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30.10.2020 | Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik

Erzähl mal... Patrick Mettler

Seit Herbstsemester 2020/2021 ist Patrick Mettler Präsident der Fachschaft der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW. Der Geomatik-Student ist viel gereist und kennt die Tücken einer Vermessung in Australien sowie Chancen des Distance Learning. Erzähl mal…

Patrick Mettler_Teaser.jpgIch bin zu diesem Amt gekommen, weil es mich interessiert, hinter die Kulissen zu sehen und zu erfahren, was zum Beispiel die Hochschulleitung diskutiert und beschliesst. Hinter die Dinge schauen zu können, ist etwas, das mich grundsätzlich beschäftigt - deshalb habe ich auch mein Studium gewählt. Ich bin Bachelorstudent in Geomatik im dritten Semester. Derzeit sind wir Studierenden mit der Umstellung auf Distance Learning schon stark gefordert. Für manche bringt es auch Vorteile: Mein Anreiseweg von etwas mehr als zwei Stunden aus meinem Wohnort Graubünden entfällt nun. Mit der Umstellung auf Distance Learning sitze ich mehr oder weniger den ganzen Tag im gleichen Raum, es gibt keine örtliche Verschiebung (und damit auch Trennung!) mehr zwischen Vorlesung, Lernen und Gruppenarbeiten.

Studieren ohne Campus…

Der Austausch mit anderen Studierenden und den Dozierenden ist natürlich auch anders geworden. Prof. Dennis Jordan ist zum Beispiel im Mathematik-Präsenzunterricht jeweils individuell auf den jeweiligen Wissenstand der Studierenden eingegangen und hat einzelne Aufgaben nochmals erklärt – mit Distance Learning ist das nicht mehr im gleichen Mass möglich. Wir Studierenden sehen uns schon noch, manche von uns wohnen ja sogar zusammen, man kennt sich, teilweise auch schon von der Berufsschule oder vom gemeinsamen Arbeiten vor dem Studium. Das ist auch etwas, das ich sehr schätze an meinem Studium, es ist sehr familiär und kollegial. Diesen Austausch vermisse ich derzeit. Das Studium ist für jede und jeden von uns anders geworden und da gibt es auch gross Unterschiede: Manche arbeiten von der Küche aus, andere haben ein zweites Zimmer welches als Büro fungiert, manche müssen sich das Homeoffice mit ihren Eltern teilen. Der Campus fehlt daher schon auch als Ort des Austausches und des ungestörten Lernens.

…dafür mit Project-Based-Learning

Gruppenarbeiten sind jetzt auch etwas schwieriger geworden, wir treffen uns nun meist bei jemandem zuhause oder mit Maske vor Ort am Campus. Im Rahmen des Project-Based-Learning1 treffe ich mich derzeit in einer Vierergruppe. Wir erarbeiten in sieben Gruppen Inhalte der vorgegebenen Lernziele. Dazu gibt es Sprints, also Blöcke von drei bis vier Wochen, in denen diese umgesetzt werden. Zum Semesterende stellen wir dann die Schlussergebnisse vor. Die praktischen Messarbeiten für das Projekt haben wir zum Glück schon abgeschlossen, das wäre jetzt aufgrund der steigenden Zahlen an Covid-19-Erkrankten wohl schon nicht mehr möglich, man steht da ja direkt nebeneinander.

Geomatik-Studierende bei einer Vermessung

Ich finde es gut, dass es solche neuen Unterrichtsformen gibt, in welchen sich auch die Dozierenden mit uns in einen Lernprozess begeben. Wir profitieren von ihren Fachinputs per Livestream. Die Coachings und Übungen zu den Inputs machen wir vor Ort und via Chats können wir jederzeit Fragen stellen. Das hier ist mein drittes Semester an der FHNW: beim ersten habe ich ganz normal am Campus in Muttenz studiert, beim zweiten Semester im Frühling starteten wir vor Ort und waren dann aufgrund der Massnahmen zur Eindämmung des neuen Coronavirus nur noch im Distance Learning, dieses Semester (Herbstsemester 2020/2021) findet derzeit hybrid statt. Was ich spannend finde – wir sind die ersten Studierenden, die diese Erfahrungen machen. Früher haben wir privat gechattet, jetzt diskutieren wir über Inhalte von Schlussarbeiten und Projekte.

Geomatik-Studierende berichten: Studium, Arbeit, Freizeit und Sport in Zeiten von Corona

Gemäss neustem Entscheid des Bundesrates findet der Unterricht an der FHNW ab dem 2.11. erneut grundsätzlich virtuell statt. Im Blog unseres Instituts Geomatik erzählen weitere Studierende, wie sie das Distance-Learning erleben.

