Mirela Hodžic hat ihr gewohntes Umfeld in Österreich verlassen, um den trinationalen Master in Sustainable Business Development an der FHNW zu starten. Zwischen Schweiz, Deutschland und Frankreich erweitert sie ihre Sicht auf Wirtschaft und Nachhaltigkeit und profitiert von verschiedenen Kulturen und Perspektiven.

Mirela, du bist aus Österreich gekommen und hast den trinationalen Studiengang «MSc in Sustainable Business Development» an der FHNW begonnen. Was hat dich damals dazu bewogen, diesen Schritt zu wagen – trotz der vielen Veränderungen, die damit verbunden waren?
Mich hat vor allem die Kombination aus Internationalität, Praxisnähe und dem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit überzeugt. Bereits im Rahmen meiner Bachelorarbeit bin ich erstmals intensiv mit der Thematik Nachhaltigkeit in Berührung gekommen, was mein Interesse geweckt und mir gezeigt hat, dass ich mich fachlich in diese Richtung weiterentwickeln möchte. Nach meinem Bachelor wollte ich mein Wissen gezielt vertiefen, aber auch bewusst aus meiner Komfortzone herausgehen.
Eigentlich hatte ich schon während meines Bachelorstudiums den Wunsch, ein Auslandssemester an der FHNW zu absolvieren – was damals leider nicht geklappt hatte. Der Wunsch nach internationaler Erfahrung und persönlicher Weiterentwicklung ist jedoch geblieben. Als sich dann die Möglichkeit für den trinationalen Master ergeben hat, habe ich es als eine einmalige Chance gesehen. Ich wollte es später nicht bereuen diesen Schritt nicht gewagt zu haben.
Besonders gereizt hat mich dabei der trinationale Studiengang mit seinen vielfältigen Perspektiven sowie den Herausforderungen und Chancen, die ein Studium zwischen drei Ländern mit sich bringt. Zudem war meine Familie eine grosse Unterstützung auf diesem Weg. Sie haben bei jedem Schritt mitgefiebert und mir stets den Rücken gestärkt, was mir den Mut gegeben hat, diesen Schritt zu wagen.
Der Start war mit vielen Herausforderungen verbunden: neues Land, neue Sprache, neues Umfeld. Was hat dir geholfen, dich zurechtzufinden und deinen Platz zu finden?
Offenheit und Neugier waren für mich entscheidend, aber genauso wichtig war die Unterstützung meiner Familie. Gerade in schwierigeren Momenten haben sie mich immer wieder motiviert und mir Mut zugesprochen. Zu Beginn war ich eher zurückhaltend und vorsichtig, da alles neu war.
Mit der Zeit habe ich mich jedoch immer besser in mein neues Leben eingefunden, begonnen, aktiv Freundschaften zu knüpfen und mich bewusst auf die Herausforderung eingelassen. Dabei habe ich mir immer wieder vor Augen geführt, dass ich aus einem guten Grund hier bin und diese Chance nutzen möchte. Wenn es mir zwischendurch zu viel wurde, bin ich auch regelmässig nach Wien zu meiner Familie gefahren. Diese Rückzugsmomente haben mir Kraft gegeben und mir geholfen, mit neuer Energie zurückzukehren.
Rückblickend waren es vor allem meine Entschlossenheit und meine Disziplin, die mir geholfen haben, dranzubleiben, mich auf das Neue einzulassen und nicht aufzugeben.
Welche Themen oder Fragestellungen beschäftigen dich aktuell besonders in Bezug auf deinen Studiengang? Und warum sind diese Themen aus deiner Sicht relevant für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft?

Aktuell beschäftigen mich besonders Themen rund um Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Geschäftsmodelle und die Frage, wie wir bestehende Ressourcen besser nutzen können, anstatt immer wieder Neues zu schaffen. Mich interessiert vor allem, wie Nachhaltigkeit konkret im Alltag von Unternehmen und Gesellschaft umgesetzt werden kann, nicht nur als theoretischer Ansatz, sondern in Form von echten Lösungen für aktuelle Herausforderungen.
