Carola Bänziger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ecopreneurship an der Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS), ist derzeit in Madagaskar im Einsatz. Vor Ort zeigt sich, wie internationale Zusammenarbeit konkret Gestalt annimmt und wie wichtig persönliche Begegnungen für nachhaltige Partnerschaften sind.
Warum bist du in Madagaskar, was machst du dort?
Für die Zusammenarbeit mit der Universität von Antananarivo bin ich für gut drei Wochen in Madagaskar vor Ort. Gemeinsam mit einem Professor der Universität bilde ich Masterstudierende und Doktorand*innen im Bereich Monitoring und Evaluation der Wasserversorgung aus.
Dabei geht es nicht nur um Theorie: Wir führen Interviews mit Mitarbeitenden der Wasserversor-gung, mit Verantwortlichen öffentlicher Wasserstellen sowie mit Haushalten. Ergänzend analysieren wir die Wasserqualität auf verschiedenen Ebenen, um ein möglichst umfassendes Bild der Situation zu erhalten.
Es ist mein erster Aufenthalt in Madagaskar. Die Partnerschaft mit der Universität von Antananarivo wurde vollständig aus der Distanz aufgebaut – umso wichtiger war es, sich nach zahlreichen Online-Sitzungen nun persönlich kennenzulernen und die Zusammenarbeit zu vertiefen.
Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Einen wirklich typischen Tag gibt es hier kaum. Zu Beginn stand vor allem die Schulung an der Universität in Antananarivo im Vordergrund. Das bedeutete: früh aufstehen, um den täglichen Stau mit dem Taxi zu bewältigen, und anschliessend lange Tage mit theoretischen und praktischen Inputs.
Nach den ersten Schulungstagen ging es darum, die neu erlernten Methoden direkt im Umfeld der Universität anzuwenden. Im nächsten Schritt folgte die Feldarbeit: Datensammlung unter realen Bedingungen, oft verbunden mit langen Autofahrten und intensiver praktischer Umsetzung.
Gerade in dieser Phase zeigt sich, was gut funktioniert – und was angepasst werden muss. Der Wechsel zwischen Planung, Anwendung und Optimierung ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit vor Ort.
Was sind die Herausforderungen? Was sind unbekannte Seiten von Madagaskar?
Eine grosse Herausforderung ist die Fortbewegung. Distanzen, die auf der Karte über-schaubar wirken, können sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. So waren wir einmal 14 Stunden unterwegs, um 460 Kilometer auf der Nationalstrasse zurückzulegen. Gründe dafür sind der Zustand der Strassen, viele Schlaglöcher, und auf schmalen Fahrbahnen Hindernisse wie Ochsenkarren, Lastwagen oder Tierherden.
Auch Strom- und Wasserunterbrüche gehören zum Alltag. Das erfordert vorausschauende Pla-nung – beispielsweise durch den Einsatz von aufladbaren Batterien für Geräte wie Inkubatoren.
Was viele vielleicht nicht wissen: Die Bevölkerung in Madagaskar ist mit einem Medianalter von 20 Jahren sehr jung. Die Menschen sind aussergewöhnlich herzlich und offen. Die Landschaft ist sehr vielfältig, geprägt von Reisfeldterrassen und einer grossen Auswahl an Früchten. Reis spielt eine zentrale Rolle im Alltag – viele Menschen essen ihn dreimal täglich.
Was ist der Nutzen des Aufenthalts – für dich persönlich, für die HLS und für die Part-neruniversität?
Für mich persönlich ist der Aufenthalt eine wertvolle Erfahrung: Ich lerne neue Menschen und ihre Lebensrealitäten kennen, erweitere mein Netzwerk und vertiefe mein fachliches Wissen.
Für die Zusammenarbeit zwischen der HLS und der Université d’Antananarivo schafft der Aus-tausch eine wichtige Grundlage für bestehende und zukünftige Projekte. Gemeinsam betreute Bachelor- und Masterarbeiten können entstehen, wodurch Daten und anwendungsbezogene Resultate generiert werden. Diese wiederum können in wissenschaftliche Publikationen einfliessen, zur Entwicklung neuer Schulungsmaterialien beitragen und über die Netzwerke der FHNW sowie internationaler Partner verbreitet werden.
Darüber hinaus haben die gewonnenen Erkenntnisse auch einen direkten Nutzen vor Ort: Verbes-serte Daten zur Trinkwasserqualität und zur Wirksamkeit von Chlorierungsmassnahmen unter-stützen lokale Versorgungsunternehmen, Gemeinden und NGO-Partner*innen dabei, die Wasserversorgung nachhaltig zu verbessern.
Take your chance to study abroad!

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