Ein Mobile-First-Prototyp, der Bubblees Teich-Metapher von einem Werkzeug zur sozialen Wiedervernetzung zu einem Raum für Selbstentdeckung weiterentwickelt und reflektierendes Journaling mit einem AI-Assistenten verbindet, der junge Erwachsene dabei unterstützt, ihre eigenen Interessen zu erkunden und besser zu verstehen.
Erfahrungsbericht
Unsere Interessen prägen, wer wir sind und wie wir uns entwickeln. Bubblee unterstützt junge Erwachsene dabei, ihre Interessen bewusst zu erkunden, zu reflektieren und sich dadurch selbst besser zu verstehen.
Ausgangslage
Bubblee entstand ursprünglich als interdisziplinäres Projekt im fünften Semester (IP5). Dabei wurde die Teich-Metapher entwickelt, um Menschen über gemeinsame Interessen wieder mit Bekannten in Kontakt zu bringen. Die Evaluation bestätigte die emotionale Wirkung der Metapher, zeigte aber zugleich eine weitere, bislang nicht vertiefte Idee auf, die bereits in der ursprünglichen Vision von Bubblee angelegt war: persönliche Interessen nicht nur als Ausgangspunkt für Verbindungen mit anderen, sondern auch für die eigene Selbstentdeckung zu nutzen.
Diese Bachelorarbeit greift diesen Gedanken auf. Statt zu fragen, wie der Teich Nutzerinnen und Nutzern helfen kann, andere Menschen zu finden, untersucht sie, wie der Teich ihnen helfen kann, sich selbst besser zu verstehen.
Projektziel
Digitale Werkzeuge zur Selbstreflexion basieren häufig auf allgemeinen Stimmungstagebüchern oder Journaling-Fragen, die kaum mit einem bedeutungsvollen persönlichen Kontext verbunden sind. Die Teich-Metapher von Bubblee bietet hier einen alternativen Ansatz: eine visuelle Umgebung, die bereits auf persönlichen Interessen aufbaut.
Ziel dieser Bachelorarbeit war es, diese Metapher zu einem theoretisch fundierten Konzept für Selbstentdeckung weiterzuentwickeln, einen AI-Assistenten zur Unterstützung der Interessenerkundung zu integrieren und zu evaluieren, wie junge Erwachsene den daraus entstandenen Prototyp erleben.
Drei Fragen standen dabei im Zentrum: Wie lässt sich Selbstentdeckung innerhalb der Teich-Metapher abbilden? Wie kann ein AI-Assistent gestaltet werden, der diesen Prozess unterstützt? Und wie nehmen junge Erwachsene das daraus entstandene System wahr?

Die Reflexion über ein Interesse ist als kurzes, greifbares Ritual gestaltet und nicht als Formular, das ausgefüllt werden muss. Nutzerinnen und Nutzer beschreiben ihre Stimmung, wählen einige passende Schlagwörter sowie das entsprechende Interesse aus und werfen anschliessend einen Stein in ihren Teich. Farbe und Form des Steins stellen dabei die gewählte Stimmung dar. Je häufiger über ein Interesse reflektiert wird, desto detaillierter wird das dazugehörige Seerosenblatt – so entwickelt sich der Teich mit der Zeit zu einer lebendigen Darstellung der persönlichen Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen. 
Beim Eintauchen unter die Oberfläche des Teichs werden alle Reflexionssteine sichtbar, die zu einem bestimmten Interesse abgelegt wurden. Sie sind als Spur vom neuesten bis zum ältesten Eintrag angeordnet. So werden im Laufe der Zeit Muster erkennbar, ohne dass das System diese für die Nutzerinnen und Nutzer interpretiert. 
Am Ufer des Teichs erscheinen kleine Setzlinge, die jeweils für einen von AI generierten Interessenvorschlag stehen. Die Vorschläge basieren auf dem bestehenden Profil der Nutzerinnen und Nutzer oder auf den Interessen ihrer Kontakte. Durch Antippen eines Setzlings wird die Begründung für den Vorschlag sichtbar; anschliessend kann er in den eigenen Teich aufgenommen oder verworfen werden.
Entwickelte Lösungen
Das Projekt resultierte in einem interaktiven, Mobile-First-Prototyp mit sechs miteinander verbundenen Funktionen, die jeweils an Erkenntnisse aus der Forschung zur Selbstentdeckung anknüpfen.
Reflexion, Exploration und die Darstellung der eigenen Identität werden dabei als miteinander verbundene Bestandteile einer sich kontinuierlich entwickelnden Teich-Umgebung verstanden, die auf der ursprünglichen Bubblee-Metapher aufbaut.