Gemeinsam mit einem Studienkollegen arbeite ich an unserem Projekt Crabspace, bei dem wir uns intensiv mit der nachhaltigen Nutzung von Raum und Infrastruktur auseinandersetzen. In unserem Projekt befassen wir uns damit, leerstehende oder wenig genutzte Räume sichtbar zu machen und sie für lokale Events und Begegnungen zugänglich zu machen. Dieser Prozess zeigt mir immer wieder, dass Nachhaltigkeit oft nicht bedeutet, komplett neu zu denken, sondern vorhandene Ressourcen intelligenter zu nutzen.
Ich glaube, dass solche Ansätze in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, weil Ressourcen knapper werden und gleichzeitig der Wunsch nach Gemeinschaft, Austausch und sinnvollen Erlebnissen wächst. Für mich geht es deshalb nicht nur um wirtschaftliche Innovation, sondern auch darum, Räume für neue Formen der Zusammenarbeit zu öffnen.
Du studierst in einem trinationalen Umfeld zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich. Was macht diese Konstellation für dich besonders und was hast du bisher daraus gelernt?
Das Besondere am trinationalen Umfeld ist für mich der ständige Perspektivenwechsel. In der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich werden wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen unterschiedlich diskutiert und priorisiert. Dadurch lernt man, Herausforderungen nicht eindimensional zu betrachten, sondern Lösungen im internationalen und kulturellen Kontext zu entwickeln. Diese Fähigkeit halte ich für extrem wertvoll, gerade auch im Bereich der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung.
Besonders ist diese Konstellation für mich auch deshalb, weil ich selbst einen internationalen Hintergrund habe. Meine Eltern stammen aus Bosnien, meine Mutter ist in der Schweiz aufgewachsen, mein Vater hat einen grossen Teil seines Lebens in Bosnien und später in Österreich verbracht. Nach ihrer Hochzeit haben sie sich entschieden, in Wien zu bleiben. Ich bin dort geboren und aufgewachsen und bewege mich heute im Alltag zwischen mindestens zwei Ländern.
Ich finde es unglaublich spannend, mit so vielen unterschiedlichen Kulturen, Menschen und Charakteren zusammenzuarbeiten. Oft unterschätzt man, wie viel man bereits aus einer einfachen Unterhaltung mitnehmen kann. Gleichzeitig empfinde ich grosse Dankbarkeit dafür, diese Erfahrung machen zu dürfen und Teil eines so vielfältigen, internationalen Umfelds zu sein.
Du warst im Rahmen des MIRAI-Programms vom 13.–20. Januar 2026 in Japan. Was war für dich das prägendste Erlebnis dieser Woche?
Das prägendste Erlebnis für mich waren vor allem die Menschen, mit denen ich diese Woche verbringen durfte. Unsere Gruppe hat sich schon am ersten Tag unglaublich gut verstanden, und wir haben die gemeinsame Zeit von Anfang an sehr intensiv erlebt. Es waren so viele inspirierende und beeindruckende Persönlichkeiten dabei, dass jeder Austausch neue Perspektiven eröffnet hat.
Besonders bewegt hat mich auch die Tatsache, dass ich aus rund 6 900 Kandidatinnen und Kandidaten ausgewählt wurde, um als Delegierte für die Schweiz an diesem Programm teilzunehmen. Dieser Moment hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie besonders diese Erfahrung ist. Dadurch hat sich diese Woche in Japan nicht nur wie eine akademische Reise angefühlt, sondern wie ein gemeinsames Wachsen von Menschen, die ähnliche Werte und Visionen teilen.
Wie hat dich die Japan-Reise in deinem Studium weitergebracht? Beispielsweise in Bezug auf Themen, die du gerade bearbeitest, oder auf deine Sichtweise auf Wirtschaft und Innovation?

