Mia Cristina Küderli hat diesen Sommer den Bachelor in Wirtschaftsrecht an der Hochschule für Wirtschaft, FHNW abgeschlossen. Im Interview spricht sie über ihren Wechsel von der Universität an die Fachhochschule, prägende Erfahrungen während des Studiums und ihren nächsten Schritt: den Master of Law an der Universität Fribourg.
Kannst du dich kurz vorstellen und wo du gerade stehst in deinem Studienweg an der FHNW?

Mein Name ist Mia Cristina Küderli, ich bin 23 Jahre alt und aus Zürich. Diesen Sommer habe ich gerade meinen Bachelor in Wirtschaftsrecht mit der Vertiefung «Fokus Recht» an der FHNW in Brugg abgeschlossen.
Weshalb hattest du dich seinerzeit für ein Studium an der FHNW entschieden und weshalb für den Studiengang Wirtschaftsrecht?
Ich habe im Herbst 2021 an der Uni Zürich mein Rechtswissenschaftsstudium begonnen und gemerkt, dass das Umfeld an der Uni nicht das Richtige für mich ist. Ich wollte weiterhin ein Studium mit dem Fokus auf Rechtswissenschaften besuchen und habe damals die Ausschreibung für den neuen Studiengang Wirtschaftsrecht an der FHNW entdeckt. Die geplanten Module haben mich sehr angesprochen, insbesondere hatte ich das Gefühl, dass mit Modulen wie beispielsweise IT-Recht und Cyber-Security das Studium sehr zukunftsorientiert ausgerichtet ist. Ich besuchte daraufhin die Infoveranstaltung in Zürich und liess mich dort insbesondere auch wegen den Auslandsmöglichkeiten der FHNW für den Studiengang und die Hochschule überzeugen.
Gibt es ein Projekt oder Modul, dass für dich besonders spannend oder einprägsam war?
Es ist schwierig mich auf ein bestimmtes Modul festzulegen. Ich konnte mich jedes Semester wieder für ein neues Modul komplett begeistern und hatte jedes Mal das Gefühl, dass ich genau dieses Fach in Zukunft weiterverfolgen möchte. Aber besonders die Bachelorthesis im letzten Semester war ein lehrreiches Projekt mit einigen Herausforderungen. Das Gelernte der letzten 3 Jahre nun erstmals auf ein echtes Problem aus einem Unternehmen anwenden zu können war sehr spannend und man erhielt die Gelegenheit sich in einem Gebiet, dass einem besonders gefällt, noch einmal stark zu vertiefen. Ich hatte die Möglichkeit mich einem arbeitsrechtlichen Thema in einem grossen Schweizer Prüfungs- und Beratungsunternehmen zu widmen.
Welche konkreten Skills oder Erfahrungen aus dem Studium waren für dich besonders wichtig oder prägend?
Uns wurde bereits am Einführungstag an der FHNW auf den Weg gegeben, dass einer der wichtigsten Skills für das Arbeitsleben das «Networking» ist, und dass ein grosser Wert daraufgelegt wird, dass wir bereits während dem Studium die Möglichkeiten erhalten dies zu trainieren. Ich habe sehr viele spannende Kontakte während meines Studiums knüpfen können. Insbesondere habe ich meine jetzige Stelle als Assistentin an der FernUni Schweiz durch eine Bekanntschaft von der FHNW erhalten.
Was hat dich am meisten überrascht während deines Studiums?
Am meisten überrascht hat mich, wie vielfältig das Studium tatsächlich ist. Vor Beginn meines Studiums hatte ich eine relativ klassische Vorstellung davon, was ein Studium im Bereich Recht beinhaltet. An der FHNW habe ich dann gemerkt, wie viele unterschiedliche Themenbereiche miteinander verbunden sind. Neben den klassischen juristischen Fächern beschäftigten wir uns beispielsweise mit IT-Recht, Cyber-Security, Social Media Recht oder wirtschaftlichen Fragestellungen. Dadurch habe ich immer wieder neue Interessen entdeckt und gemerkt, wie breit die beruflichen Möglichkeiten im juristischen Bereich eigentlich sind.

