Herstellung von rekombinanten Proteinen und Zellprodukten mit automatisierten und verknüpften Prozessen.
Rekombinante Proteine wie etwa Antikörper sind bis zu 1’000-mal grössere und kompliziertere Moleküle als klassische Arzneimittel wie etwa Aspirin. Neuartige Therapien deren verabreichte Produkte auf virale Vektoren, Exosomen oder auf modifizierte Zellen zurückgreifen, sind sogar noch um ein Vielfaches komplexer. Die Herstellung dieser grossen Moleküle und Zellprodukte ist dementsprechend schwierig, teuer und aufwendig.
Die Forschungsgruppe Bioprozesstechnik lehrt, entwickelt und optimiert solcher biopharmazeutischen Produktionsprozesse, um genügend Material und vor allem in der gewünschten Produktqualität herstellen zu können. Neue Technologien und Verfahrensansätze kommen ebenso zum Einsatz wie klassische Zellkulturen und Aufarbeitungsschritte, damit die gesamte Prozesskette von der initialen Zelllinie bis zum fertigen Produkt abgebildet werden kann. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf innovative Mess- und Regeltechnik gelegt um mit automatisierten und verknüpften Prozessen produktionsgerechte Lösungen entwickeln zu können.
Forschungsschwerpunkte
Proteinproduktion
Wir verfügen über umfassende Kenntnisse in der vor- und nachgelagerten Verarbeitung für die Proteinproduktion. Unsere „Plug-and-Play“-Expressionssysteme ermöglichen die unkomplizierte Produktion verschiedener Proteine sowohl in bakteriellen als auch in Säugetierzellen. Die BPT-Infrastruktur bietet vielseitige Produktionsmaßstäbe, deren Kapazitäten von Mikrotiterplatten für Screening-Anwendungen bis hin zu größeren Operationen von bis zu 100 Litern in der Pilotproduktion reichen. Wir haben Zugang zu verschiedenen Analyse- und Reinigungstechniken für die anschließende Reinigung und Analyse hochwertiger Produkte.
Herstellung viraler Vektoren
Adeno-assoziierte Viren (AAVs) bieten ein großes Potenzial als Transportvehikel für die Gentherapie. Die Herstellung therapeutischer AAVs ist komplex und erfordert viele Schritte, um zum Endprodukt zu gelangen: Plasmidproduktion und -reinigung, Zellvermehrung, Plasmidtransfektion und schließlich AAV-Produktion und -Reinigung.
Wir decken alle Schritte vom Plasmid zum Produkt für eine hochwertige AAV-Produktion ab. Wir produzieren und reinigen Plasmide mit unserer selbst entwickelten Plasmidplattform. Wir evaluieren verschiedene Bedingungen für die Plasmidtransfektion von Säugetierzellen, um die AAV-Ausbeute in Suspension zu erhöhen, optimieren die Produktionsbedingungen in Bioreaktoren und etablieren robuste und zuverlässige Reinigungsmethoden, um die produzierten AAV-Partikel später zu charakterisieren.
Kontinuierliche Biofabrikation
Steady-State-Perfusionsprozesse in Säugetierzellen stellen eine vielversprechende Alternative zu den derzeitigen Fed-Batch-Prozessen für die biopharmazeutische Produktion dar. Durch die kontinuierliche Zufuhr von Nährstoffen und die Entfernung von Abfallprodukten kann ein Steady State bei einem hohen VCD erreicht werden, was zu höheren Produktivitäten führt. Die Wirksamkeit rekombinanter therapeutischer Moleküle wird jedoch in hohem Maße von Qualitätsmerkmalen beeinflusst, wobei die Glykosylierung einer der kritischsten Faktoren ist.
Die Kontrolle des Qualitätsprofils von Biopharmazeutika während langfristiger Perfusionsprozesse kann eine Herausforderung darstellen. Angesichts der zunehmenden Zahl von Biosimilars, die aufgrund des Ablaufs von Patenten auf den Markt kommen, ist die Angleichung der Qualitätsmerkmale von Biosimilars an das Referenzarzneimittel für die biopharmazeutische Industrie von großem Interesse. An der FHNW evaluieren wir verschiedene Strategien zur Prozessintensivierung, um die Produktivität zu steigern, wobei wir einen starken Fokus auf deren Auswirkungen auf die Produktqualität legen.
Das Labor für Bioverfahrenstechnik ist mit mehreren perfusionsoptimierten Bioreaktorsystemen ausgestattet, die TFF- oder ATF-Zellrückhaltesysteme enthalten. Für eine genaue Prozessüberwachung stehen modernste Inline-Sensortechnologie sowie At-Line-Analysegeräte einschließlich eines Autosampler-Systems zur Verfügung. Darüber hinaus wird die neueste PAT-Technologie wie die Raman-Spektroskopie eingesetzt, um Echtzeitinformationen über Bioprozesse zu erhalten.
Prozessanalytische Technologie
Seit ihrer Einführung durch die FDA im Jahr 2004 steht die Prozessanalysetechnologie (PAT) im Mittelpunkt der Prozesse in der biopharmazeutischen Industrie und ermöglicht eine verbesserte Kontrolle und ein besseres Verständnis der Produktionsabläufe. Durch zeitnahe Messungen kritischer Qualitätsmerkmale (CQA) online, at-line und offline, ohne den Prozess zu stören, ermöglicht PAT eine Qualitätssicherung in Echtzeit. Sie umfasst eine Vielzahl von Techniken wie Spektroskopie, Chromatographie sowie Chemometrie. Das ultimative Ziel von PAT ist es, ein so hohes Maß an Prozesskontrolle zu erreichen, dass die Konformität des Endprodukts und schließlich die Freigabeprüfung in Echtzeit (RTRT) gewährleistet sind.
PAT-Techniken umfassen klassische Analysegeräte, Online-Sensoren und Datenanalysealgorithmen und nutzen sowohl Infrarot- als auch Ramanspektroskopie. Bei der Online-Anwendung in Fermentationen wie der Perfusionszellkultur werden verschiedene Medienkomponenten vorhergesagt, die sich auf die Produktqualität auswirken.
Prozessmodellierung und maschinelles Lernen
Wir sind Vorreiter bei der Entwicklung fortschrittlicher Techniken zur Verwaltung und Interpretation biotechnologischer Daten. Unsere Mission ist es, modernste Methoden für folgende Bereiche zu entwickeln:
- Datenbearbeitung: Verbesserung der Extraktion, Transformation und Verarbeitung komplexer biotechnologischer Daten.
- Prozessmodellierung: Entwicklung detaillierter und genauer Modelle, die komplexe biologische Prozesse abbilden.
- Simulation und Vorhersage: Verwendung von Modellen zur Simulation von Prozessen, zur Vorhersage von Ergebnissen und zum Verständnis potenzieller Szenarien.
- Optimierung: Verbesserung der Effizienz und Effektivität von Prozessen durch ausgefeilte Optimierungstechniken.
Derzeit liegt unser Hauptaugenmerk auf Upstream-Prozessen, zu denen die ersten Phasen der biotechnologischen Produktion gehören, wie beispielsweise die Herstellung von monoklonalen Antikörpern (mABs) und Adeno-assoziierten Viren (AAV) Kapseln unter Verwendung von Perfusionsprozessen. Durch die Nutzung unserer Expertise in den Bereichen maschinelles Lernen und computergestützte Modellierung möchten wir Innovationen vorantreiben und modernste Lösungen anbieten, die den besonderen Herausforderungen der Upstream-Bioprozessierung gerecht werden.
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Prof. Dr. Thomas Villiger
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