Kernfunktionen
- Reflection Stone: Ein geführter, fragebasierter Ablauf, mit dem Nutzerinnen und Nutzer festhalten können, wie sich ein bestimmtes Interesse aktuell anfühlt. Dadurch wird Journaling zu einem kleinen Ritual anstelle eines offenen Texteingabefelds.
- Underwater Timeline: Eine chronologische, interaktiv erkundbare Spur vergangener Reflexionen unterhalb des Seerosenblatts eines Interesses. Sie unterstützt dabei, rückblickend Muster zu erkennen.
- Interest Leveling: Je häufiger Nutzerinnen und Nutzer über ein Interesse reflektieren, desto weniger gesättigt wird die Farbe des dazugehörigen Seerosenblatts und desto detaillierter wird dessen Blattstruktur.
- Fisch-Avatar: Ein individuell anpassbarer Fisch-Avatar, mit dem Nutzerinnen und Nutzer Aspekte ihrer Identität innerhalb des Teichs ausdrücken können.
- Seerosenblätter-Customization: Farbe und Grösse der Seerosenblätter können individuell angepasst werden. Dadurch behalten Nutzerinnen und Nutzer die Kontrolle darüber, wie ihre Interessen visuell dargestellt werden.
- AI-Interessenvorschläge: Von einem AI-Assistenten generierte Setzlinge schlagen neue oder aus den Interessen von Kontakten abgeleitete Interessen vor. Zu jedem Vorschlag wird eine Begründung angezeigt, bevor er angenommen oder verworfen werden kann.
Zentrale Erkenntnisse aus der Evaluation
- Emotionale Wirkung als Unterscheidungsmerkmal: Die Metapher wurde als visuell eigenständig und beruhigend wahrgenommen und hebt Bubblee damit von klassischen, leistungsorientierten Tracking-Apps ab.
- Exploration bestätigt: Die Strukturierung von Interessen, AI-basierte Vorschläge und die Anpassung der Seerosenblätter wurden von den Teilnehmenden positiv aufgenommen.
- Reflexion überzeugt, ist aber schwer auffindbar: Sobald Teilnehmende den Reflexionsstein entdeckt hatten, empfanden sie diese Funktion als sinnvoll und relevant. Aufgrund mangelnder Sichtbarkeit und eines unklaren Zwecks war der Einstieg jedoch schwierig.
- Unklarer Kernzweck: Für die Teilnehmenden war nicht eindeutig, ob Bubblee primär für private Selbstreflexion oder für soziale Vernetzung gedacht ist. Das Onboarding vermittelte den Eindruck einer sozialen App, während sich die Reflexionsfunktion später als vollständig privat herausstellte und keine direkte Möglichkeit zur Kontaktaufnahme bot.
Projektdetails
- Typ
- Studierendenprojekt
- Hochschule/Institut
- Hochschule für Informatik FHNW
- Partner
- bubblee
- Leitung
- Moritz Schneider,
Simy Melinda Tran,
Advisor:
Anton Fedosov,
Elif Gurcinar,
Schlüsselbegriffe
Self-Discovery | Der fortlaufende Prozess, durch Erfahrungen, Interessen und Reflexionen besser zu verstehen und immer wieder neu zu interpretieren, wer man selbst ist. |
Extended Self | Die Vorstellung, dass die eigene Identität über den Körper hinausgeht und auch Besitz, Erfahrungen und Beziehungen umfasst. |
Extended Digital Self | Die Vorstellung, dass digitale Besitztümer und Online-Repräsentationen zu bedeutungsvollen Bestandteilen der eigenen Identität werden. |
Reflection | Der bewusste Prozess, eigene Erfahrungen zu betrachten und daraus neue Erkenntnisse über sich selbst zu gewinnen. |
Transparentes Nutzermodell | Ein Nutzermodell, dessen zugrunde liegende Logik für die Nutzerinnen und Nutzer sichtbar gemacht wird, damit sie diese nachvollziehen und erkunden können. |
Selbstverwirklichung | Das lebenslange Bestreben eines Menschen, sich weiterzuentwickeln, zu wachsen und das eigene Potenzial möglichst umfassend auszuschöpfen. |
EDUSS Framework | Fünf Ziele: Explore, Develop, Understand, Scrutinize und Socialize. Diese beschreiben, wie AI-gestützte Systeme die Selbstverwirklichung unterstützen können. |
Teich-Metapher | Das Interaktionskonzept von Bubblee, in dem Interessen als Seerosenblätter, Kontakte als Fische und Reflexionen als Steine in einem gemeinsamen Teich dargestellt werden. |
User-Centered Design | Eine iterative Designmethodik, bei der die Zielgruppe während Forschung, Konzeptentwicklung, Prototyping und Evaluation aktiv einbezogen wird. |
Interaction Design | Die Gestaltung von Interaktionen zwischen Menschen und digitalen Systemen. |
Tritt mit uns in Kontakt
Prof. Dr. Anton Fedosov
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