Im Rahmen der 91. Ausgabe von Terrain, dem Veranstaltungsformat des Institute Arts and Design Education (IADE) der HGK Basel, referiert am 16. November 2026 Julia Allerstorfer-Hertel über post- und dekoloniale Perspektiven in der Kunstgeschichte.
Im Rahmen der 91. Ausgabe von Terrain, dem Veranstaltungsformat des Institute Arts and Design Education (IADE) der HGK Basel, und im Rahmen der aktuellen Ringvorlesung «Kunst- und Designpädagogik» des IADE referiert am Montag, 16. November 2026, von 18.15 bis 19.45 Uhr Julia Allerstorfer-Hertel online unter dem Titel «Unlearning The Canon» über post- und dekoloniale Perspektiven in der Kunstgeschichte.
Die Disziplin der Kunstgeschichte ist bis in die Gegenwart mit eurozentrischen Begriffen, Methoden sowie Ordnungs-, Klassifizierungs- und Bewertungssystemen verknüpft. Wie die Kunstgeschichtsschreibung ist auch der kunsthistorische Kanon nach wie vor weiss und männlich geprägt. Auf Basis dieser Ungleichheitsstrukturen wurden weibliche Kreativität, Künstler:innen of Color oder indigene Künste und Wissensformen ausserhalb Europas systematisch marginalisiert, exotisiert und diskriminiert.
Vor diesen problematischen Hintergründen stellt sich die Frage nach produktiven Ansätzen in der kunsthistorischen Forschung, der universitären Lehre und der Kunstvermittlung. Der durch post- und dekoloniale Theoretiker:innen geprägte Ansatz des Unlearning zielt darauf ab, hegemoniale Wissensregime und (neo)koloniale Hierarchien offenzulegen und radikal in Frage zu stellen, um zu deren Überwindung beizutragen und Räume für inklusive Perspektiven und Partizipation zu schaffen.
Im Vortrag werden grundlegende Positionen der post- und dekolonialen Theorien vorgestellt und deren Relevanz im Feld der Kunstgeschichte diskutiert. Mit einem Blick auf Künstler:innen der globalen Moderne und Gegenwartskunst aus nicht-westlichen Kontexten stehen anti-, post- und dekoloniale Praktiken und unterschiedliche Verhandlungsweisen der westlichen Moderne im Fokus. Der kritische Umgang mit Masternarrativen und der Kanonbildung sowie die Etablierung von eigenständigen Positionen verweisen auf Verflechtungsgeschichten und regen für Möglichkeiten des Verlernens von dominanten Geschichtsschreibungen und Wissensordnungen an.
Julia Allerstorfer-Hertel studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und forschte bereits früh zu zeitgenössischer iranischer Kunst. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Teheran schloss sie 2005 ihre Magisterarbeit zu Shadi Ghadirian ab. Anschliessend arbeitete sie mehrere Jahre im Kunsthandel und kuratierte Ausstellungen. 2014 promovierte sie an der Katholischen Privat-Universität Linz mit einer Dissertation zu künstlerischen Selbstinszenierungen in der iranischen Videokunst, die 2018 publiziert wurde.
Neben einem Lehramtsstudium für Deutsch und Bildnerische Erziehung war sie von 2013 bis 2025 als Assistenzprofessorin an der Katholischen Privat-Universität Linz tätig. Weitere Lehrtätigkeiten führten sie an die Universitäten Graz und Innsbruck. Derzeit arbeitet sie an einem Habilitationsprojekt zu postkolonialen Perspektiven in Kunst und Kunstgeschichte sowie an einem Forschungsprojekt zur Missionsfotografie in Afrika.
Eckdaten
- Veranstaltet durch
- Institute Art and Design Education (IADE)
- Durchführungen
- 16.11.2026, 18:15–19:45 Uhr, online
Teilnehmen
Terrain 091: Julia Allerstorfer-Hertel über postkoloniale Perspektiven in der Kunstgeschichte
- Datum
- 16.11.2026, 18:15–19:45 Uhr
- Ort
- online
