Nach mehreren Jahren im Marketing suchte Silvan Stutz nach einem Weichensteller und fand ihn in der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und digitalem Marketing. Mit zwei CAS-Weiterbildungen an der FHNW vertiefte er nicht nur sein Fachwissen, sondern baute auch ein Netzwerk auf, das ihn bis heute begleitet. Im Interview spricht er über Wendepunkte, Lernerfahrungen und die Bedeutung von Praxisnähe in der Weiterbildung.

Silvan, du hast zwei Weiterbildungen an der Hochschule für Wirtschaft, FHNW gemacht, den CAS AI-Powered Digital Marketing und den CAS Marketing Automation Specialist. Letzteren hast du Anfang dieses Jahres abgeschlossen, herzlichen Glückwunsch dazu. Was war der Hauptgrund, dass du dich für die FHNW entschieden hast?
Die Entscheidung für die FHNW fiel mir leicht, denn sie gehörte damals zu den ersten Hochschulen, die AI im digitalen Marketing gezielt auf dem Radar hatten. Seither hat sich in diesem Feld extrem viel verändert. Heute weiss ich, dass die FHNW solche Entwicklungen aufgreift und die Kurse permanent anpasst.
Über alle meine Abschlüsse hinweg habe ich die Fachhochschule als sehr nah an der Praxis erlebt. Die Studiengänge bleiben nicht in der Theorie stecken, sondern entwickeln sich weiter, was die Weiterbildung für den Arbeitsalltag wirklich brauchbar macht. Was mir organisatorisch enorm entgegenkam, waren die «ganzen» Studientage. Das stückchenweise im Unterricht sitzen in irgendwelchen Randstunden am Abend (eine Struktur, die mir ohnehin nicht liegt) entfällt dadurch komplett.
Im Nachhinein kann ich sagen das für mich das Netzwerk eine zentrale Rolle gespielt hat. In jedem belegten Studiengang konnte ich Kontakte zu Dozierenden, Mitstudierenden und verschiedenen Unternehmen aufbauen. Während der Studienreise ins Silicon Valley für meinen kommenden MAS hat sich dieser Kreis an Kontakten noch einmal massiv vergrössert.
Wo standest du beruflich und persönlich, bevor du mit deiner ersten Weiterbildung begonnen hast? Und was war der Grund, dass du dich entschieden hast eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen?
Seit einigen Jahren war ich als Product Manager im Marketing bei Emmi Schweiz tätig. Ich suchte nach einer neuen Herausforderung. Etwas, das mich wirklich packt und Zukunftspotenzial hat. Künstliche Intelligenz faszinierte mich schon lange vor dem Launch von ChatGPT, vor allem im Gaming. Wie reagieren NPCs (Non-Player Character) auf meine Eingaben und was passiert da eigentlich im Hintergrund? Genau diese Technologie faszinierte mich und ich wollte verstehen, wo sie noch zum Einsatz kommen wird. Als ChatGPT dann auf den Markt kam, stand mein Entschluss fest, das Thema AI sollte auch beruflich mein Schwerpunkt werden.
Privat und beruflich durchlief ich damals eine zähe Phase. Ich hatte mehrere harte Bewerbungsverfahren für Stellen bei verschiedenen Emmi Standorten in verschiedenen Bundesstaten in den USA hinter mir und kassierte jedes Mal denkbar knapp eine Absage. Der Traum, für Emmi nach Amerika zu gehen, dominierte mein privates Leben massiv und kostete mich mental enorm viel Kraft.
Ich brauchte einen echten Weichensteller. Eine Weiterbildung, die mich fachlich vorwärtsbringt und den Blick wieder für andere Wege öffnet. Der CAS war in dieser Situation exakt das, was ich gesucht habe.
Wie kam es dazu, dass du anschliessend den zweiten CAS begonnen hast? War diese Entscheidung für dich von Anfang an klar oder hat sich dies erst später ergeben?
Seit ich 20 Jahre alt war, träumte ich davon, in den USA zu arbeiten. Während meines ersten CAS hatte sich die politische Situation in Übersee jedoch stark verändert. Deshalb entschied ich mich, einen weiteren CAS und anschliessend den MAS zu absolvieren. Natürlich aufbauend auf meiner beruflichen Erfahrung aber auch mit dem Wissen, dass ich einen CAS mit komplett neuen Inputs wollte. Der Wunsch in den USA zu Arbeiten ist nach wie vor da, auch wenn er sich aktuell etwas in die Ferne verschoben hat.
Was hat dich am CAS AI-Powered Digital Marketing besonders überzeugt oder überrascht?
Da ich mich beruflich bereits stark mit Marketing und privat intensiv mit AI auseinandergesetzt hatte, war für mich ein Teil des Unterrichtsstoffs eher Wiederholung. Besonders wertvoll war für mich jedoch das Netzwerk aus unterstützenden und inspirierenden Dozierenden sowie Mitstudierenden. Diese Kontakte pflege ich bis heute sehr gerne, sei es im persönlichen Austausch oder auch in beruflichen und schulischen Kontexten, zum Beispiel bei Gastauftritten an der FHNW.