Die Japan-Reise hat meine Sicht auf Wirtschaft und Innovation definitiv erweitert. Besonders spannend war für mich zu sehen, wie stark in Japan langfristiges Denken, Effizienz und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Ein prägender Moment war der Besuch der Tokyo Innovation Base (TiB), wo ich erlebt habe, wie Start-ups, Kreativität und gesellschaftliche Herausforderungen zusammengebracht werden, um neue Lösungen zu entwickeln. Diese Erfahrung hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig kollaborative Räume und interdisziplinäre Zusammenarbeit für echte Innovation sind.
Gleichzeitig hat mich die Reise auch in Bezug auf meine aktuellen Themen, wie nachhaltige Geschäftsmodelle oder die bessere Nutzung bestehender Ressourcen, weitergebracht. Viele Inhalte aus meinem Studium haben sich plötzlich sehr greifbar angefühlt, weil ich beobachten konnte, wie Nachhaltigkeit, Technologie und wirtschaftliche Entwicklung in der Praxis zusammenspielen. Innovation bedeutet nicht immer, etwas komplett Neues zu erfinden, sondern liegt oft darin, Systeme intelligenter zu gestalten und vorhandene Strukturen neu zu denken. Diese Perspektive nehme ich heute stärker in mein Studium und auch in meine eigenen Projekte mit.
Vor allem aber hat mir Japan gezeigt, wie wichtig kulturelle Werte, Zusammenarbeit und ein gemeinsames Mindset sind, wenn es darum geht, nachhaltige Veränderungen langfristig umzusetzen. Das hat meinen Blick auf internationale Wirtschaft und Innovation deutlich erweitert.
Du arbeitest neben dem Studium auch an eigenen Projekten. Wie hilft dir das Studium dabei, Ideen strategisch weiterzudenken und umzusetzen?
Das Studium hilft mir vor allem dabei, Ideen nicht nur kreativ, sondern auch strategisch zu denken. Viele Methoden und Perspektiven aus den Modulen, etwa zu nachhaltigen Geschäftsmodellen, Innovation oder Business Development, kann ich direkt auf meine eigenen Projekte anwenden. Dadurch lerne ich, eine Idee Schritt für Schritt weiterzuentwickeln: von der ersten Vision über die Zielgruppenanalyse bis hin zur konkreten Umsetzung.
Besonders wertvoll ist für mich der Austausch im trinationalen Umfeld, weil ich ständig neue Blickwinkel kennenlerne und meine eigenen Ansätze hinterfrage. Bei meiner Arbeit an Crabspace merke ich immer wieder, wie stark sich Theorie und Praxis gegenseitig ergänzen. Das Studium gibt mir nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Struktur, kritisches Denken und das Vertrauen, Ideen langfristig aufzubauen.
Diese Verbindung aus Lernen und Anwenden, macht für mich den Unterschied: Ich kann Inhalte aus dem Studium direkt testen, reflektieren und weiterentwickeln. Das motiviert mich, meine Projekte strategisch und nachhaltig voranzubringen.
Wenn du auf dein erstes Jahr zurückblickst: Inwiefern hat dich das Studium bisher, fachlich, aber auch persönlich, verändert?
Das Studium hat mich seit Beginn stark geprägt. Fachlich habe ich gelernt, komplexe Themen ganzheitlicher zu betrachten und nachhaltige Lösungen nicht nur idealistisch, sondern auch wirtschaftlich realistisch zu denken. Besonders das Arbeiten im internationalen Kontext hat mir geholfen, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und meine eigene Denkweise weiterzuentwickeln.
Auf persönlicher Ebene bin ich selbstständiger und mutiger geworden. Der Schritt in ein neues Land, das tägliche Pendeln zwischen verschiedenen Kulturen und das Arbeiten an eigenen Projekten haben mich aus meiner Komfortzone geholt und wachsen lassen. Ich habe gelernt, mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten zu haben, Herausforderungen anzunehmen und meinen eigenen Weg bewusster zu gestalten. Insgesamt hat mich das Studium darin bestärkt, wer ich sein möchte und wofür ich stehe.
