Minuten ein Ergebnis. Dafür braucht es keine Laborinfrastruktur, sondern lediglich ein tragbares Gerät und unsere Test-Kits», erklärt Christopher Wood, Director R&D bei MOMM Diagnostics.
Damit sollen Ärzt*innen und Hebammen die Erkrankung schneller erkennen und das Risiko für die Schwangere besser einschätzen können. Besonders dort, wo Labore fehlen oder nur schwer erreichbar sind, könnte dies einen entscheidenden Unterschied machen.
Die Herausforderung liegt im kleinsten Detail
Was einfach klingt, ist technologisch anspruchsvoll. Denn die gesuchten Biomarker kommen im Blut nur in äusserst geringen Konzentrationen vor. Sie zuverlässig nachzuweisen, erfordert hochsensitive Messverfahren.
Für die Entwicklung eines solch empfindlichen Diagnoseverfahrens braucht es spezialisiertes Know-how. Dieses bringt die Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS) in die Zusammenarbeit mit MOMM Diagnostics ein.
Mit ihrer wissenschaftlichen Expertise und spezialisierten Forschungsinfrastruktur unterstützt die HLS das Start-up dabei, anspruchsvolle diagnostische Messungen auch ausserhalb zentraler Labore möglich zu machen. Für MOMM Diagnostics eröffnet die Zusammenarbeit Möglichkeiten, die dem Unternehmen alleine nicht zur Verfügung stünden.
«Ihre Infrastruktur und ihr wissenschaftliches Know-how ermöglichen es uns, neue Ansätze zu entwickeln, die wir alleine niemals aufbauen könnten», betont Mathias Wipf, CEO und Mitgründer von MOMM Diagnostics.
Die Partnerschaft verbindet die wissenschaftlichen Kompetenzen der HLS mit der Innovationskraft des Start-ups. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, eine anspruchsvolle diagnostische Technologie für den Einsatz direkt am Behandlungsort weiterzuentwickeln.

Vom Forschungslabor in die klinische Praxis
Ein diagnostischer Schnelltest muss nicht nur unter kontrollierten Laborbedingungen funktionieren. Entscheidend ist, dass er auch im medizinischen Alltag zuverlässig eingesetzt werden kann.
Hier ergänzt das Swiss TPH die Zusammenarbeit mit seiner langjährigen Erfahrung in der klinischen Forschung in ressourcenarmen Regionen. Im Rahmen des von der Gates-Stiftung finanzierten «Prevent Preeclampsia Project» wird der Prototyp von préXclude unter realen Einsatzbedingungen in Subsahara-Afrika untersucht.
Dabei steht nicht nur die technische Leistungsfähigkeit des Tests im Fokus. Ebenso wichtig ist die Frage, ob er sich von jenen Menschen einfach und zuverlässig anwenden lässt, die später damit arbeiten sollen.
«Durch diese klinische Studie wird préXclude dort getestet, wo es letztlich eingesetzt werden soll: in ressourcenbeschränkten Umgebungen», erklärt Meera Saxena, Lead Clinical Research Associate am Swiss TPH.
Gesundheitspersonal und Hebammen vor Ort erproben den Test direkt im vorgesehenen Anwendungsumfeld. Die gewonnenen Erkenntnisse sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer praxistauglichen und erschwinglichen Diagnostiklösung.
Gemeinsam forschen, damit Diagnostik zugänglich wird
Die Zusammenarbeit von MOMM Diagnostics, der Hochschule für Life Sciences FHNW und dem Swiss TPH verbindet drei zentrale Kompetenzen: innovative Technologieentwicklung, wissenschaftliche Expertise in der In-vitro-Diagnostik und klinische Forschung unter realen Bedingungen.
Das gemeinsame Ziel reicht weit über die Entwicklung eines einzelnen Schnelltests hinaus. Es geht darum, hochwertige Diagnostik auch dort verfügbar zu machen, wo der Zugang zu medizinischer Infrastruktur eingeschränkt ist.
Für Mathias Wipf ist die Motivation dahinter persönlich und klar:
Bis dahin sind weitere Schritte notwendig. Doch die gemeinsame Forschungsarbeit zeigt bereits, wie die Verbindung von Wissenschaft, Industrie und klinischer Praxis dazu beitragen kann, neue diagnostische Technologien näher zu den Menschen zu bringen, die sie benötigen.
Der Film dazu:

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Prof. Dr. Dominik Meinel
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