Gab es beim CAS Marketing Automation Specialist etwas, dass dich besonders überzeugt oder überrascht hat?
Bei diesem CAS konnte ich in beiden Modulen sehr viel lernen, da ich zuvor noch nicht viele Berührungspunkte mit Automationen oder Performance im Marketing hatte. Es war für mich nicht eine einzelne Erkenntnis aus dem Unterricht, die besonders herausstach. Vielmehr habe ich die Module als eine Art Toolbox erlebt, die mir neue Möglichkeiten eröffnet hat und mich dazu motivierte, Dinge auszuprobieren, die ich ohne diese Weiterbildung vermutlich nicht getestet hätte.
Inwiefern konntest du das Gelernte direkt im Alltag oder im Beruf anwenden?
Meine damalige Stelle hatte nur wenige direkte Berührungspunkte mit digitalem Marketing. Bei Emmi herrscht jedoch eine offene Arbeitskultur, in der Know-how gerne geteilt wird. Zudem kann man sich proaktiv in Projekte einbringen, in denen man das Gelernte anwenden kann. Genau das habe ich gemacht, und ich kann sagen, dass mir die Weiterbildung im beruflichen Alltag sehr geholfen hat.
Welche Erwartungen an die Weiterbildungen hattest du vor dem Start und wie haben sich diese entwickelt?
Vor dem Start war mein Ziel klar: Ich wollte mein Wissen in digitalem Marketing und AI vertiefen und konkrete Impulse für den Berufsalltag mitnehmen. Rückblickend hat das grösstenteils auch funktioniert.
Einige Inhalte waren für mich allerdings eine reine Wiederholung. Das lässt sich kaum vermeiden, wenn man im Job ohnehin mit Marketing zu tun hat und sich auch in der Freizeit schon intensiv mit AI beschäftigt. Der wirkliche Wert dieser Weiterbildung lag für mich deshalb gar nicht in der trockenen Theorie.
Was mich effektiv weitergebracht hat, waren die Diskussionen nah an der Praxis. Ich habe neue Perspektiven gewonnen und mir ein echtes Netzwerk aufgebaut. Das hat schliesslich auch meine eigenen Erwartungen verändert. Stand am Anfang die rein fachliche Entwicklung im Zentrum, wurde mir mit der Zeit klar: Der direkte Austausch mit den anderen Teilnehmenden und den Dozierenden ist für das eigene Vorankommen enorm wichtig.
Was hat sich durch den Besuch der Weiterbildungen für dich konkret verändert, beruflich als auch persönlich?
Nachdem ich gezielt in verschiedenen Projekten mitarbeiten durfte, besonders wenn es um AI ging, konnte ich mich beruflich in kurzer Zeit in die Richtung die mich faszinierte weiterentwickeln. Vom Product Manager stieg ich rasch zum Senior Product Manager auf und übernahm schliesslich die Rolle als Senior Project Manager Business Process & AI. Heute verdiene ich mein Geld mit genau dem Thema, das ohnehin meine absolute Leidenschaft ist, AI. Zudem ist Emmi bereits mit einer weiteren Möglichkeit auf mich zugekommen, die am Horizont bereits ersichtlich ist.…
Was würdest du künftigen Weiterbildungsteilnehmenden mit auf den Weg geben?
Nutzt die Zeit an der FHNW nicht nur, um fachlich zu lernen, sondern vor allem auch, um euer Netzwerk zu stärken. Falls ihr die Möglichkeit habt, an einer Studienreise teilzunehmen, nehmt sie unbedingt wahr. Es kann eines der wertvollsten Erlebnisse sein, die ihr während eines Studiums oder in eurer Karriere machen könnt. Nutzt auch dort die Zeit, um Kontakte zu knüpfen, und besucht neben dem offiziellen Programm Veranstaltungen zu Themen, die euch im beruflichen Kontext interessieren. Ferien könnt ihr dort später immer noch machen, aber beruflich relevante Kontakte entstehen nicht einfach so.
Wenn du die Weiterbildung in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde er lauten?
Die Weiterbildung war für mich ein wichtiger Weichensteller, der mir fachlich neue Impulse, ein starkes Netzwerk und letztlich auch den Mut gegeben hat, meine berufliche Entwicklung konsequent in Richtung Digital Marketing, AI und Prozessentwicklung weiterzudenken.

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