Claudia Nguyen forschte 2022 für ihre Bachelorarbeit fünf Monate am Robert Koch-Institut in Berlin.
Was hat dich motiviert, einen Auslandsaufenthalt zu machen?
Ich wollte für die Zeit meiner Bachelorarbeit mal aus dem Raum Basel herauskommen. Da mein geplantes Auslandssemester ein Jahr zuvor wegen Corona abgesagt wurde, wollte ich nicht riskieren, irgendwohin zu reisen, das am Ende abgesagt werden würde. Also habe ich überlegt: Was ist von Basel aus verkehrstechnisch gut zu erreichen und bietet trotzdem ein spannendes Kulturangebot? So fiel meine Entscheidung auf Berlin.
Warum hast du dich für deine Gastuniversität und dein Gastland entschieden?
Ich wollte ein aussergewöhnliches Projekt finden, das eher unerforscht ist. Da ich auch die Querschnittsqualifikation in der Digitalisierung für das Fach FZ anstrebe, war es zusätzlich noch eine Herausforderung, ein passendes Thema zu finden. Zufälligerweise schrieb ich damals meinen Betreuer an, da im RKI einige Abschlussarbeiten ausgeschrieben waren. Die Voraussetzungen, die ich damals mitbrachte (Kenntnisse in Biologie und In-Silico Analyse), kamen ihm entgegen, und so wurde meine Bachelorarbeit als Pilotprojekt gestartet.
Wie gestaltet sich dein Alltag?
Was mir also sehr entgegenkam, ist der Alltag in der Forschung. Ich bin meine eigene Chefin und kann kommen und gehen, wie ich will. Abgesehen von den drei wöchentlichen Meetings unter der Woche konnte ich mir meine Zeit frei einteilen. Am Anfang meiner Zeit habe ich nach der Arbeit gerne neue Cafés in verschiedenen Stadtteilen erkundet oder bin einfach allein in die Boulderhalle gegangen. Da hier alle sehr offen sind, kommt man schnell mit Leuten ins Gespräch und es ist immer etwas los.
Erzähl uns von deiner Forschung und deinen Forschungsergebnissen während der Dauer deines Aufenthaltes.
Ich arbeite mit Giardien (Giardia duodenalis) - das sind Parasiten, die manchmal Durchfallerkrankungen verursachen, wenn man in wärmeren Regionen unterwegs ist und kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel zu sich nimmt. Da der Organismus 4 Chromosomensätze hat (im Gegensatz zu uns Menschen, wir haben nur zwei), erweist sich die Genotypisierung als sehr komplex. Bislang wurde nur mit Sanger-Sequenzierung geforscht, was zu einer geringen Auflösung führte. In meinem Projekt versuche ich, das Next Generation Sequencing zu etablieren, um zu sehen, ob die Sequenzierauflösung hoch genug ist, um eine Einschätzung vornehmen zu können: Habe ich es bei meinem Isolat mit einer Variante, einem Heterozygoten oder einer potenziellen Mischinfektion zu tun?
Was hat dich an deinem Auslandsaufenthalt am meisten überrascht?
Dass Berlin so viele Seen hat! Vor allem gegen Ende, wenn die Tage wärmer wurden, sind wir Master- und Bachelorstudierenden nach der Arbeit oder dem Labor 20 Minuten vom Institut zum nächstgelegenen Flughafensee gefahren. Und dass ich zur chronischen Mate-Trinkerin wurde, statt mich nur mit Kaffee am Leben zu halten.
Wenn ich schon am Anfang gewusst hätte, dass…
…die Wohnungssuche der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleicht, hätte ich mich noch früher auf Wohnheime oder Studierendenzimmer beworben (können zum Teil recht kostspielig sein). Oder mich darüber informiert, ob das Institut ein Guesthouse anbietet. Leider hatte ich mit meiner Bleibe nicht sehr viel Glück.…
Gibt es sonstige Erlebnisse und Erfahrungen, über die du berichten möchtest?
Auch eine Fernbeziehung überlebt ein Auslandssemester, auch wenn es zum Teil schwierig ist.
Take your chance to study abroad!

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