Das Unternehmen Apple hat sich in 50 Jahren vom Garagenprojekt zum Tech-Pionier entwickelt. Prof. Michael Renner, Leiter des Institute Digital Communication Environments (IDCE) der HGK Basel, berichtet über seine Tätigkeit bei Apple in Kalifornien.
Das Unternehmen Apple hat sich in 50 Jahren vom Garagenprojekt zum Tech-Pionier entwickelt. Dabei prägte das Unternehmen mit Geräten wie dem Macintosh, dem iPod und dem iPhone die digitale Welt nachhaltig.
Prof. Michael Renner, Leiter des Institute Digital Communication Environments (IDCE) an der HGK Basel, war in den 1980er-Jahren bei Apple Creative Services angestellt und hat in der Sendung «10 vor 10» von SRF anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums von Apple am 1. April 2026 über seine Erfahrungen in Kalifornien sowie über den Einzug von Apple-Computern in der Ausbildung an der damaligen Schule für Gestaltung in Basel berichtet.
Michael Renner hat seine Ausbildung von 1982 bis 1986 an der Schule für Gestaltung in Basel, aus der die HGK Basel hervorgegangen ist, absolviert. Apple hat 1984 den Apple Macintosh auf den Markt gebracht. Beworben wurde der Macintosh Computer mit dem legendären Werbespot «Why 1984 won't be like ‹1984›».
Der Macintosh wurde als Anticomputer (gegen IBM) vermarktet, der in seiner unkonventionellen Weise (Graphic User Interface, Produktgestaltung und Verpackung) und besonderen Ästhetik speziell Gestalter:innen angesprochen hat (Desktop Publishing).
Apple hat zu dieser Zeit den Macintosh – gemäss dem internen Slogan «Power to the People» – an Schulen verschenkt. Deshalb kam Michael Renner bereits im Rahmen seiner Ausbildung in Basel mit der digitalen Technologie in Berührung.
In Michael Renners damaligem Abschluss-Portfolio war ein Projekt, das die semantische Interpretation des Begriffs «Erosion» im pixelorientierten Programm MacPaint (von Bill Atkinson) umsetzte, noch die einzige digitale Arbeit, die am Macintosh Plus gestaltet wurde. Alle weiteren Projekte im Portfolio wurden mit analogen Mitteln, Pinsel, Farbe und fototechnischen Möglichkeiten gestaltet.
Im September 1986 reiste Michael Renner nach San Francisco, wo er sein Portfolio in verschiedenen Designbüros vorlegte. Obwohl man aus der Schweizer Perspektive aufgrund der Werbung von Apple den Eindruck gewonnen hatte, dass in den USA bereits alle mit dem Computer gestalten würden, war dies im Herbst 1986 nicht der Fall. Bei den Interviews wurde sehr kontrovers auf digitale Arbeiten reagiert. Für die einen war es die Zukunft, für die anderen der Verlust eines professionellen Standards.
Schliesslich wurde Michael Renner von Apple Creative Services kontaktiert und konnte auch dort sein Portfolio präsentieren. Bei Creative Services war gerade die Alpha-Version des vektororientierten Programms mit dem Codenamen «Picasso» von Adobe eingetroffen.
Michael Renner wurde bei Apple Creative Services angestellt, um mit dem Vektor-Zeichenprogramm Picasso (das 1987 als Adobe Illustrator veröffentlicht wurde) auf dem Macintosh Plus Schwarz-Weiss-Umsetzungen zu realisieren, die während seiner Ausbildung noch mit Pinsel und schwarzer bzw. weisser Farbe gestaltet worden waren.
1987 wurde Michael Renner dann in der Firma «The Understanding Buisness» des Architekten und Verleger Richard Saul Wurman angestellt. Dort konnte er die neue Desktop-Publishing-Technologie gemeinsam mit einem Team erstmals im Rahmen eines Grossprojekts – der Gestaltung der Telefonbücher von Pacific Bell – einsetzen.
Während seiner Zeit bei Apple Creative Services in Cupertino lernte Michael Renner seine Partnerin Lindy Cameron kennen, die seit 1983 bei Apple Creative Services als Designerin angestellt war und 1989 mit ihm in die Schweiz übersiedelt ist. Ihre grafischen Arbeiten haben zum unorthodoxen auf Vielfalt ausgerichteten Corporate Look von Apple in den 1980er-Jahren beigetragen.

Michael Renner: Semantische Interpretation der Wortes „Erosion“; Pinsel, schwarze/weisse Plaka Farbe, 1985; im Abschluss Portfolio von 1986. 
Michael Renner: Semantische Interpretation der Wortes „Erosion“; MacPaint, Nadel Drucker, 1985; im Abschluss Portfolio von 1986. 
Michael Renner: Schwarz-weiss Umsetzung; Teetasse; Pinsel, schwarze/weisse Plaka Farbe, 1983; im Abschluss Portfolio von 1986. 
Michael Renner: Schwarz-weiss Umsetzungen; Herbstblätter; Picasso (Vorversion von Adobe Illustrator, 1986/87; entstanden bei Apple Inc. Cupertino. 
Michael Renner: Weltformat-Plakat für Adobe; Broadcast Software; Adobe Illustrator/Adobe Photoshop, Siebdruck, 1990. 
Michael Renner: Pictograms, Pacific Bell Telephone Books 
Michael Renner: Pacific Bell Telephone Books 
Beispiel aus dem Unterricht von Michael Renner: Schwarz-weiss Umsetzungen von Gegenständen. Adobe Illustrator, 1990 – 1995. 
Beispiel aus dem Unterricht von Michael Renner: Olga Burkard, Trama, Adobe Illustrator, um 1990 
Beispiel aus dem Unterricht von Michael Renner: Patricia Cué, Felix Navidad, Adobe Illustrator/Adobe Photoshop, um 1991. 
Beispiel aus dem Unterricht von Michael Renner: Andrew Weed, Borosilicate, Adobe Illustrator/Adobe Photoshop, um 1993.
