Skip to main content

29.07.2019 |

Brücken bauen mit Computerspielen

Computerspiele können die soziale Interaktion zwischen jungen und betagten Menschen unterstützen und so zwischen den Generationen vermitteln. Wie solche Computerspiele gestaltet sein müssen, will die Strategische Initiative der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW «Myosotis-Garden» klären.

Myosotis ist der botanische Name der Blume «Vergissmeinnicht». Myosotis-Garden hilft denn auch, dass betagte Menschen in Altersheimen nicht vergessen gehen. Angehörige erhalten eine sinnvolle und unterhaltsame Tätigkeit für den nächsten Besuch. Die Myosotis-Spiele regen zu Gesprächen an und fokussieren auf die Stärken der betagten Menschen, wie beispielsweise Lebenserfahrung oder Wissen aus alten Zeiten. Körperliche oder geistige Einschränkungen treten in den Hintergrund.

Praxisnah und in einem partizipativen Prozess werden gemeinsam mit betagten Menschen neue Konzepte für die Spiele entwickelt. Daran beteiligt sind Forschende der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW aus Psychologie, Kunst und Gestaltung, Musik und Technik, verschiedene Alters- und Pflegeheime im Raum Nordwestschweiz sowie als Ideengeberin und Anwendungspartnerin die Berner Fabelfabrik GmbH. Alle Beteiligten tragen jeweils mit spezifischem Fachwissen zur Entwicklung der Spiele bei. Dies funktioniert aber nur dank der offenen Grundhaltung der involvierten Personen sowie vieler Absprachen und persönlicher Treffen. Interessanterweise lässt sich seit kurzem eine Annäherung zwischen den Disziplinen beobachten.

Das Fondue regt zum Diskutieren an

So wurde bereits 2018 gemeinsam das Fondue-Spiel entwickelt. Auf einem grossen Tablet können verschiedene Zutaten für ein Fondue gesammelt werden. Je nach Spielmodus kocht man ein gemeinsames Lieblingsfondue, versucht zusammen möglichst schnell alle Zutaten für ein vorgegebenes Fondue einzusammeln oder kocht gegeneinander je ein eigenes Fondue. Das Thema Essen eignet sich generell gut, um Gespräche anzuregen. So entstehen unterhaltsame Diskussionen über was ein gelungenes Fondue ist, Rezepte können ausgetauscht und spannende Geschichten aus dem Leben erzählt werden.

Die drei Fondue-Spielmodi werden im Moment in einer wissenschaftlichen Feldstudie im «Träffpunkt Ruttiger» bei Olten untersucht. Mittels Videoaufnahmen wird analysiert, wie sich das Spiel auf die soziale Interaktion auswirkt. Wann wird gelacht? Wann wird gesprochen? Worüber wird gesprochen? Erste Ergebnisse zeigen, dass das Konzept funktioniert: Es wird viel gelacht und diskutiert. Das Fondue-Spiel wurde aber auch in anderen Kontexten mit unterschiedlichen Zielgruppen getestet. Mittels teilnehmender Beobachtung beim gemeinsamen Spiel im privaten Zimmer, beim Spiel in Gruppen in der Cafeteria oder beim öffentlichen Spieltest an den SBB Sandbox Days im HB Zürich konnte das «Myosotis-Team» wichtige Erfahrungen für die weitere Spielentwicklung sammeln.

Welche Spielart löst Emotionen aus und weckt Erinnerungen?

Dieses Wissen fliesst laufend in die Experimentalphase des Projekts ein, welche von Anfang 2019 bis Ende September 2019 dauert. Dabei werden verschiedene kleinere Spielprototypen erstellt, um Detailfragen zu klären. Welche Kontrollmechanismen auf einem Tablet eignen sich für betagte Menschen? Was fördert das Zusammenspiel? Welche inhaltlichen Themen beschäftigen betagte Menschen und können in einem Spiel Emotionen auslösen sowie Erinnerungen wecken? Welche grafische Umsetzung gefällt der Zielgruppe?

Ab September wird dann, aufbauend auf den Erfahrungen der beiden ersten Projektphasen, bis Ende 2020 ein weiteres, umfangreicheres Spiel entwickelt. Daneben werden die Erfahrungen in einem Best-Practice-Guide zusammengefasst und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Auf dass es einmal viele attraktive Spiele geben wird, um die Generationen miteinander zu verbinden.

Operatives_team_Myosotis_Web.JPG

Das operative Team von Myosotis-Garden: v.l.n.r.: Magdalena Mateescu, David Leisner, Thomas Resch, Maja Riegler, Markus Recher, Adam Coyle, nicht abgebildet: Mario Niederhauser

Hintergrund

Im Rahmen des strategischen Entwicklungsschwerpunkts «Die Kompetenz zur interdisziplinären Zusammenarbeit stärken» erarbeitet die FHNW mittels sechs «Strategischer Initiativen» zukunftsweisende Lösungsbeiträge für drängende gesellschaftliche Probleme. Bei der Strategischen Initiative «Myosotis-Garden» entwickeln und erforschen die vier Hochschulen der FHNW für Angewandte Psychologie, Gestaltung und Kunst, Technik und Musik Computer-Spiele für betagte Menschen und ihre Angehörigen.

Diese Seite teilen: