In einer aktuellen Folge des Podcast «Zeitfragen» von Deutschlandfunk gibt Prof. Dorothée King, Leiterin des Institute Arts and Design Edcuation (IADE) an der HGK Basel, Einblicke in ihre Forschungsstudie «The Smell of Switzerland».
Eine aktuelle Folge des Podcasts «Zeitfragen» von Deutschlandfunk nimmt unter dem Titel «Über Gestank als Waffe, Rassismus und Gerüche» Bezug auf das Forschungsprojekt OLFAC des Europäischen Forschungsrats (ERC). Prof. Dr. Dorothée King, Leiterin des Institute Arts and Design Education (IADE) an der HGK Basel, berichtet darin über Einsichten ihrer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten Forschungsstudie «The Smell of Switzerland», die von März 2025 bis Februar 2026 an der HGK Basel durchgeführt wurde.
Gerüche haben die einzigartige Fähigkeit, menschliche Erfahrungen zu beeinflussen. Im Gegensatz zu Licht und Schall, die auf Wellen beruhen, ist der Geruch an physikalische Partikel gebunden, die, um wahrgenommen zu werden, buchstäblich in das menschliche Gehirn eindringen müssen. Diese Partikel können im limbischen System unmittelbar mit Emotionen und Erinnerungen in Verbindung gebracht werden. Die Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit des Geruchs macht ihn zu einem mächtigen Instrument der sozialen Organisation.
Für die meisten Tiere ist der Geruch das wichtigste Kommunikationsmittel. Gerüche können entweder anziehend oder abstossend wirken und unsere zwischenmenschliche Verträglichkeit erheblich beeinflussen. In diesem Sinne besitzen Düfte die einzigartige Fähigkeit, unsere sozialen Erfahrungen zu prägen und unsere ältesten Erinnerungen sowie unser Zugehörigkeitsgefühl zu beeinflussen. Diese unmittelbare Wirkung macht Gerüche zu wirksamen Markern für kulturelle Orientierung.
Die Forschungsstudie «The Smell of Switzerland» zielte darauf ab, die These des Historikers Jonathan Reinartz zur Bedeutung unterschiedlicher Geruchsqualitäten als Trenn- und Identifikationsmerkmale von Gemeinschaften als Forschungsfrage auf die Kulturlandschaft der Schweiz anzuwenden. Die zentralen Forschungsfragen lauten: Findet das Phänomen des «Othering», das sich laut Reinartz über den Geruchssinn manifestiert, in verschiedenen expliziten und impliziten Schweizer Kulturnormen Ausdruck? Welche Gerüche sind vertraut und fördern ein Zugehörigkeitsgefühl? Welche Gerüche wirken fremd und betonen Distanz?
Die Ergebnisse dieses Projekts sollen geruchsbasierte Signifikanten für soziale Beziehungen, lokale, politische oder identitätsbasierte Identifikation innerhalb einer komplexen Swissness-Erfahrung identifizieren, die sich durch Mehrsprachigkeit/Multikulturalismus, sich wandelnde Konzepte von Einwanderung, eine ausgeprägte Geografie und das Gefälle zwischen Stadt und Land auszeichnet. Ziel ist u.a. der Beginn eines Dialogs über «Othering» durch Geruch im Schweizer Kontext.
