Im Schweizer Forschungsmagazin Horizonte berichten Forscher:innen über die Arbeit an den Grundlagen ihrer Disziplinen – so auch Prof. Dr. Dorothée King, Leiterin des Institute Arts and Design Education (IADE) der HGK Basel über ihre Duftforschung.
Manchmal führt das Tüfteln an einer originellen Idee bis zum Nobelpreis. Manchmal treibt die Neugier einfach weiter. Im Schweizer Forschungsmagazin Horizonte rütteln acht Forscher:innen am Fundament. Sie berichten über die Arbeit an den Grundlagen ihrer Disziplinen.
Prof. Dr. Dorothée King, Leiterin des Institute Arts and Design Education (IADE) der HGK Basel stellt in diesem Zusammenhang ihre Forschungarbeit mit dem Titel «The Smell of Switzerland» zu olfaktorischen Wahrnehmungen in der Schweiz vor.
Welche Düfte verbinden Sie mit der Schweiz? Das scheint zunächst eine kuriose Forschungsfrage. Wem soll das etwas bringen? Wohl uns allen, stellt sich heraus. Denn Gerüche sind mächtig. «Wir speichern sie lange, und sie sind stark mit Gefühlen verbunden», erklärt Dorothée King, Professorin für Kunst- und Designvermittlung an der HGK Basel. Sie befasst sich seit 20 Jahren mit olfaktorischen Wahrnehmungen. Zurzeit untersucht sie, wie diese verbunden sind mit dem Gefühl von Zugehörigkeit zu Gesellschaftsstrukturen.
So durchforstete Dorothée King etwa Zeitungsartikel aus den 1970er-Jahren bis heute auf Aussagen über Fahrende. «Dabei wurde häufig das Geruchsempfinden genutzt, um eine Abneigung auszudrücken und zu begründen », sagt Dorothée King. Zitate aus der Bevölkerung gingen in die Richtung: Sie stinken, darum wollen wir sie nicht in unserer Nähe haben. «Dahinter verbergen sich Ausgrenzungsmechanismen, verbalisiert wurde aber der Geruch.» Ähnliches spielte sich laut Dorothée King auch bei den ersten Gastarbeitenden aus Italien und Spanien und dem Duft nach Knoblauch ab – den man damals in der Schweiz noch kaum kannte.
Dorothée King befragte rund 100 Personen. Diejenigen, die schon lange in der Schweiz wohnen, nannten häufig Heu, Bergwiese, Käse, Kuhmist. «Ich kann mir vorstellen, dass dies Gerüche aus der Kindheit sind, die durch wiederkehrende stereotypische Darstellungen verstärkt wurden», sagt Dorothée King. Dagegen riecht die Schweiz für Menschen, die eingewandert sind, fast gar nicht. Sauber, neutral, nach nichts – so lauten die häufigsten Antworten.
Urteil oder Vorurteil? Schwer zu sagen. Dorothée Kings Befragungen zeigten aber auch: Wer für die eigenen Geruchserinnerungen und -vorurteile sensibilisiert ist und sich mit ihnen auseinandersetzt, kann diese quasi neu kodieren – und sich von ihnen lösen. Ähnlich wie es beim Knoblauch passiert ist: Die mediterrane Küche mit ihren typischen Düften ist inzwischen positiv konnotiert.