Link zum Blog des Instituts Geomatik

Mit reichlich Praxiserfahrung ins Bachelor-Studium

Wir können aber froh sein, dass uns diese Herausforderungen im 2020 ereilen – vor zehn oder mehr Jahren wären wir technologisch bestimmt noch nicht soweit gewesen. Ich habe vor elf Jahren (2009) meine Lehre als Geomatiker abgeschlossen und bin der zweitälteste in diesem Studiengang. Manche Studienkolleginnen und -kollegen sind zehn Jahre jünger als ich. Ich merke das schon, man hat andere Themen, ich brauche keine sozialen Medien wie Instagram oder Snapchat, bin im Gegensatz zu meinen Mitstudierenden bereits verheiratet und um elf Uhr abends oft müde. Ich habe nach der Lehre gearbeitet, war fast ein Jahr lang auf Reisen in der Südsee, in Australien und Neuseeland. Ich wollte mehr wissen, hatte aber noch keine Motivation für ein Studium und daher den Fachausweis als Geomatiktechniker FA (Fachausweis) gemacht. Während dieser Ausbildung hatte ich auch das Modul «Erfassungstechnik», welches an der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW unterrichtet wurde. So habe ich mehr über das Geomatik-Studium erfahren und mich schliesslich dafür entschieden. Die ersten Wochen im Studium waren hart: Ich war mir nicht mehr gewohnt, so lange zuzuhören und aufzunehmen. Meine praktische Erfahrung ist aber ein Pluspunkt, ich habe mehr das «Gespüri» als solche, die noch nie eigene Projekte hatten.

Geomatik im internationalen Vergleich

Vor dem Studium habe ich für die Firma SITECH gearbeitet, die mir Vermessungsgeräten für Baustellen handelt, und hatte dort Kontakt mit Händlern aus verschiedenen Ländern. Einmal konnte ich sogar die grosse internationale Messe «Trimble Dimension» in Las Vegas besuchen. Da habe ich gemerkt, dass für die Schweiz grosse Baustellen im internationalen Vergleich meist relativ klein sind: zum Beispiel Strassenabschnitte, wo in kurzen Etappen gearbeitet wird und das über eine lange Zeit. In anderen Ländern setzen sie riesige Infrastruktur-Projekte anders um, so haben sie zum Beispiel in Australien eine achtspurige Autobahn über hundert Kilometern direkt neben der Bestehenden gebaut oder im mittleren Osten gibt es Baustellen mit über tausend Mitarbeitenden.

Die Bedingungen sind aber auch anders: in Australien kann man zum Beispiel auch ohne Lehre – dieses Modell gibt es dort nicht in der gleichen Qualität wie hier – oder ohne Studium in der Vermessung arbeiten. Wir in der Schweiz haben überall Internet und können fast überall mit RTK2 arbeiten. In anderen Ländern ist es nicht so flächendeckend, weil es kein Internet gibt oder dieses instabil ist. In Australien sind die räumlichen Dimensionen auch prägend, das Land ist so gross, dass teilweise die Referenzpunkte für eine Vermessung fehlen und mit GNSS gemessen werden müssen. Nach meinem Studium würde ich gerne dort arbeiten, da meine Frau Australierin ist. Mein Bachelorstudium ermöglicht mir das, es ist ja ein international anerkannter Abschluss. Cool wäre eine Stelle bei Google Maps oder einem grossen Hersteller wie Trimble, Leica oder ESRI. Drückt mir die Daumen!

1 Anm. d. Red.: Die Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW setzt seit ein paar Jahren verstärkt auf projektbasiertes Lernen. Ausgangspunkt des Lernprozesses ist eine komplexe, realitätsnahe und subjektiv bedeutsame Problemstellung, die der berufsfeldbezogenen Praxis entliehen wird.

2 Anm. d. Red.: Real Time Kinematic, ein Verfahren der Geodäsie zum Messen oder Abstecken von Punkten mit Hilfe satellitengestützter Navigationssysteme

Fachschaft

Die studentische Vertretung students.fhnw besteht aus Studenten aller Fachschaften der FHNW. Diese sind an jeder der neun Hochschulen vertreten. Zusätzlich hat jede Fachschaft einen gewählten Präsidenten im students-Rat, welcher die einzelnen Standortorganisationen betreut und gegenüber der Hochschulleitung vertritt.

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Weitere Stories

In der Reihe «Erzähl mal…» geben Mitarbeitende und Studierende der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW Einblicke in Projekte, Themen oder Gremien, die ihnen am Herz liegen. Bisher haben die folgenden Personen erzählt:

  • Natalie Lack, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin des Instituts Geomatik
  • Ruedi Hofer, Direktor der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik
  • Annette Helle, Leiterin des Instituts Architektur
  • Christina Klausener, Leiterin Marketing und Kommunikation der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik
  • Wissam Wahbeh, Leiter des Fachbereichs BIM Modellierungstechnologien des Instituts Digitales Bauen
  • Achim Geissler, Dozent für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen des Instituts Energie am Bau
  • Shadi Rahbaran & Ursula Hürzeler, Professorinnen für Entwurf und Konstruktion am Institut Architektur
  • Stefan Waldhauser, Dozent für Haustechnik am Institut Architektur

Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik Hofackerstrasse 30 4132 Muttenz
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