FHNW und Université de Lausanne analysieren die Ergebnisse der regulierten Abgabe. Die Erkenntnisse sollen die künftige Gesetzgebung unterstützen.
Das Institut für Nonprofit und Public Management der Hochschule für Wirtschaft FHNW und die Université de Lausanne haben im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit den zweiten Bericht zu den laufenden Cannabis-Pilotprojekten veröffentlicht. Die Analyse zeigt, wie unterschiedliche Verkaufsmodelle funktionieren, welche Auswirkungen sie haben können – und warum diese Erkenntnisse jetzt entscheidend für die politische Debatte zur Cannabis-Regulierung sind.
Zur Studie
Mit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes im Mai 2021 wurde erstmals die rechtliche Grundlage für Pilotversuche zur regulierten Abgabe von Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken geschaffen. Ziel dieser Versuche ist es, auf Basis wissenschaftlicher Daten zu prüfen, wie eine mögliche zukünftige Regulierung von Cannabis in der Schweiz gestaltet werden könnte.
Seit 2023 laufen insgesamt sieben Pilotprojekte in Basel-Stadt, Bern, Biel, Lausanne, Luzern, Vernier, Zürich sowie in Gemeinden des Kantons Zürich und des Kantons Basel-Landschaft. Die Modelle reichen von Apotheken über Social Clubs bis hin zu kommerziellen Fachgeschäften und einem Drogeninformationszentrum. Rund 10 400 Erwachsene nehmen derzeit daran teil, was etwa fünf Prozent derjenigen entspricht, die laut Bundesamt für Statistik im Jahr 2022 regelmässig Cannabis konsumierten.
Das Bundesamt für Gesundheit beauftragte die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und die Université de Lausanne (UNIL) mit einer vertieften Untersuchung dieser Pilotversuche. Die nun vorliegende Analyse erweitert die Perspektive, insbesondere mit Blick auf die Regierung, Regulierung, Jugend- und Konsumentenschutz sowie Werbeverbote.
Warum die Studie heute relevant ist
Die politische Diskussion um Cannabis nimmt Fahrt auf: Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates hat im August 2025 einen Vorentwurf für ein Bundesgesetz über Cannabisprodukte präsentiert. Dieses sieht ein streng reguliertes, gesundheitsorientiertes Modell vor – mit neutraler Verpackung, strenger Qualitätskontrolle, Werbeverbot und einer staatlich gesteuerten Anzahl Verkaufsstellen.
Die Ergebnisse der Pilotversuche können dabei eine zentrale Grundlage für den politischen Prozess liefern. Sie zeigen, wie unterschiedliche Verkaufs- und Steuerungsmodelle in der Praxis funktionieren, welche Akzeptanz sie bei Konsumierenden finden, und welche Auswirkungen sie auf Konsumformen und die öffentliche Gesundheit haben können.
Wichtige Erkenntnisse der Analyse
Die Forschenden berichten, dass die Pilotversuche zweckmässig umgesetzt wurden und verschiedene Ansätze erfolgreich getestet werden:
- Medizinisch orientierte Modelle wie Apotheken fokussieren auf Prävention und Risikominderung.
- Gemeinschaftliche Social Clubs legen Wert auf direkten Schutz der Konsumierenden und gezielte Steuerung zu risikoärmeren Produkten.
- Kommerzielle Verkaufsstellen setzen stärker auf Eigenverantwortung, Produktberatung und die Verdrängung des illegalen Marktes.
Eine wesentliche Beobachtung ist, dass regulierte Zugangswege zu einer höheren Bindung an den legalen Markt führen und die allgemeine Zufriedenheit der Teilnehmenden hoch ist. Das Verkaufspersonal zeigt dabei eine klare Motivation, Präventionsmassnahmen umzusetzen.
Internationale Expertinnen und Experten sehen einen Konsens zugunsten nicht-kommerzieller Systeme, die gesundheitliche Ziele ins Zentrum stellen. Dazu gehören neutrale Verpackungen, Besteuerung nach THC-Gehalt, ein strenges Werbeverbot und die Kontrolle des Produktangebots.
Herausforderungen und Ausblick
Die Regulierung von Cannabis ist komplex und betrifft zahlreiche Politikfelder – von Gesundheit und Prävention über Landwirtschaft bis zu Polizei und Justiz. Die Modellwahl beeinflusst Preisgestaltung, Produktpalette, THC-Grenzwerte und Präventionsstrategien. Entscheidungen müssen unter Berücksichtigung politischer Ziele, öffentlicher Akzeptanz und bestehender Politiken getroffen werden.
Die Studie macht deutlich: Eine wirksame Regulierung braucht klare Prioritäten, gezielte Steuerungsinstrumente und eine breite gesellschaftliche Debatte. Die Schweiz verfügt über eine lange Tradition innovativer Drogenpolitik und die Erkenntnisse aus den Pilotversuchen könnten entscheidend sein, um diesen Weg auch in der Cannabisfrage fortzusetzen.
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Kontakt

Prof. Dr. Susanne Hadorn
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