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Bachelor in Geomatik, Studierende berichten

Studierende berichten: Geomatik-Frühlings-Kolloquium vom 24.03.2026

7. April 2026

Ein harmonisiertes 3D-Stadtmodell für die Schweiz

Wer heute mit 3D-Stadtmodellen arbeitet, merkt schnell: Die Modelle sind wertvoll, aber nicht automatisch kompatibel. Genau dieses Spannungsfeld stand im Zentrum des zweiten Geomatik-Frühlings-Kolloquiums mit Adrian Moser, Leiter der Fachstelle für Geoinformation im Kanton Basel-Stadt. Er stellte ein Projekt vor, das vom Schweizer Städteverband angestossen wurde und zum Ziel hat, bestehende Stadtmodelle verschiedener Städte stärker zu vereinheitlichen.

Die Ausgangslage ist klar: Rund ein Drittel der Kantone verfügen bereits über 3D-Stadtmodelle, nutzen dafür aber unterschiedliche Datenmodelle, Spezifikationen und Erfassungslogiken. Das führt dazu, dass Daten nicht ohne Weiteres zusammengeführt, verglichen oder für übergeordnete Anwendungen genutzt werden können. Genau hier setzt das Harmonisierungsprojekt an. Es soll eine gemeinsame Grundlage schaffen, damit Stadtmodelle künftig besser austauschbar und konsistenter nutzbar werden.

Abbildung 1: Beispiel eines 3D-Stadtmodells der Stadt Bern. (Moser, 24.03.2026)

Im Vortrag wurde deutlich, dass dabei nicht einfach ein völlig neues Modell «erfunden» wird. Vielmehr geht es darum, bestehende Modelle und Erfahrungen zusammenzubringen. Als Austauschformat wurde CityGML gewählt, da es im Bereich der Stadtmodelle bereits etabliert ist und von vielen Städten schon verwendet oder zumindest angestrebt wird. Der Fokus des Projekts lag vorerst nicht auf einer maximalen Verfeinerung der Modelle, sondern auf der Harmonisierung des Bestands.

Spannend war auch die Diskussion über die Grenzen dieser Harmonisierung. So wurde etwa gefragt, ob bestehende Modelle einfach in das neue Datenmodell transformiert werden können. Die Antwort fiel differenziert aus: Teilweise ja, aber längst nicht überall. Weil sich die bisherigen Datensätze strukturell unterscheiden und gewisse Objekte je nach Modell anders definiert sind, braucht es oft mehr als eine rein technische Umwandlung. Deshalb prüfen die Städte derzeit, ob eine Überführung genügt oder ob gewisse Modelle sogar neu erfasst werden sollten.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Datenqualität. Fehler in den heutigen Modellen sind bekannt und werden laufend korrigiert. Dennoch ist die Qualität nicht überall einheitlich. Genau deshalb ist die Harmonisierung nicht nur eine Frage des Datenformats, sondern auch des Qualitätsstandards. Langfristig soll nicht bloss eine gemeinsame Struktur entstehen, sondern auch ein vergleichbar verlässlicher Datenbestand.

Abbildung 2: Erfassungsrichtlinien für ein Offenes Gebäude. (Moser, 24.03.2026)

Auch die Datenerfassung selbst wurde thematisiert. In vielen Städten wird die Modellierung ausgelagert, teilweise werden Gebäude aber auch manuell anhand von Bauplänen modelliert. Für grössere Flächen kommen zunehmend automatisierte Verfahren zum Einsatz. In Basel werden projektierte Gebäude direkt aus digitalen Bauplänen abgeleitet. Für die Nachführung bestehender Modelle werden zusätzlich Punktwolken und Luftbilder genutzt. Das zeigt gut, dass moderne Stadtmodelle aus verschiedenen Datenquellen zusammengesetzt werden.

In der Fragerunde kamen ausserdem zukünftige Entwicklungen zur Sprache. Diskutiert wurden etwa detailliertere Fassaden, Anwendungen in Augmented Reality oder die Konvertierung in IFC. Gerade bei Fassaden wurde klar, dass hier zwar grosses Potenzial besteht, dies aber noch nicht im Fokus des aktuellen Projekts liegt. Zunächst soll der bestehende Modellbestand harmonisiert werden; weitergehende Verfeinerungen wären ein möglicher nächster Schritt.

Abbildung 3; Vergleich der LOD Stufen für die Erfassung von 3D Stadtmodellen. (Moser, 24.03.2026)

Interessant war zudem die Verbindung zu nationalen Vorhaben. Das städtische Harmonisierungsprojekt steht nicht isoliert da, sondern hat Berührungspunkte mit dem künftigen amtlichen Gebäudemodell Schweiz. Ziel ist es, städtische 3D-Modelle und nationale Datensätze langfristig stärker zusammenzuführen. So könnten getrennte Datenwelten nach und nach verschmelzen und neue Anwendungen ermöglichen.

Für die Geomatik ist dieses Thema besonders relevant, weil hier technische, organisatorische und fachliche Fragen direkt zusammenkommen. Das Kolloquium zeigte eindrücklich, dass 3D-Stadtmodelle längst mehr sind als nur schöne Visualisierungen. Sie sind ein Arbeitsinstrument für Verwaltung, Planung und Analyse — und ihre Qualität hängt stark davon ab, ob Standards gemeinsam entwickelt und getragen werden.

Das Referat machte damit auch deutlich, wie wichtig Harmonisierung in der Geodatenwelt ist. Nicht jede Innovation beginnt mit etwas völlig Neuem. Manchmal liegt der entscheidende Fortschritt darin, Bestehendes so aufeinander abzustimmen, dass daraus ein gemeinsamer Mehrwert entsteht. Genau darin liegt die Stärke dieses Projekts.

Eine Aufzeichnung des Vortrages finden Sie hier.

Autoren: Denis Lüthi und Oliver Roost, Studierende Bachelor in Geomatik im 4. Semester

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