An welche Highlights aus deiner Studienzeit denkst du besonders gerne zurück?
Besonders gerne denke ich an die Zeit zu Beginn meines Studiums zurück, als ich mich noch in der Fachschaft engagiert und dadurch viele Studierende aus anderen Studiengängen kennengelernt habe. Daraus sind tolle Freundschaften entstanden, die mich während meiner gesamten Studienzeit begleitet haben und es hoffentlich auch in der Zukunft weiterhin werden.
Neben dem Studium waren deshalb auch die gemeinsamen Erlebnisse ein wichtiger Teil meiner FHNW-Zeit – sei es bei der Pub-Tour in Brugg, der Karaoke-Night oder beim Glühwein-Event. An diese Abende denke ich heute noch gerne zurück.
Wenn du an deine Zeit im Studium denkst, inwiefern hat es dich verändert – fachlich, aber auch persönlich?
Gab es einen bestimmten Moment oder ein Projekt, das besonders prägend war?
Das Studium hat mich vor allem selbstständiger gemacht. Ich habe gelernt, auch bei anspruchsvollen Aufgaben den Überblick zu behalten, meine Arbeit selbst zu organisieren und Verantwortung für meine Entscheidungen zu übernehmen. Gleichzeitig habe ich gelernt, mir selbst mehr zu vertrauen und nicht immer den Anspruch zu haben, alles von Anfang an perfekt machen zu müssen, Nicht zuletzt habe ich ebenfalls gelernt mit meiner zuvor sehr stark ausgeprägten Prüfungsangst umzugehen.
Besonders deutlich wurde mir diese Entwicklung während meiner Bachelorarbeit. Zum ersten Mal konnte ich das Wissen aus den vergangenen drei Jahren auf eine konkrete Fragestellung aus der Praxis anwenden und ein Thema über mehrere Monate selbstständig bearbeiten. Als ich die Arbeit schliesslich abgegeben hatte, war das für mich ein besonderer Moment, weil ich dabei gemerkt habe, wie viel ich während meines Studiums fachlich und persönlich gelernt hatte.
Hat das bisherige Studium deine Zukunftsperspektive auf irgendeine Art beeinflusst und wie geht dein Weg nach dem Studium weiter?
Mein Studium an der FHNW hat meine Zukunftsperspektive definitiv beeinflusst. Dank meinem Bachelor in Wirtschaftsrecht kann ich nun im September den Master of Law an der Universität Fribourg beginnen. Damit habe ich die Möglichkeit, meinen bisherigen Weg an der Fachhochschule mit einem universitären Master zu verbinden und mir gleichzeitig den Weg Richtung Anwaltsprüfung offen zu halten.
Vor meinem Studium an der FHNW war mir gar nicht bewusst, wie viele verschiedene Wege zu diesem Ziel führen können. Für mich war der klassische Weg über eine Universität zunächst nicht der passende Weg. Umso glücklicher bin ich, dass ich mit dem Studium an der FHNW eine Alternative gefunden habe und mein ursprüngliches Ziel, Anwältin zu werden, trotzdem weiterverfolgen kann.

Wem würdest du den Studiengang Wirtschaftsrecht empfehlen?
Jedem, der sich für die Rechtswissenschaften interessiert und sich die Option offenhalten möchte später an einer Universität weiterzustudieren, obwohl dies absolut nicht notwendig ist. Das Studium an der FHNW lässt sich auch gut meistern, wenn man nebenbei noch arbeiten möchte, was ich auch während meiner gesamten Studienzeit gemacht habe. Ich habe zudem die kleinere «Studiengangsgrösse» als sehr angenehm empfunden, da man nicht in der Masse untergeht und sich die Vorlesungen etwas persönlicher anfühlen.
Welche Tipps würdest du aktuellen und künftigen Studierenden mitgeben?
Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass man einen Ausgleich während des Studiums hat und auch insbesondere während der Lernphase nicht auf alles verzichtet. Ich habe das etwas spät gemerkt und mir immer unglaublich viel Druck gemacht. Zum Ende des Studiums wurde mir bewusst, dass die Vorbereitung auf die Prüfungen nicht nur aus Lernen bestehen sollte, sondern dass es einem auch mental und körperlich gut gehen sollte, um bestmögliche Leistungen zu erzielen.
Zudemwürde ich jedem empfehlen sich an den Events der Hochschule zu beteiligen und wenn möglich eine der vielen Auslandsmöglichkeiten der Fachhochschule zu nutzen.
Bachelor of Science Wirtschaftsrecht
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