Im Rahmen einer intensiven Blockwoche im Modul «Sportmarketing & eSports» setzten sich rund 30 Studierende der Hochschule für Wirtschaft mit aktuellen Entwicklungen und Chancen in der global wachsenden Sport- und eSports-Industrie auseinander. Neben fundierten Einblicken durch Dozent Marco Casanova wurde die Woche durch einen besonderen Gastbeitrag ergänzt: Doris Keller, Turnierdirektorin der UEFA Women's EURO 2025.

Mit ihrer langjährigen Erfahrung im internationalen Sportbusiness und ihrer zentralen Rolle bei der erfolgreichen Durchführung der Frauen-EM gab sie den Studierenden praxisnahe Einblicke in eines der bedeutendsten Sportprojekte Europas.
Welche Erkenntnisse aus der UEFA Women’s EURO 2025 sind besonders spannend für Studierende im Bereich Business und Management?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist für mich, dass der Frauenfussball ein Produkt ist, das noch viel Gestaltungsspielraum bietet. Es ist zwar derselbe Sport wie im Männerfussball, aber vieles ist noch nicht so fest etabliert. Genau das eröffnet die Möglichkeit, neue Ideen einzubringen, kreative Ansätze zu testen und auch kosteneffizient umzusetzen.
Wir konnten bei der UEFA Women’s EURO 2025 deutlich mehr experimentieren als in etablierten Formaten. Dabei war die Zusammenarbeit mit Studierenden von verschiedenen Hochschulen sehr wertvoll. Sie haben mit frischen Perspektiven an konkreten Fragestellungen gearbeitet, die wir ihnen geliefert haben und konnten dadurch spannende Lösungsansätze entwickelt, die wir anschliessend umsetzen konnten.
Ein weiterer Punkt, der mir sehr wichtig ist: Wir haben bewusst darauf geachtet, die besten Talente ins Team zu holen. Am Ende bestand unser Team zu einem grossen Teil aus Frauen, die sich stark mit der Bedeutung des Projekts identifizieren konnten. Für mich ist klar: Wir können das Gleiche wie die Männer – und das hat dieses Turnier eindrücklich gezeigt.

Welche Kompetenzen sollten Studierende entwickeln, wenn sie in internationalen Projekten oder im Sportbusiness arbeiten möchten?
Sprachkenntnisse sind enorm wichtig, wenn man international arbeitet. Mir persönlich hat es sehr geholfen, nicht nur Deutsch zu sprechen, sondern mich auch sicher in anderen Sprachen und Kulturen bewegen zu können.
Ebenso entscheidend sind Offenheit und Anpassungsfähigkeit. Wenn ich in einem anderen Land, oder gar auf einem anderen Kontinent arbeite, gehe ich nicht mit der Haltung hin, dass «wir es in Europa besser wissen», sondern ich versuche zu verstehen, wie Dinge vor Ort funktionieren.
Neugier ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor. Man sollte bereit sein, Neues auszuprobieren und auch mal ungewisse Territorien zu beschreiten. Ich habe selbst oft Entscheidungen getroffen, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Aber genau diese Erfahrungen bringen einen weiter.
Mein Rat an Studierende lautet deshalb: Bleibt neugierig, seid mutig und traut euch, eure Komfortzone zu verlassen. Gerade in der Schweiz haben wir die Sicherheit, immer wieder neue Wege auszuprobieren.
Was können Studierende aus der Erfolgsgeschichte der Frauen-EM für ihre eigene Zukunft mitnehmen?
Für mich ist das wichtigste Learning, dass man nie ausgelernt hat. Es geht darum, sich ständig weiterzuentwickeln und offen für neue Themen zu bleiben.
Bei der Women’s EURO haben wir bewusst versucht, neue Wege zu gehen und Ideen aus dem Team aufzunehmen und umzusetzen. Genau diese Haltung braucht es auch im Berufsleben.
Ich merke das auch bei mir selbst: Ich beschäftige mich heute mit Themen wie Künstlicher Intelligenz, obwohl ich ursprünglich eher analog geprägt bin. Ich nutze solche Tools, um mir einen Überblick zu verschaffen und neue Perspektiven zu gewinnen – und überlege dann, wie ich diese in meine Projekte integrieren kann.
Deshalb ist es wichtig, dass man auch nach dem Studium dranbleibt, Interesse zeigt und bereit ist, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Bachelor of Science Betriebsökonomie
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