Als Masterstudent in Business Information Systems und FHNW-Alumnus im Bachelor Betriebsökonomie gründete Loris Delorenzi mitten im Studium die ITeasy AG. Heute ist daraus ein etablierter IT-Dienstleister mit Kunden in der ganzen Schweiz geworden. Im Interview erzählt er, wie aus Expertise und Unternehmergeist ein erfolgreiches Unternehmen entstand, welche Rolle die FHNW spielte und welche Tipps er angehenden Gründerinnen und Gründern mitgibt.

Kannst du uns etwas über ITeasy erzählen? Was macht ihr, wann wurde das Unternehmen gegründet und wie hat es sich seit der Gründung entwickelt ?
ITeasy ist die externe IT-Abteilung für kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz. Wir betreuen Unternehmen, die entweder keine eigene IT-Abteilung haben oder ihre interne IT gezielt entlasten möchten. Dabei übernehmen wir die Verantwortung für den gesamten IT-Betrieb, von Support und Infrastruktur über IT-Projekte bis hin zu strategischer Beratung und Cyber Security.
Gegründet wurde die ITeasy AG im Jahr 2020. Was als kleines Team mit einer gemeinsamen Vision begann, hat sich in den letzten sechs Jahren zu einem etablierten IT-Dienstleister entwickelt. Heute beschäftigen wir sechs Mitarbeitende und betreuen über 50 Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen in der ganzen Schweiz.
Besonders wichtig ist uns die persönliche und langfristige Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Wir möchten nicht einfach ein externer Dienstleister sein, sondern ein verlässlicher Partner, der die IT seiner Kunden versteht und aktiv weiterentwickelt. Cyber Security spielt dabei ebenfalls eine zentrale Rolle und ist heute ein integraler Bestandteil sämtlicher unserer Dienstleistungen.
Du studierst an der FHNW. Welche Ausbildungen hast du gemacht und was studierst du jetzt? Und warum hast du dich für diese Ausbildungen und für die FHNW entschieden?
Ich studiere aktuell noch an der FHNW und befinde mich gegen Ende meines Masterstudiums in Business Information Systems. Zuvor habe ich an der FHNW bereits den Bachelor in Betriebsökonomie abgeschlossen.
Schon relativ früh war für mich klar, dass ich irgendwann ein eigenes Unternehmen aufbauen möchte. Deshalb habe ich mich für Betriebsökonomie entschieden. Ich wollte verstehen, wie Unternehmen funktionieren, wie man Strategien entwickelt, Finanzen plant, Kunden gewinnt und nachhaltiges Wachstum erreicht.
Der Master in Business Information Systems war für mich die ideale Ergänzung, weil er die betriebswirtschaftliche Perspektive mit der technologischen verbindet. Genau diese Kombination bewegt mich auch heute täglich in meinem Berufsalltag.
Für die FHNW habe ich mich entschieden, weil sie einen starken Praxisbezug bietet. Viele Inhalte konnten direkt auf reale Fragestellungen angewendet werden, was für mich als Unternehmer besonders wertvoll war.
Wie kam es zur Idee für das StartUp ITeasy? Gab es im Studium Module oder Projekte, die dich direkt zum Konzept von ITeasy inspiriert oder beeinflusst haben?
Die Idee für ITeasy entstand nicht aus einem einzelnen Modul oder einer bestimmten Vorlesung, sondern aus meinem generellen Wunsch heraus, etwas Eigenes aufzubauen.
Bereits vor ITeasy hatte ich erste Erfahrungen mit einem eigenen Online-Shop gesammelt. Dieses Projekt war zwar letztlich nicht erfolgreich, hat mir aber unglaublich viel über Unternehmertum, Marketing und Geschäftsmodelle beigebracht.
Als ich dieses Projekt beendet hatte, kam einer meiner heutigen Geschäftspartner auf mich zu und schlug vor, gemeinsam ein Unternehmen im IT-Bereich aufzubauen. Wir beide waren bereits in der Informatik tätig und kannten die Branche sehr gut. Gleichzeitig sahen wir viele Dinge, die wir aus Kundensicht anders oder besser machen würden als klassische IT-Dienstleister.
Anstatt etwas komplett Neues zu erfinden, entschieden wir uns bewusst dafür, unsere bestehende Fachkompetenz zu nutzen und daraus ein eigenes Unternehmen aufzubauen. So entstand die Idee von ITeasy.