Du stehst in Zukunft vor dem Abschluss mehrerer Studienabschlüsse. Wohin soll dein Weg nach dem Studium führen – und welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Internationalität dabei?
Nach dem Studium möchte ich meinen Weg weiterhin an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Innovation und Internationalität gestalten. Mir ist es wichtig, nicht nur über nachhaltige Transformation zu sprechen, sondern aktiv an Lösungen mitzuarbeiten, die wirtschaftlich sinnvoll und gleichzeitig gesellschaftlich wertvoll sind. Ich kann mir gut vorstellen, in einem internationalen Umfeld zu arbeiten oder eigene Projekte weiterzuentwickeln, in deren Rahmen neue Ideen entstehen und umgesetzt werden.
Nachhaltigkeit ist für mich dabei kein Trend, sondern eine Haltung, die meine Entscheidungen prägt, sei es in Bezug auf Geschäftsmodelle, Zusammenarbeit oder langfristige Perspektiven. Gleichzeitig spielt Internationalität eine grosse Rolle, weil ich durch meinen eigenen Hintergrund und das trinationale Studium gelernt habe, wie bereichernd unterschiedliche Kulturen und Denkweisen sein können. Ich möchte auch in Zukunft in einem Umfeld arbeiten, das offen, vielfältig und global vernetzt ist, um gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen von morgen zu entwickeln.
Wenn du zum jetzigen Zeitpunkt auf deinen Weg seit dem Studienstart zurückschaust, worauf bist du besonders stolz?
Ich bin vor allem stolz darauf, dass ich mir selbst vertraut und diesen grossen Schritt wirklich gewagt habe. Am Anfang war vieles ungewiss – ein neues Land, ein neues Umfeld und viele persönliche Herausforderungen. Es gab Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich alles richtig mache, aber genau diese Phasen haben mich stärker gemacht und mir gezeigt, wie viel in mir steckt.
Ebenfalls besonders stolz macht mich, dass ich mir hier ein neues Leben aufgebaut habe, und zwar mit Menschen, die mich inspirieren, Projekten, die mir am Herzen liegen, und Erfahrungen, die ich mir früher vielleicht nicht zugetraut hätte. Die Teilnahme am MIRAI-Programm in Japan als Delegierte für die Schweiz war dabei ein Moment, in dem ich kurz innehalten musste, weil mir bewusst wurde, wie weit ich seit dem Studienstart gekommen bin.
Rückblickend ist mein grösster Stolz nicht ein einzelner Erfolg, sondern die Entwicklung dahinter: dass ich gelernt habe, mutig zu sein, Chancen anzunehmen und meinen eigenen Weg Schritt für Schritt zu gestalten.
Welche drei Tipps würdest du Studierenden mitgeben, die überlegen, ein trinationales oder internationales Masterstudium zu beginnen?
Erstens: Hab den Mut, deine Komfortzone zu verlassen und bleib resilient. Ein internationales Studium bringt viele Veränderungen und auch herausfordernde Phasen mit sich. Nicht alles läuft immer nach Plan, aber genau diese Momente helfen dir zu wachsen und stärker zu werden.
Zweitens: Sei offen für Menschen und neue Perspektiven. Gerade im trinationalen Umfeld lernt man unglaublich viel durch Gespräche, unterschiedliche Denkweisen und gemeinsame Erfahrungen. Oft sind es die Begegnungen ausserhalb des Hörsaals, die am meisten prägen.
Drittens: Erinnere dich immer wieder daran, warum du diesen Weg gewählt hast. Wenn es schwierig wird, hilft es, sich bewusst auf die Chance zu fokussieren, die hinter diesem Studium steckt, und sich selbst zu vertrauen.
Viel Glück, du schaffst das!

Master of Science Sustainable Business Development (trinational)
Kontakt

Prof. Dr. Jörg Wombacher
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