Handwaschsysteme, die Wasser für Notfälle recyceln.
In vielen Flüchtlingslagern, Krankenhäusern und Schulen in Entwicklungsländern steht in der Nähe von Toiletten oder Koch- und Essbereichen kein Trinkwasser zur Verfügung. Die Wasserhähne sind entweder defekt oder gar nicht vorhanden unddie Wassertanks sind leer. Oder das knappe Trinkwasser soll nicht zum Händewaschen „verschwendet” werden. Doch schmutzige Hände bedeuten die Verbreitung von Krankheiten wie Cholera und Typhus, insbesondere an kritischen Orten wie Krankenhäusern und Flüchtlingslagern während humanitärer Notfälle.
Wir entwickeln deshalb autonome und benutzerfreundliche Systeme zur Wiederaufbereitung von Wasser für die Handwäsche, die ausschliesslich mit Schwerkraft funktionieren. Die Schwerkraft-Membranfiltration (GDM) ist eine neuartige Technologie zur Wasserdesinfektion mit dem Potenzial, viele Einschränkungen bestehender Systeme zu überwinden. Das Kernelement des Filters ist eine Membran mit einer Porengrösse von 20 bis 40 Nanometern. Wenn sich auf der Membran ein Biofilm bildet, stabilisiert sich der Wasserfluss bei 4 bis 10 Litern pro Stunde und Quadratmeter Membranfläche, und die Filter verstopfen nicht. GDM-Systeme können selbst bei sehr trübem Wasser acht bis zehn Jahre lang betrieben werden und erfordern keine Rückspülung, Reinigung oder Strom. Die Filter entfernen alle Arten von pathogenen Mikroorganismen, einschliesslich Viren, Bakterien und Protozoen.
Aufgrund ihrer einfachen Bedienung und Unabhängigkeit von externen Inputs wie Ersatzteilen, Chemikalien oder Strom können sie in abgelegenen Gebieten installiert und von lokalen Gemeinden verwaltet werden. Das System wird einmalig befüllt. Das Wasser wird zum Händewaschen verwendet und mittels Membranfiltration werden pathogene Mikroorganismen entfernt. Die Benutzer betätigen eine manuelle Fusspumpe, um das aufbereitete Wasser zurück zum Wasserhahn zu befördern. Das Nachfüllen ist nur einmal im Monat erforderlich, wodurch sich der Zeitaufwand für die Wartung der Systeme minimiert. Das Gravit`eau-Händewaschsystem trägt dazu bei, eine Wasserquelle ausschliesslich für das Händewaschen bereitzustellen und Trinkwasser für den Verzehr zu sparen. Dies ist besonders in Notfällen in wasserarmen Gebieten von Bedeutung.
Terre des hommes führte Feldtests der Systeme in kinderfreundlichen Räumen in einem Flüchtlingslager im Norden Nigerias durch, Cesvi in Gesundheitszentren in Gemeinden in den besetzten palästinensischen Gebieten von 2018 bis 2019. Dies basierte auf den bisherigen Erfolgen von Tests zur dezentralen Wasseraufbereitung in Schulen und Gemeinden in Uganda (2014–2019). In den Distrikten Busia und Namayingo in Uganda, am Ufer des Viktoriasees, wurden fünf GDM-Wasserkioske errichtet und betrieben. Das Institut für Ökopreneurship, Eawag (Sandec) und Africa Water Solutions haben die technische Leistungsfähigkeit, Akzeptanz und Nachhaltigkeit der Systeme evaluiert.
Jeder Wasserkiosk liefert bis zu 6 000 Liter Wasser pro Tag. Das System entnimmt das Wasser aus dem See und pumpt es mithilfe von Solarpumpen an Schulen, die bis zu zwei Kilometer vom See entfernt liegen, weiter. In der Schule wird das Wasser aufbereitet und den Schulkindern kostenlos zur Verfügung gestellt. An die Gemeinde verkauft das Projekt das Wasser gegen eine Abonnementgebühr von einem Schweizerfranken pro Monat oder zu einem Preis von 0,015 Cent pro Kanister. Die durch den Wasserverkauf erzielten Einnahmen verwendet das Projekt für Betriebs- und Wartungsarbeiten, um die langfristige Nachhaltigkeit des Systems zu gewährleisten.
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Story

Ein systemischer Ansatz für sicheres Wasser
Projektdetails
- Typ
- Forschungsprojekt
- Forschungsfeld
- Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH)
- Hochschule/Institut
- Hochschule für Life Sciences FHNW / Institut für Ecopreneurship
- Förderung
2018-2019: Terre des hommes, Swiss Solidarity, Unicef, Cesvi, Gravit`eau Association. 2014-2019: Symphasis Foundation, Clean Water Foundation, Swiss Bluetec Bridge, Eawag.- Laufzeit
- 2018-2019 und 2014-2019
Kontakt

Dr. Maryna Peter
- Telefon
- +41 61 228 57 92
- maryna.peter@fhnw.ch