Wie habt ihr das Konzept zu ITeasy in die Realität umgesetzt? Und was spielte dein Studium dabei für eine Rolle?
Die Umsetzung begann sehr pragmatisch. Wir hatten keine perfekte Blaupause, sondern haben einfach angefangen und Schritt für Schritt gelernt.
Gerade in den ersten Jahren mussten wir uns laufend an neue Herausforderungen anpassen. Viele Prozesse, Dienstleistungen und Strategien haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Rückblickend war diese Flexibilität einer unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren.
Mein Studium hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Viele betriebswirtschaftliche Grundlagen konnten wir direkt anwenden – sei es bei der Finanzplanung, der Preisgestaltung, dem Marketing oder der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Das Studium hat mir geholfen, praktische Erfahrungen mit theoretischem Wissen zu ergänzen und unternehmerische Entscheidungen fundierter zu treffen.
Welche Herausforderungen habt ihr in den ersten Jahren besonders gespürt, und welche Lektionen waren für euch wertvoll?
Die grösste Herausforderung war ganz klar die Neukundengewinnung.
Wir hatten das technische Know-how, motivierte und kompetente Mitarbeiter und überzeugende Dienstleistungen. Die eigentliche Herausforderung bestand darin, potenzielle Kunden überhaupt auf uns aufmerksam zu machen und Vertrauen aufzubauen.
Gerade am Anfang fehlten uns Erfahrung und Struktur in Vertrieb und Marketing. Deshalb haben wir viel ausprobiert, Fehler gemacht und daraus gelernt. Heute verfügen wir über mehrere funktionierende Vertriebskanäle und einen deutlich professionelleren Verkaufsprozess.
Eine weitere wichtige Lektion war die Bedeutung einer sauberen finanziellen Planung. Wachstum bringt Chancen mit sich, aber auch Verantwortung. Wer seine Zahlen kennt und frühzeitig plant, schafft eine wesentlich stabilere Grundlage für langfristigen Erfolg.
Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten aus dem Studium sind für dich am wichtigsten wenn es um die Weiterentwicklung von ITeasy geht? Worauf greifst du immer wieder zurück, was ist dir am meisten geblieben?
Besonders wertvoll sind für mich die betriebswirtschaftlichen Grundlagen, die ich im Studium gelernt habe.
Dazu gehören Themen wie Finanz- und Rechnungswesen, Kostenrechnung, Preisgestaltung und Unternehmensführung. Diese Bereiche begleiten mich bis heute nahezu täglich. Ob wir neue Dienstleistungen entwickeln, Investitionen planen oder Margen kalkulieren, viele Entscheidungen basieren auf Konzepten, die ich im Studium kennengelernt habe.
Ebenso wichtig sind die Marketing- und Strategiethemen. Das Studium hat mir geholfen, Unternehmen nicht nur aus technischer Sicht zu betrachten, sondern immer auch aus der Perspektive von Kunden, Märkten und langfristiger Unternehmensentwicklung.

Welche Pläne habt ihr aktuell für ITeasy und wohin soll die Reise in den nächsten Jahren gehen?
Unser Ziel ist es, die ITeasy AG in den kommenden Jahren weiter auszubauen und gleichzeitig unsere hohe Servicequalität sowie die freundschaftlichen Beziehungen zu unseren Kunden beizubehalten.
Wir verzeichnen aktuell auf einen stetigen Zufluss neuer Kunden und möchten unser Team entsprechend weiter verstärken. Denn nachhaltiges Wachstum ist nur möglich, wenn genügend qualifizierte Mitarbeitende vorhanden sind, um Kunden auf dem gewünschten Niveau zu betreuen.
Inhaltlich möchten wir unser Leistungsportfolio ebenfalls weiterentwickeln. Insbesondere die Themen Cyber Security, Managed Services und strategische IT-Beratung werden künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen. Unser Ziel ist es, für unsere Kunden auch langfristig die erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um ihre IT zu sein.
Viele Studierende überlegen, neben dem Studium ein StartUp zu starten. Welche Tipps würdest du ihnen geben, um ein eigenes Projekt erfolgreich umzusetzen?
Mein wichtigster Rat ist: Baut möglichst auf einer Kompetenz auf, die ihr bereits besitzt.
Viele Gründerinnen und Gründer suchen nach der einen revolutionären Idee. Dabei kann es oft sinnvoller sein, in einem Bereich zu gründen, den man bereits sehr gut kennt. So muss man nicht gleichzeitig eine Branche verstehen und ein Unternehmen aufbauen.
Genau das war bei uns der Fall. Wir kannten die IT-Branche bereits sehr gut und konnten uns deshalb auf die unternehmerischen Herausforderungen konzentrieren – also auf Themen wie Vertrieb, Marketing, Prozesse und Wachstum.
Ausserdem würde ich empfehlen, möglichst früh über die Kundengewinnung nachzudenken. Selbst das beste Produkt bringt wenig, wenn niemand davon erfährt.
Welche Botschaft würdest du Studierenden gerne mit auf den Weg geben?
Wenn ihr den Wunsch habt, etwas Eigenes aufzubauen, dann probiert es aus.
Man muss nicht mit Anfang zwanzig gründen und man muss auch nicht sofort erfolgreich sein. Viel wichtiger ist, dass man den ersten Schritt macht und Erfahrungen sammelt.
Ein eigenes Unternehmen aufzubauen ist eine der intensivsten Lernreisen, die man machen kann. Man übernimmt Verantwortung, trifft Entscheidungen, macht Fehler und entwickelt sich persönlich enorm weiter. Selbst wenn ein Projekt scheitert, nimmt man Erfahrungen mit, die in keiner Vorlesung vermittelt werden können.
Gerade in der Schweiz sind die Rahmenbedingungen für Unternehmertum sehr gut. Deshalb würde ich jedem, der mit dem Gedanken spielt, ein Unternehmen zu gründen, empfehlen: Traut euch. Der Gewinn an Erfahrung und persönlicher Entwicklung ist unabhängig vom Ausgang enorm wertvoll.

Bachelor of Science Betriebsökonomie

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