Alumnus Micha Wehrli über KI-Forschung, dänische „Hygge“ und die Chancen eines Auslandsaufenthalts.
Das Studium an der Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS) legt oft den Grundstein für Karrieren, die weit über die Landesgrenzen hinausreichen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist Micha Wehrli, ehemaliger Student der HLS und heute PhD-Kandidat im Bereich der Ökotoxikologie. In einer grossen Kollaboration zwischen der Eawag, der FHNW, dem Oekotoxzentrum und der Universität Aarhus (Dänemark) erforscht er eines der drängendsten Themen unserer Zeit: Wie beeinflusst der Klimawandel die Giftigkeit von Pestizidmischungen für Bodenorganismen?
Mut wird belohnt: Die Brücke nach Dänemark
Dass aktuell Ann-Sofie Aust, Bachelorstudentin in Umweltwissenschaften und Technologie, sowie Dominik Züger, Masterstudent in Bioanalytik, ihre Abschlussarbeiten im „Climate Stress Lab“ in Aarhus schreiben können, ist kein Zufall, sondern Wehrlis Initiative zu verdanken. Er selbst weiss, wie prägend solche Erfahrungen sind.
Dabei betont er, wie entscheidend das Umfeld an der Hochschule ist: „Dass Dozierende an der HLS sich aktiv einsetzen und Türen öffnen, wenn man anklopft, ist keine Selbstverständlichkeit.“ In Aarhus angekommen, erwartet die Studierenden eine ganz andere Arbeitskultur: Ein Hauch von „Hygge“ im Laboralltag. „Wir machen hier qualitativ hochwertige Kaffeepausen und jeden Freitag bringt jemand Frühstück für das ganze Team mit. Diese Gemeinschaft werde ich sicher vermissen“, so Wehrli.
Innovation durch Vernetzung: COLLEMBOT
Wie fruchtbar diese Vernetzung ist, zeigt das Projekt COLLEMBOT – ein KI-gestütztes Zählsystem für Springschwänze, das gemeinsam mit dem Institut Geomatik der FHNW entwickelt wurde. Früher war die Arbeit mit den winzigen Bodenbewohnern reine Geduldssache: „Es kam schon mal vor, dass beim Augenzumachen nach stundenlangem manuellem Zählen noch der eine oder andere Springschwanz im Kopf vorbeigezogen ist“, erinnert sich Wehrli lachend. Heute fasziniert ihn das Gewusel unter unseren Füssen mehr denn je: „Ein Quadratmeter Waldboden kann Tausende dieser Tiere beherbergen. Die meisten Menschen laufen ihr Leben lang darüber hinweg, ohne es zu ahnen.“
Ein Plädoyer für den Blick über den Tellerrand
Was Wehrlis Geschichte so besonders macht, ist seine persönliche Motivation. Er beschreibt sich selbst rückblickend nicht als „Vorzeigeschüler“:
„Die HLS war ein Türöffner für mich. Ich möchte weitergeben, dass man kein Musterschüler sein muss, um eine Abschlussarbeit oder sogar einen PhD im Ausland zu schreiben.“
Für ihn liegt der Schlüssel zum Erfolg im Engagement – und zwar auch über die Pflichtaufgaben hinaus: „Egal ob auf beruflicher Ebene, in einem lokalen Verein oder in einer Community: Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, sich einzubringen und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.“ Sein Engagement führte ihn bis auf die grosse Bühne: In diesem Jahr wurde er eingeladen, die Eröffnungsrede der SETAC Europe Annual Conference in Maastricht vor tausenden Wissenschaftlern mitzugestalten. Doch egal wie weit ihn die Forschung trägt, die Verbindung zur Heimat bleibt stark: „Einen Sommertag am Rheinufer, auf dem Weidling oder schwimmend im Rhein – das vermisse ich als Basler wirklich sehr.“
Die Brücke bleibt bestehen
Für die Zukunft sind bereits neue Projekte zwischen Muttenz und Aarhus geplant – von Massenspektrometrie bis hin zu Global Proteomics. Micha Wehrlis Botschaft an alle HLS-Studierenden ist klar:
„Die Brücke bleibt bestehen. Falls jemand Interesse hat, etwas in diesem Gebiet zu machen: Meldet euch ungeniert!“

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