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24.04.2018 | Hochschule für Musik

Altera Missa: Faszination Stimme zwischen Robert Schumann und Jean-Jacques Dünki

In der Stadtkirche Aarau und im Basler Oekolampad bringen Chor und Orchester der Hochschule für Musik FHNW am 28./29. April eine Auftragskomposition und ein Schumann-Werk unter der Leitung von Raphael Immoos zur Aufführung: Altera Missa

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Musik-Akademie Basel erhielt mit 15 anderen auch der Schweizer Pianist und Komponist Jean-Jacques Dünki einen Kompositionsauftrag. Sein Werk, fünf kurze, spielerische Intermezzi, die er selbst als «Studien» bezeichnet, ist Frucht einer intensiven Auseinandersetzung des Schumann-Spezialisten mit dessen Missa Sacra.

Ein farbiges Programm mit geistlicher und zeitgenössischer Musik

Raphael Immoos, Dozent für Chorleitung an der Hochschule für Musik FHNW, hatte bereits in einem früheren Projekt das Mozart-Requiem mit Zeitgenössischer Musik von Georg Friedrich Haas, der heute an der Columbia University in New York lehrt, kombiniert. Dünkis Tonsprache bezeichnet Immoos als vielschichtig und farbig: «Es gibt sowohl improvisatorische als auch definierte, notierte Abschnitte in den Studien. Sie nehmen Bezug auf die Musik von Schumann, aber in einer ganz eigenen Art, mal sprechend, fragend, hinterfragend, gerne auch widersprüchlich oder provozierend. Auch eine Prise Humor schimmert durch, wenn opernhafte Soloeinwürfe einzelner Choristen durch den Konzertraum schwirren», so Immoos. Auch Schumann habe sich nicht besonders um die Konventionen der geistlichen Musik gekümmert. Der Chorleiter erkennt hier eine Seelenverwandtschaft zwischen den beiden Komponisten. Zudem war auch Schumann seiner Zeit voraus und schrieb für damalige Ohren zeitgenössische Musik.  

«Der Kontrast ist ein Gewinn für die Chorsängerinnen und -sänger»

Chorarbeit mit Musikstudierenden bedeutet, immer wieder von vorne zu beginnen, setzen sich doch die grossen Chöre mit jedem neuen Studienjahr wieder anders zusammen. Jede Stimme sei einmalig, intim und privat, so Raphael Immoos: «Viele Instrumentalistinnen und Instrumentalisten kennen ihre Stimme anfänglich noch nicht richtig. Sie haben sich ja für ein Musikinstrument entschieden und entdecken oft erst im Chor, dass ihnen noch ein weiteres Instrument geschenkt wurde: ihre eigene Stimme! Diese Stimme in all ihren Ausdrucksmöglichkeiten zu wecken ist die grösste Herausforderung bei der Chorarbeit.» Beim Altera Missa-Projekt lernen die Studierenden, ihr Stimmorgan vielfältig einzusetzen um ungewohnte Effekte zu erzielen. So etwas brauche viel Fantasie, die beim Singen von Schumann immer sehr gefragt sei. «Somit ist die Kombination von Dünki und Schumann für die Stimmen auf jeden Fall ein Gewinn», zeigt sich Raphael Immoos überzeugt.

Vom Stellenwert des Chorsingens im Musikstudium

Die Stimme ist ein "Basisinstrument". Bei der Chorarbeit lernen angehende Musikerinnen und Musiker Dinge, die auch im Orchester oder beim Musizieren allgemein wichtig sind: den Atem zu führen, aufeinander zu hören, das Gehör und die innere Vorstellung zu schulen. Wer sich einen Ton nicht vorstellen kann, der kann ihn nicht singen. Chorsängerinnen und -sänger sind für Raphael Immoos «Klangforscher». Dies gilt ganz speziell für die Zeitgenössische Musik, welche in Basel an der Hochschule für Musik FHNW einen hohen Stellenwert geniesst. So lernen die Musikstudierenden nicht nur Werke der Vergangenheit wiederzugeben, sie erforschen auch ganz neue Klangräume. Beide Aspekte kommen in der Aufführung vom 28./29. April zum Tragen, wenn das Altera Missa-Projekt Dünki und Schumann nebeneinanderstellt.

www.musik-akademie.ch
www.fhnw.ch/hochschule-fuer-musik


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Bildlegende

Chorsingen ist Teil des Musikstudiums. Studierende unterschiedlicher Fächer und Nationen treffen sich regelmässig bei den Chorproben und erarbeiten neue Programme. Bild Eleni Kougionis, Basel 

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