Die Hochschule für Life Sciences FHNW setzt ein Werkzeug für eine klimaresiliente Wasserversorgung in Peru ein.
Wie lässt sich erkennen, wo in einer Stadt Wasser verloren geht, und wie können Wasserversorger besser auf die Folgen des Klimawandels reagieren? Antworten darauf liefert das Wasserflussdiagramm (Water Flow Diagram, WFD1), ein Analyseansatz zur transparenten Darstellung urbaner Wassersysteme. Forschende der Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS) setzen dieses Instrument gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) derzeit in Peru ein und passen es an die lokalen Gegebenheiten an. So können Schwachstellen in der Wasserversorgung sichtbar gemacht und Grundlagen für eine langfristig sichere Trinkwasserversorgung geschaffen werden.
Im Rahmen einer dreiwöchigen Fachmission arbeitete Patrik Eckert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe WASH von Dr. Maryna Peter am Institut für Ecopreneurship der HLS, mit Wasserversorgungsunternehmen, Behörden und Hochschulen in Lima, Tarapoto, Moyobamba und Cusco zusammen. Im Mittelpunkt standen die Einführung und Validierung des Wasserflussdiagramms. Dieses Visualisierungswerkzeug stellt Wasserflüsse in einer Stadt übersichtlich dar und zeigt auf, wo Wasser sinnvoll genutzt wird und wo Verluste oder Schwachstellen entstehen.


Ein Werkzeug für fundierte Entscheidungen
Anders als klassische Datentabellen macht das Wasserflussdiagramm komplexe Zusammenhänge auf einen Blick sichtbar. Es zeigt den Weg des Wassers – vom Niederschlag über Flüsse und Seen bis hin zur Nutzung in Haushalten, in der Landwirtschaft oder in der Industrie – und veranschaulicht gleichzeitig, wo Wasser verloren geht oder nicht nachhaltig genutzt wird. Damit erhalten Wasserversorger eine fundierte Grundlage, um Investitionen gezielt zu planen und ihre Infrastruktur an zukünftige Herausforderungen anzupassen.
Massgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Regionen
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Berücksichtigung regionaler Unterschiede. Während in der Amazonasregion rund um Tarapoto vor allem Starkregen und deren Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung analysiert werden, stehen in der Andenregion um Cusco die verschiedenen Wasserquellen und Speichersysteme im Fokus. Die Analysen werden durch Szenarien für Trocken- und Regenzeiten sowie Prognosen zu Bevölkerungswachstum, Tourismus und der zunehmenden Bodenversiegelung ergänzt. So lassen sich auch zukünftige Entwicklungen realistisch abschätzen.
«Das Wasserflussdiagramm hilft dabei, komplexe Wassersysteme verständlich darzustellen und fundierte Entscheidungen für eine nachhaltige Wasserversorgung zu treffen», sagt Patrik Eckert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der HLS.
Wissenschaft und Praxis arbeiten Hand in Hand
Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf die Praxis. Mit der Unterzeichnung eines Rahmenvertrags zwischen der HLS und der Universidad Nacional de San Martín (UNSM) wurde die Kooperation auch wissenschaftlich vertieft. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten entwickeln Studierende der peruanischen Universität das Wasserflussdiagramm gemeinsam weiter und wenden es direkt bei regionalen Wasserversorgern an.
«Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis schafft Lösungen, die unmittelbar vor Ort eingesetzt werden können und gleichzeitig langfristig Wirkung entfalten.»
Ein Beitrag zur klimaresilienten Wasserversorgung
Nach der erfolgreichen Erprobung bei den Wasserversorgern EMAPA San Martín, SEDACUSCO und EPS Moyobamba soll die Methodik künftig in den nationalen Wassermanagementplan Perus einfliessen. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag dazu, Städte widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und die Versorgung mit sauberem Trinkwasser langfristig zu sichern.
Projekt

Wassersicherheit in Perus Städten verbessern
- Institut
- Institut für Ecopreneurship
- Forschungsfeld
- Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH)

