Vom Laboranten zum FHNW-Mitarbeiter in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit: Im Interview erzählt Pravin Ganesanandamoorthy, Absolvent der Hochschule für Life Sciences FHNW, wie ein Double Degree an der University of Chemistry and Technology in Prag und seine Masterarbeit in Tadschikistan nicht nur seine Karriere prägten, sondern auch sein Leben nachhaltig veränderten.
Du hast an der Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS) deinen Master in Umwelttechnologien gemacht und dich damals für ein Double Degree sowie eine Masterarbeit im Ausland entschieden. Was hat dich dazu motiviert, diesen Schritt zu wagen?
Da kamen mehrere Dinge zusammen. Akademisch gesehen ist ein Double Degree eine riesige Chance: Man holt sich neben dem Fachhochschul-Master auch direkt einen Universitätsabschluss. Das öffnet extrem viele Türen in der Wissenschaft – zum Beispiel, falls man promovieren möchte (ich habe mich dann aber doch dagegen entschieden). Ausserdem erweitert man sein Netzwerk enorm.
Die noch grössere Motivation war aber persönlicher Natur: Ich wollte raus aus meiner Komfortzone, an einem neuen Ort leben und persönlich wachsen. Man lernt neue Menschen, Kulturen und die Kulinarik kennen. Und für mich als Bierliebhaber war Prag da einfach die perfekte Wahl!
Und wie kam es dazu, dass du deine Masterarbeit ausgerechnet in Tadschikistan geschrieben hast?
Ich wollte schon lange in der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Wasser- und Abwassermanagement Fuss fassen. In der Schweiz zu studieren und diesen hohen Bildungsstandard zu geniessen, ist ein riesiges Privileg und nicht für alle Menschen selbstverständlich. Der Fortschritt, den wir geniessen, beruht zu einem Teil auch auf Kosten anderer Länder und deren Ressourcen. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, technischen Fortschritt und Wissen weiterzugeben und etwas "zurückzugeben" – auch wenn es bezüglich dieses strukturellen Problems nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein ist. Auf persönlicher Ebene war es ein absolutes Abenteuer: Ich ging in ein Land, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte.
Das klingt nach einer intensiven Zeit. Welche Erfahrung ist dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben?
Definitiv die Reise nach Tadschikistan und die Arbeit mit der lokalen Bevölkerung. Das war auf allen Ebenen – kulturell, beruflich und menschlich – eine unglaubliche Bereicherung. Ich durfte herzliche und offene Menschen mit enormem Wissen kennenlernen. Aus dieser Zeit sind tiefe Freundschaften entstanden. Diese Erfahrung hat mich so nachhaltig geprägt, dass ich bis heute jedes Jahr nach Tadschikistan reise, um meine Freunde zu besuchen und Projekte zu unterstützen.
Eine prägende Zeit! Nach deinem Abschluss bist du nicht in der Wirtschaft gelandet, sondern als fester Mitarbeiter an der FHNW geblieben. Wie hat sich dieser Übergang ergeben?
Dass ich diesen Schritt machen konnte, verdanke ich meiner Betreuerin Dr. Maryna Peter, Arbeitsgruppenleiterin und Dozentin WASH im Institut für Ecopreneurship der HLS. Sie hat mich enorm unterstützt, in der internationalen Zusammenarbeit Fuss zu fassen. Mein Background als Laborant und meine Erfahrung im Abwasserbereich waren für die Umsetzung sicher hilfreich. Aber ohne ihre Rückendeckung wäre das nicht so einfach gewesen – vor allem, wenn man bedenkt, wie viel Fördergelder in der Forschung zurzeit gekürzt werden.
Du bist bei deiner heutigen Arbeit an der FHNW immer noch viel in internationale Projekte eingebunden. Inwiefern helfen dir die Erfahrungen aus deinen Auslandsaufenthalten dabei?
Ich habe gelernt, schnell zu improvisieren und Dinge einfach mal anzupacken – selbst wenn noch nicht alle Informationen da sind. In Tadschikistan habe ich extrem viel Kreativität gelernt, statt mich nur auf Standardmethoden zu verlassen. Und auch die lokale Bevölkerung hat mir viel über alternative Methoden zur Fäkalschlammbehandlung beigebracht. Das zeigt mir: Internationale Zusammenarbeit ist keine Einbahnstrasse. Sie ist ein Konstrukt, von dem alle Beteiligten lernen und profitieren.
Das klingt extrem vielseitig. Woran arbeitest du denn aktuell konkret?
Es wird wirklich nie langweilig! Vor Kurzem war ich wieder in Tadschikistan, um lokale Labornutzer*innen in chemischen Analysemethoden für Trink- und Abwasser zu schulen, die ich während meiner Masterarbeit dort etabliert hatte. In einem anderen Projekt habe ich Seifen- und Desinfektionsmittel aus afrikanischen Spitälern auf bakterielle Kontaminationen untersucht. Und aktuell unterstütze ich per GIS-Datenverarbeitung ein Projekt in Madagaskar, um Standorte für Wasser-Kioske zu evaluieren. Die Bandbreite ist riesig und ich lerne ständig Neues dazu.
Wenn du auf Studierende triffst, die noch zögern, für ein Semester oder eine Arbeit ins Ausland zu gehen: Was gibst du ihnen mit auf den Weg?
Ganz ehrlich: Wagt es einfach! Es wird euch persönlich, akademisch und menschlich unglaublich bereichern und euer Leben auf eine ganz positive Art prägen. Man darf nicht vergessen: So eine Möglichkeit hat man nicht oft im Leben – man kann in einem anderen Land leben und studieren, ohne ein grosses finanzielles oder organisatorisches Risiko einzugehen. Das International Office der HLS unterstützt einen bestens und vor Ort wird man z. B. über Studierendennetzwerke wie ESN sofort aufgefangen. Und im allerschlimmsten Fall geht es um knapp sechs Monate. Ihr habt wirklich absolut nichts zu verlieren, aber unvergessliche Momente und Freundschaften fürs Leben zu gewinnen!
Take your chance to study abroad!








